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Arbeitskräftemangel bremst Aufschwung

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Laut WTTC und ETC werden EU-weit 1,2 Millionen Arbeitsplätze in der Reise- und Tourismusbranche unbesetzt bleiben, wenn nicht raschest Maßnahmen ergriffen werden. Besonders das Reisebüro-Segment wird vom Arbeitskräftemangel am stärksten betroffen sein.

Das World Travel & Tourism Council (WTTC) und die European Travel Commission (ETC) warnen eindringlich davor, dass der Aufschwung der Reise- und Tourismusbranche ernsthaft gefährdet sein könnte, wenn fast 1,2 Millionen Arbeitsplätze in der EU unbesetzt bleiben. In der jüngsten Analyse weist das WTTC darauf hin, dass es gerade im Sommer an Arbeitskräften mangelt und fordert von Politik und Privatwirtschaft dringende Maßnahmen zur Lösung dieser kritischen Situation.

Am Höhepunkt der Pandemie im Jahr 2020 verlor die Reise- und Tourismusbranche EU-weit fast 1,7 Millionen Arbeitsplätze. Mit Beginn der Lockerung der Reisebeschränkungen im Jahr 2021 begann sich auch das Vertrauen der Reisenden wieder zu bessern. Was eine Erholung des Reisesektors im direkten Bezug zur EU-Wirtschaft um 30,4 Prozent bedeutete, 571.000 Arbeitsplätze konnten wiederhergestellt werden. Auch für heuer geht das WTTC davon aus, dass sich die Erholung der Reisebranche weiter beschleunigt und mit einem erwarteten Anstieg des direkten Beitrags zur EU-Wirtschaft um 32,9 Prozent fast das Niveau vor der Pandemie erreichen wird.

Dazu Julia Simpson, Präsidentin und CEO des WTTC: „Europa hat sich 2021 mit am stärksten erholt und liegt über dem weltweiten Durchschnitt. Der derzeitige Arbeitskräftemangel kann diesen Trend jedoch verzögern und einen bereits angeschlagenen Sektor zusätzlich unter Druck setzen. Regierungen und Privatwirtschaft müssen zusammenarbeiten, um den Menschen, die nach Karrieremöglichkeiten in der Reisebranche suchen, auch die besten Möglichkeiten zu bieten."

Sechs-Punkte-Maßnahmenpaket 

Während der sommerlichen Hochsaison werden wahrscheinlich zahlreiche Stellen unbesetzt bleiben, wobei Reisebüros mit fehlenden Arbeitskräften von 30 Prozent - fast eine von drei unbesetzten Stellen - am stärksten betroffen sein dürften.
Im Luftverkehr und in der Beherbergungsbranche wird voraussichtlich jede fünfte Stelle unbesetzt bleiben, was einem Personalmangel von 21 bzw. 22 Prozent entspricht.

Gemeinsam haben WTTC und ETC nun sechs Maßnahmen identifiziert, um dem Arbeitskräftemangel in der Tourismus- und Luftfahrtbranche entgegenzuwirken:

  • Erleichterung der Mobilität von Arbeitskräften innerhalb der EU-Länder wie grenzüberschreitend sowie Stärkung der Zusammenarbeit auf allen Ebenen; Bereitstellung von Visa und Arbeitsgenehmigungen
  • Ermöglichung von flexibler Arbeit- und Fernarbeit, insbesondere, wenn Reisebeschränkungen Arbeitnehmer hindern, sich frei über Grenzen hinweg zu bewegen
  • für menschenwürdige Arbeit sorgen, soziale Sicherheitsnetze bereitstellen und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen - Arbeit, die sicher, fair, produktiv und sinnvoll ist - um die Attraktivität der Branche als Berufswahl zu steigern und Talente zu binden
  • Höherqualifizierung und Umschulung von Talenten sowie Angebot umfassender Schulungen sowie neue Möglichkeiten, um Arbeitskräfte mit besseren Fähigkeiten auszustatten
  • Schaffung und Förderung von Bildungs- und Ausbildungsplätzen; mit wirksamen Maßnahmen und öffentlich-privater Zusammenarbeit Bildungsprogramme und Lehrlingsausbildung unterstützen
  • Einführung innovativer, technologischer und digitaler Lösungen zur Verbesserung der täglichen Abläufe sowie Mobilität und Grenzsicherheit, um ein sicheres und nahtloses Reisen sowie ein verbessertes Kundenerlebnis zu gewährleisten
 „Europa als das führende und wettbewerbsfähigste Reiseziel der Welt hat sich verpflichtet, das nachhaltigste zu werden. Das Ziel des doppelten Wandels - grün und digital - kann jedoch nur erreicht werden, wenn uns gelingt, Talente für diese wunderbare Branche zu gewinnen und auch zu halten. Dies ist eine der größten Herausforderungen und erfordert koordinierte, vielschichtige und gemeinsame (öffentliche wie private) Lösungen", betont Luis Araujo, Präsident der ETC.

Sowohl WTTC als auch ETC sind fest davon überzeugt, dass die Reise- und Tourismusunternehmen durch die Umsetzung dieser Maßnahmen in der Lage sein werden, mehr Arbeitnehmer zu lukrieren und auch zu halten. Was eine Win-win-Situation bedeuten würde, denn die Reisebranche könnte die stetig wachsende Kundennachfrage entsprechend kompetent befriedigen und so den Aufschwung, der das Rückgrat für das wirtschaftliche Wohl in der gesamten EU bildet, weiter beschleunigen.

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