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Wohin die Reise geht

Wie macht die Gen Z Urlaub?

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Ist die Gen Z denn wirklich so anders in ihren Reisebedürfnissen? Eine neue Umfrage meint: Ja!
Ist die Gen Z denn wirklich so anders in ihren Reisebedürfnissen? Eine neue Umfrage meint: Ja!

Reiseziele erkunden oder Bewertungen anderer Gäste lesen – wer heute reisen will, ist sicherlich damit vertraut, digitale Reisen zu unternehmen, bevor es überhaupt in den Urlaub geht. Einen Typus von Reisenden gibt es jedoch, der sich durch sein natives digitales Verhalten in Bezug auf Urlaubsplanung und -buchung stark vom Rest unterscheidet.

Die Rede ist von der nächsten Generation, der sogenannten Generation Z (18-25 Jahre), die anders reist als die älteren Generationen und die kommenden Jahre das Reisegeschäft ordentlich auf den Kopf stellen wird. 

Die Reise beginnt digital

Denn die Reise für Gäste der Generation Z fängt am besten direkt auf den Sozialen Medien an. Mehr als 60 Prozent der Genz Z werden bei der Urlaubsplanung von den Sozialen Medien beeinflusst. Im Vergleich zu anderen Zielgruppen ist eine digitale Präsenz der Reiseveranstalter auf Plattformen wie Facebook, Instagram, Tiktok und Co. daher ein absolutes Muss, um diese reisefreudige Gruppe anzusprechen. Denn auch die Buchungen passieren größtenteils online über Reiseportale, und damit noch häufiger als bei anderen Zielgruppen. Damit werden auch die Meinungen anderer, also gute Gastbewertungen auf der Website immer wichtiger, da sich die Gen Z deutlich stärker davon beeinflussen lässt und im Vorhinein gut recherchiert. 

Clemens Fisch, Regional Director DACH & EMEA bei SiteMinder gibt Tipps, wie Hoteliers das Reiseverhalten für sich nutzen können: „Ein Schlüssel, um die Aufmerksamkeit der Gen Z Reisenden zu gewinnen, ist eine starke Online-Präsenz: 80 Prozent zeigen sich offen für gezielte Onlinewerbung. Das bedeutet für Hoteliers, dass Online-Verkaufsmöglichkeiten über mehrere Kanäle und die Metasuche als Verkaufskanal genutzt werden sollten, um jüngere Reisende zu erreichen.”

Es bleibt digital

Wer mit Technologie aufgewachsen ist, erwartet diese auch im Urlaub vorzufinden. So sind Unterkünfte angehalten aufzurüsten, denn die Website darf nicht langsam sein und auch digitale Wege zur Bezahlung müssen angeboten werden. „Auch das direkte Buchungserlebnis ist weiterhin entscheidend. Eine zuverlässige und optimierte Website, die nahtlos in eine Online-Buchungsmaschine integriert ist, sollte auch den einfachen Kauf von Zusatzleistungen, einen schnellen Buchungsprozess und eine sichere Zahlungsfunktion ermöglichen. Ausschlaggebend sind zudem ein angepasstes Layout für Smartphones und die Möglichkeit, einen Chatbot zu nutzen,” so Clemens Fisch.

Bitte keine Hotelgiganten

Während in den letzten Jahrzehnten die Touristik boomte und immer größere Hotelanlagen entstanden, zeigt sich mit der nächsten Generation eine Trendumkehr. Kleinere Unterkünfte sollen es sein, keine Luxushotels und großen Resorts. B&Bs und Ferienwohnungen schneiden besonders gut ab und auch der Trend zum Campen zeigt sich bei einer Analyse des Buchungsverhaltens der Gen Z. Große Ketten und Resorts werden ebenfalls noch gebucht, haben gemeinsam mit Luxushotels im Vergleich zu älteren Generationen aber an Popularität verloren. 

Ein besonderes, einzigartiges Erlebnis sollte der Urlaub auf alle Fälle darstellen. Deshalb ist die Bereitschaft, zusätzlich Geld für weitere Dienstleistungen zu bezahlen, auch bei der Generation Z entsprechend hoch. So sind es bereits die kleinen Dinge, wie ein besonderer Duft, Kunstwerke oder die Musik im Restaurant, die den Urlaub besonders machen. Damit fokussiert die Generation Z eindeutig auf den Erlebnisfaktor und ist besonders interessiert an der lokalen Kultur und Geschichte. 

Der Bleisure-Trend nimmt Fahrt auf

Was sich vor allem durch die Pandemie deutlich herauskristallisierte: Remote-Arbeiten liegt im Trend. Viele verbinden ihr Homeoffice deshalb auch gerne mit ihrer nächsten Reise und verbinden so geschickt Arbeit mit Urlaub. Der Wunsch nach verlängerten Aufenthalten, bei denen beispielsweise ein Businesstrip in einem Urlaub mündet oder im Urlaub gearbeitet werden kann, stellt für die Unternehmen neue Herausforderungen dar. Da eine Workation durchaus länger als ein reiner Urlaub dauern kann, ist der Preis daher für die Generation Z entscheidend. Spezielle Angebotsraten für längere Aufenthalte können somit für die Wahl der Unterkunft ausschlaggebend sein. So ist es durchaus wichtig, im Angebot ein schnelles und kostenfreies Internet, Frühstück und einen ausgelegten Arbeitsbereich (gerne mit Aussicht) zu integrieren. Weniger entscheidend sind nach einer Umfrage hingegen ein Pool oder ein Spa-Bereich.

Post-Pandemie-Reisen

Der Wunsch, den "best value" aus seinem Urlaub herauszuziehen, scheint nach der Pandemie deutlich gestiegen zu sein, nicht nur bei der Gen Z. Die Erwartungshaltung gegenüber Dienstleistungen wie beispielsweise Zimmerservice, Reinigungsdienst und Rezeption sind deutlich gestiegen, weshalb auch das Vergleichen von Angeboten immer mehr Raum in der Urlaubsplanung einnimmt. Reisen flexibel zu verschieben oder kostenfrei  stornieren zu können, wird wohl noch länger das Tagesgeschäft bestimmen.

Digital und trotzdem persönlich

Entgegen vieler Meinungen über die jüngere Generation, geht der persönliche Kontakt nicht durch eine Online-Präsenz verloren. Die Gen Z schätzt einen starken digitalen Auftritt – Inspiration, Buchung, Bezahlung und Check-In sind dabei die Grundpfeiler. Aber vor Ort angekommen, gilt es den persönlichen Kontakt nicht außer Acht zu lassen. Das Bedürfnis, im Urlaub umsorgt zu werden, ist gestiegen und dicht verknüpft mit der Erwartung, eine erfüllte Zeit zu verbringen. 

Clemens Fisch gibt folgende Empfehlung: „Das Erlebnis als Gast hat für Reisende nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert. Wenn die Mitarbeiter die Zeit und die Freiheit haben, sich persönlich um die Gäste zu kümmern, können sie ihnen einen unvergesslichen Aufenthalt bereiten. Anpassungen an die nächste Generation sind Anpassungen an die Zukunft.“ Gut geschultes und freundliches Personal ist damit wichtiger denn je und wohl eine der größten Herausforderungen der Branche für die kommenden Jahre.


Die vorgestellten Ergebnisse gründen auf den kürzlich veröffentlichten Changing Traveller Report 2022. SiteMinder hat in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Kantar global über 8.000 Menschen in 10 Ländern (Australien, China, Frankreich, Deutschland, Indonesien, Italien, Spanien, Thailand, Großbritannien und die USA) zu ihren Reiseplänen und -Vorlieben befragt. Informationen zum Changing Traveller Report 2022.

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