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Tourismus auf Augenhöhe

Terroranschläge auf Touristenzentren, daran kommt derzeit kein Kommentar vorbei.

Auch nicht an dem Thema Griechenland und der Frage nach der Buchungslage in den nächsten Monaten und Jahren. Und natürlich am Thema Flüchtlinge: Schon gibt es Strände, Länder, die man als Tourist lieber meidet, der traveller hat mehrfach berichtet. Doch nicht nur Terror und wirtschaftliche Abhängigkeiten machen den Urlaubsdestinationen zu schaffen, die Veränderungen von Flora und Fauna durch Schadstoffemissionen und zu viel Müll werden immer bedenklicher. Wer weiß, wie lange die Eisbären bei einer Kreuzfahrt zum Nordpol noch beobachtet werden können, wie lange Venedig noch besucht werden kann oder wann der nächste Tsunami einen Traumstrand heimsucht? Nachhaltigkeit und Reduzierung des CO2-Ausstosses sind auch in der Tourismuswirtschaft wichtige Assets, die es zu verkaufen gilt, aber immer noch nur für eine spezielle, kleine Zielgruppe wirklich Grund für eine Buchung. Und der Massen- und Pauschaltourismus ist nach wie vor – ob direkt oder indirekt – mitverantwortlich für die kontinuierliche Zerstörung und Vermüllung unseres in Wirklichkeit so kleinen Planetens. Allergien und Nahrungsunverträglichkeiten sind ein wichtiger Punkt bei der Reiseplanung, kaum einer, der davon verschont ist. Die Aggressivität der Sonneneinstrahlung und die Verschmutzung der Meere führen zu Hautreizungen und Entzündungen. Der Klimawandel – wiewohl von vielen noch immer belächelt und verniedlicht – schreitet unaufhaltsam fort, die scheinbar ambitionierten Klimaabkommen sind nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Und das macht auch vor den scheinbar perfekten Urlaubsidyllen unseres winzigen Österreich nicht halt. Gletscher, die sich mehr und mehr zurück bilden, Seen und Flüsse, die über die Ufer treten, weil Wald und Wiesen immer mehr verdrängt werden, Lawinen, die über gerodete und flachplanierte Hänge abgehen – nicht der Rede wert? Doch, weil vieles davon „hausgemacht“ ist. Im Winter die Schneekanonen, noch ausgeklügelter als bisher, künstlich vereiste Pisten und High-tech-„Alm“-Hütten zum Abfeiern bis zum Abwinken. Im Sommer heißt’s „Griass Di“ auf den Bergen, auch, wenn der Bergkamerad zum wiederholten Male vergisst, seine Plastikflaschen und Papierl’n wieder mit ins Tal zu nehmen und auch, wenn er nicht versteht, dass es nicht auf jeder einsamen Alm Pommes gibt. Der Gast ist König – aber der Gast muss sich auch bewusst machen, dass die Paradiese, in denen er sich von Alltagsstress und Abgasen erholen will, verletzbar sind. Und dass nicht alles und jedes, jeder Wunsch, jede Befindlichkeit, sofort und überall erfüllt werden können. Der kleine Planet Erde ist ein zerbrechliches Gut, das es in jeder nur erdenklichen Weise zu schützen gilt. Denn was sollen die nächsten Generationen in ihren Urlaubszielen vorfinden? Wie wird sie dann aussehen, die Reise ins Paradies – wird es solche noch geben? Demut und Respekt sind angesagt, vor dem Erbe, das wir überlassen bekommen haben und das wir unseren Kindern und Enkelkindern weitergeben wollen. Respekt und Demut seitens der Wirtschaft – auch der Tourismuswirtschaft –, aber auch seitens des Gastes, der mit Achtung und Wertschätzung gegenüber Menschen, Tieren und der Natur ein Land bereist und seinen Horizont erweitert. Tourismus auf Augenhöhe eben.
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