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Skifahren wird heuer empfindlich teurer

APA/THEMENBILD
Mit den Liftpreisen geht es heuer steil bergauf.
Mit den Liftpreisen geht es heuer steil bergauf.

Angesichts der allgemein hohen Inflation infolge des Ukraine-Kriegs und der daraus resultierenden Energiekrise drehen auch die Skigebiete massiv an der Preisschraube. Im Schnitt müssen Wintersportler in der Saison 2022/23 um rund 8 Prozent mehr für ihr Liftticket budgetieren.

Wer diesen Winter über Österreichs Skipisten rauschen möchte, muss dafür deutlich tiefer in die Tasche greifen als in der vergangenen Saison. Zum Teil wollen die Betreiber ihre extrem höheren Kosten auch mit Energiesparmaßnahmen etwas dämpfen. Der Spielraum dafür wird aber als eingeschränkt dargestellt, da bereits intensiv an der Effizienz gearbeitet und der Verbrauch in den vergangenen zehn Jahren um rund 20 Prozent nach unten gedrückt worden sei.

Angedacht sind beispielsweise weniger Stationsbeleuchtung, das Ausschalten von Sitzheizungen oder weniger Nachtskilauf. Auch die Seilbahngeschwindigkeit könnte zu Mittag oder am frühen Nachmittag von 5 bis 6 auf 4 bis 4,5 Meter pro Sekunde reduziert werden. Fix ist hier allerdings noch nichts. Die Vorschläge liegen laut heimischem Seilbahnen-Sprecher und ÖVP-Politiker Franz Hörl "im Ministerium", die Branche warte nun auf konkrete Vorgaben.


Gleichzeitig sagte er, dass der Energieverbrauch des heimischen Tourismus überschätzt werde. Beherbergung, Gastronomie und Seilbahnen kämen laut Erhebungen des Umweltbundesamtes auf einen Anteil von lediglich rund 1,55 Prozent am österreichischen Gesamtenergieverbrauch (wir haben berichtet). Der Wintertourismus alleine komme auf nur etwa 0,9 Prozent des gesamten Verbrauches.

Spürbar höhere Liftkartenpreise stehen jedenfalls in ganz Österreich fest. In der stärksten Winterdestination Tirol dürften die Ticketpreise laut Hörl, der auch Tiroler Wirtschaftsbund-Chef ist, im Schnitt zwischen 7 und 8 Prozent steigen, sagte er der APA. Das Energieeinsparpotenzial wiederum liege bei bis zu 12 Prozent, man sei sich "dieser Verantwortung bewusst", meinte der ÖVP-Abgeordnete. 

Lust auf Ski

Der teurere Skiurlaub dürfte der Nachfrage jedoch keinen Abbruch tun: "Die Menschen haben weiterhin Lust auf Winterurlaub in den Bergen und die Nachfrage ist in den Tiroler Regionen vorhanden", sagte die Geschäftsführerin der Tirol Werbung, Karin Seiler. Urlaub werde "als Möglichkeit gesehen, sich eine Auszeit von den aktuellen Krisen zu nehmen". Allerdings würden viele Menschen "sicher noch abwarten, wie sich die Situation entwickelt", kurzfristige Buchungen seien die Folge.

Im Bundesland Salzburg müssen Ski- und Snowboard-Fans im bevorstehenden Winter bei den Liftpreisen mit Steigerungen zwischen 6,5 und 11 Prozent rechnen. Die Schallmauer von 70 Euro für die Tageskarte wird aber nicht durchbrochen. Gleichzeitig stellen auch dort die Liftbetreiber Überlegungen an, wo angesichts der Preisexplosion im Energiebereich gespart werden könne, sagte der dortige Seilbahnen-Sprecher Erich Egger.

"Den Preis für die Jahreskarte der 'Alpin Card' haben wir ja schon im April festgelegt, hier kommt es zu einer Erhöhung um 6,5 Prozent", erklärte der Manager. Das heißt, für das Winter-Ticket müssen heuer im Vorverkauf 692 Euro hingeblättert werden, ab 9. Dezember kostet es dann 824 Euro. Bei der Tageskarte fällt die Erhöhung mit knapp 10 Prozent höher aus, in der Hauptsaison ist sie heuer um 66 Euro erhältlich, im Vorjahr waren es noch 60,50 Euro.

Fast alle Salzburger Skigebiete sind inzwischen in den zwei großen Tarifverbünden vertreten. So gelten die Tickets der Alpin Card im "Skicircus Saalbach-Hinterglemm/Leogang/Fieberbrunn", auf der Schmittenhöhe in Zell am See und auf dem Kitzsteinhorn Kaprun.

Die Preise der Skipässe in Ski amadé, das 760 Pistenkilometer und 270 Liftanlagen in fünf Skiregionen und 25 Skiorten in Salzburg und der angrenzenden Steiermark (Raum Schladming) umfasst, steigen im Schnitt um rund 9 Prozent. "Das liegt im Bereich der Inflation", erklärte Geschäftsführer Christoph Eisinger auf Anfrage der APA. Die Tageskartenpreise variieren in Ski amadé je nach Skigebiet. Die Preisspanne für die großen Skigebiete bewegt sich hier von 55 Euro bis 68,50 Euro für eine Erwachsenen-Tageskarte. In den kleineren Skigebieten gibt es die Tageskarte bereits ab 45 Euro. Mit dem neuen Online-Frühbuchersystem können die Gäste einen Skipass (Tages- und Mehrtagesskipässe) je nach Kaufzeitpunkt und Nachfrage zu einem günstigeren Preis als den Kassenpreis erhalten.

Die Fahrtgeschwindigkeit der Seilbahnanlagen soll dem Gästeaufkommen noch stärker angepasst werden als bisher. "Konkret bedeutet dies, wenn in der Nebensaison oder zu gewissen Tageszeiten weniger Skifahrer die Liftanlagen benützen, wird die Geschwindigkeit gedrosselt und angepasst. In der Hauptsaison beziehungsweise bei starkem Gästeaufkommen wird dies nicht der Fall sein", erläuterte Eisinger. Flutlichtskilauf soll stark eingeschränkt und die Sitzheizungen nur dann betrieben werden, wenn dies aufgrund der tiefen Temperaturen nötig ist. "Wir werden aber nachdrücklich alles daransetzen, die Skigebiete in gewohntem Umfang zu betreiben." 

Kein Sparen am Angebot

Die Preise in den Kärntner Skigebieten werden für die kommende Wintersaison um durchschnittlich 8 Prozent angehoben. Wie Spartenobmann Manuel Kapeller-Hopfgartner sagte, haben die Unternehmen 15 bis 20 Prozent Kostensteigerungen, diese könne man aber nicht vollständig an die Kunden weitergeben. Energieeffizienzmaßnahmen wurden in den vergangenen Jahren bereits umgesetzt, heuer werden die Seilbahnen ihre Bemühungen aber nochmals verstärken.

Am Angebot wollen die Kärntner Seilbahnen nicht sparen. Weder sollen Öffnungszeiten verkürzt werden noch einzelne Liftanlagen ausgeschaltet bleiben. Die Erwachsenen-Tageskarten werden etwa am Nassfeld und in Bad Kleinkirchheim 56,50 Euro kosten, an der Kassa des Mölltaler Gletschers 59 Euro, 56 Euro auf der Gerlitze und 54,50 Euro auf der Turracher Höhe. Günstiger ist es in kleineren Skigebieten, etwa am Klippitztörl mit 40,50 Euro.

Auch in der Steiermark wird Skifahren heuer merklich teurer. Die Tageskarte auf der Planai kostet im kommenden Winter zwischen 58 und 68 Euro - je nachdem, wie früh man sie bucht und kauft. Damit ist die Planai in das Frühbuchersystem der Ski amadé eingebunden. Ein Erwachsener, der in der Früh bei Start des Liftbetriebs sein Tagesticket kauft, wird den Angaben zufolge im kommenden Winter 68 Euro bezahlen. Im Skigebiet Riesneralm im obersteirischen Donnersbachtal werden die Preise laut Geschäftsführer Erwin Petz für 2022/23 um 7 Prozent angehoben. Die Tageskarte für Erwachsene kommt auf 48 Euro, jene für Kinder auf 24,50 Euro. Eine Sechs-Tages-Karte kostet für Erwachsene 258,50 Euro, für Kinder 129,50 Euro.

"Nach zwei Pandemiejahren sind die aktuellen Energiekosten die nächste Herausforderung für die Skigebiete", bestätigte der Geschäftsführer der Bergbahnen Hinterstoder und Wurzeralm (HiWu), Helmut Holzinger. Die Kostensteigerungen könne man in den zwei größten Skigebieten Oberösterreichs aber "nicht eins zu eins an Kunden weitergeben". So wurde die Saisonkarte heuer um 8 Prozent teurer. Der im Oktober gestartete Vorverkauf liege bereits auf Vor-Corona-Niveau im Jahr 2019.

Auch bei den Tageskarten sei man mit den Erhöhungen unter dem Verbraucherpreisindex geblieben, so Holzinger. Eine solche Karte koste in der kommenden Saison online - hier gibt es einen 5-Prozent-Rabatt - für Hinterstoder 52 Euro, für die Wurzeralm 49 Euro. Der Anteil der Liftkarten, die über den Webshop bezogen wurden, betrug vergangene Saison laut HiWu-Chef 25 Prozent.

Um den Kostenfaktor Energie zu senken, sollen laut Holzinger 10 bis 15 Prozent beim Verbrauch eingespart werden. So könnten etwa bei geringer Auslastung einzelne Lifte in Oberösterreich bereits eine Stunde früher den Tagesbetrieb einstellen. Zudem sollen die Bahnen langsamer fahren. 4 statt 5 Meter pro Sekunde würde der Skifahrer nicht merken, meinte er. Tageweise den Liftbetrieb komplett einzustellen, sei aber nicht vorgesehen. Den Einsatz von Beschneiungsanlagen zu drosseln, sei ebenfalls nicht geplant. Schon jetzt verfolge man in Hinterstoder und auf der Wurzeralm ein "effizientes Schneemanagement".

Skitouristen in Niederösterreich müssen sich heuer im Winter auf etwa 10 Prozent teurere Saisonkarten einstellen. Die ecoplus Alpin GmbH habe die Preise bereits veröffentlicht, sagte Geschäftsführer Markus Redl auf Anfrage zur APA. Bei Tages- und Mehrtageskarten stehe eine Entscheidung noch aus. "Wir warten auf mehr Informationen, was die Rahmenbedingungen angeht." Die Preise für Tages- und Mehrtageskarten würden zu Saisonbeginn (um den 8. Dezember, Anm.) bekannt gegeben.

Beim Energiesparen gibt es laut Redl "zwei Stellschrauben". Einerseits soll die Schneeproduktion noch effizienter als schon bisher gestaltet werden, andererseits gehe es um die Art und Weise, wie Lifte betrieben würden. Es müsse nicht jede Aufstiegshilfe immer in Betrieb sein. Das Erlebnis des Gastes soll freilich nicht eingeschränkt sein, betonte Redl.

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