nicko cruises: Veranstalter erwägt Verfa... Plus Artikel
 
nicko cruises

Veranstalter erwägt Verfassungsbeschwerde

nmann77 - stock.adobe.com
Der in Karlsruhe beheimatete Bundesgerichtshof hat einer Klage gegen Nicko Cruises wegen eines Rücktritts von einer Pauschalreise wegen Covid-19 stattgegeben.
Der in Karlsruhe beheimatete Bundesgerichtshof hat einer Klage gegen Nicko Cruises wegen eines Rücktritts von einer Pauschalreise wegen Covid-19 stattgegeben.

nicko cruises hat vor dem Bundesgerichtshof einen Prozess um einen Rücktritt von einer Reise wegen Covid-19 verloren. Der Stuttgarter Veranstalter zieht nun eine Verfassungsbeschwerde in Betracht.

Am Bundesgerichtshof in Karlsruhe wurde am Dienstag über Rücktritte von Pauschalreisen wegen Pandemie verhandelt. In drei Fällen forderten Reisende eine kostenlose Stornierung, weil sie aufgrund von Corona ihre Reise nicht antreten wollten.

Einer der Fälle betrifft eine Donaukreuzfahrt von bei Nicko Cruises. Eine Kundin hatte im Januar 2020 eine Donaukreuzfahrt im Zeitraum vom 22. bis 29. Juni 2020 gebucht. Sie trat am 7. Juni 2020 von der Reise zurück und verlangte die Rückzahlung der bereits geleisteten Anzahlung von 319,97 Euro.

Der BGH entschied, dass in diesem Zeitraum die Infektionsgefahr bereits sehr konkret gewesen sei, weshalb der Klägerin recht gegeben wurde. In diesem Fall muss der Reiseveranstalter der Klägerin die Stornokosten erstatten. Auch das hohe Alter der Kundin spielten bei dieser BGH-Entscheidung eine wichtige Rolle, zumal die Klägerin auf der Flusskreuzfahrt besonders gefährdet gewesen wäre.Das Gericht verwies außerdem auf den speziellen Sachverhalt, dass die betroffene Kundin lungenkrank war. Der BGH befand, dass das Auftreten der Pandemie nach Buchung der Kundin einen Umstand darstellt, der das Gefährdungsrisiko in diesem individuellen Fall erhöht hat.

"Ich kann nach wie vor nicht nachvollziehen, dass wir das Risiko einer Vorerkrankung eines Gastes tragen müssen – wir sind doch Reiseveranstalter und keine Versicherung!", ärgert sich Guido Laukamp, Geschäftsführer von Nicko Cruises Schiffsreisen. Er meint, dass es bisher in der ständigen Rechtsprechung verbreitet und anerkannt war, die Risiko- und Einflusssphäre des Veranstalters von der des Kunden zu trennen.

"Das Gericht hat hier gleich zwei vernünftige und objektive Prinzipien der Rechtsprechung erschüttert, nämlich die Risikoteilung nach Verantwortungssphärensogenannte und die ex ante Betrachtung", kritisiert Laukamp.

Bei der sogenannten ex ante Betrachtung geht es darum, ob zum Zeitpunkt der Stornierung durch einen Gast mit hinreichender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden kann, dass zum Zeitpunkt der Reise im Zielgebiet unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände vorliegen würden, die den Gast dann zu einer kostenlosen Stornierung berechtigten.

Nicko Cruises will zunächst abwarten, bis die Entscheidungsgründe schriftlich vorliegen, erwägt jedoch die Anstrengung einer Verfassungsbeschwerde. Aus Sicht des Veranstalters sei mit der Verschiebung von Risiken außerhalb der Verantwortungssphäre des Veranstalters zu dessen Lasten die Voraussetzungen dafür gegeben.

Hier geht es zum Urteil des Bundesgerichtshofes.
stats