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Einstieg bei JT Touristik?

Wie "fvw" berichtete, will der Discounter Lidl offenbar bei JT Touristik einsteigen.

Die Handelskette gilt nach fvw-Informationen als aussichtsreichster Bieter und würde so ihr Veranstaltergeschäft deutlich ausbauen. Bereits am 5. Dezember 2017 hatte die "fvw" exklusiv berichtet, dass das Verkaufsverfahren bei JT Touristik auf die Zielgerade geht und nur noch zwei Interessenten im Rennen sind, davon einer aus Deutschland und einer aus dem Ausland. Wie die "fvw" am Rande der DRV-Tagung in Ras Al Khaimah erfuhr, ist einer und der offenbar zugleich aussichtsreichste Bieter die Handelskette Lidl. Lidl selbst wollte dies auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren. Zu geschäftsstrategischen Themen dieser Art äußere man sich grundsätzlich nicht, so eine Sprecherin zur "fvw". Einem Verkauf müssen zuvor auch der Insolvenz-Verwalter und die Gläubiger des insolventen Berliner Veranstalters zustimmen. Lidl war vor elf Jahren, zeitgleich mit Erzrivale Aldi, in den Vertrieb von Reisen über Prospekte in den eigenen Filialen und über die Website eingestiegen. Neben der Vermittlung von Angeboten fremder Veranstalter wie zum Beispiel der FTI-Tochter BigXtra hat Lidl vor rund einem Jahr einen eigenen Veranstalter, Lidl Holidays, gegründet. Wie der Chef von Lidl Reisen, Christoph Hahn, Anfang 2017 gegenüber "fvw" erklärte, wolle man dadurch das Sortiment ausbauen und direkten Einfluss auf die Qualität nehmen. Zudem dürfte die Handelskette daran interessiert sein, durch eine tiefere Wertschöpfung die Marge zu erhöhen. Mit dem Kauf von JT Touristik könnte der Veranstalter Lidl Holidays, der im internationalen E-Commerce-Bereich des Unternehmens angesiedelt ist, einen deutlichen Sprung machen. Der Newcomer erhielte so Anbindung an Bettenbanken, Incoming-Agenturen und Vertriebssysteme sowie ein breites Netz bei Hotels und im Reisebüro- und Online-Vertrieb. Durch das JT-Team kämen auch erfahrene Touristik- und IT-Spezialisten hinzu. Allerdings dürften nicht wenige Hoteliers und Reisebüros, die durch die JT Touristik-Insolvenz Geld verloren haben, zunächst einer weiteren Zusammenarbeit skeptisch gegenüberstehen. Jedoch erhielte JT Touristik mit Lidl einen finanziell kerngesunden Eigentümer, der ein langfristiges strategisches Interesse an einer guten Zusammenarbeit mit den Leistungsträgern und Verriebspartnern hat. Wie berichtet, ist eher ein sogenannter Asset-Deal wahrscheinlich, bei dem der Käufer nicht die Altlasten mit übernimmt. So war auch die tschechische Invia-Gruppe bei der Übernahme des insolventen Reisegeschäfts von Unister vorgegangen. Außerdem dürfte JT Touristik-Gründerin und Geschäftsführerin Jasmin Taylor nach dem Verkauf aus dem Unternehmen ausscheiden.
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