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Innsbruck

Digitalisierung soll Tourismus wettbewerbsfähiger machen

Fischler
Pressekonferenz in Innsbruck zum „Tourismus der Zukunft“ mit den Staatssekretär:innen Susanne Kraus-Winkler, Florian Tursky (r.) und dem designierten Tiroler Landesrat für Wirtschaft und Tourismus Mario Gerber.
Pressekonferenz in Innsbruck zum „Tourismus der Zukunft“ mit den Staatssekretär:innen Susanne Kraus-Winkler, Florian Tursky (r.) und dem designierten Tiroler Landesrat für Wirtschaft und Tourismus Mario Gerber.

Ein von der Bundesregierung initiierter Aktionsplan soll den österreichischen Tourismus durch Digitalisierung wettbewerbsfähiger machen. Der Plan gliedert sich in drei Handlungsfelder: Datennutzung, digitale Kompetenz und Verwaltung bzw. Infrastruktur.

Die Österreich Werbung baut aktuell einen "Data Space Tourism" auf. Großen Nachholbedarf im Tourismus ortete Staatssekretär Florian Tursky (ÖVP) bei den digitalen Fähigkeiten. Weiteres Ziel sei eine "Entbürokratisierung". Die Selbstüberschätzung, was digitale Fähigkeiten angeht, sei in allen Branchen "sehr groß", hielt Tursky fest. Gegensteuern wolle man mit einer vom Finanz- und Arbeitsministerium vorangetriebenen "Kompetenzoffensive", kündigte der im Finanzministerium tätige Staatssekretär am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz in Innsbruck an. Schließlich setzten heutzutage neun von zehn Jobs digitale Kompetenz voraus. Rund 30 Prozent der Bevölkerung würden diese Erwartungen nicht erfüllen, schätzte der 33-jährige Staatssekretär unter Berufung auf den "Österreichischen Digitalen Kompetenzmonitors", mit dem die "digitale Fitness" der Österreicherinnen und Österreicher kürzlich überprüft worden war. "Eklatanten Aufholbedarf" ortete er vor allem in puncto Sicherheit. In der Tourismusbranche tätige Menschen schnitten übrigens "unterdurchschnittlich" ab.

Neben digitaler Kompetenz greife der Aktionsplan die Nutzung "relevanter, vernetzter Daten in Echtzeit" auf, erklärte die Staatssekretärin für Tourismus, Susanne Kraus-Winkler (ÖVP). Dabei gehe es vor allem um einen "dezentralen Datenaustausch", der "Datensilos" ablösen solle. Es müsse "ein Umdenken" und eine Abkehr vom Horten veralteter Daten stattfinden, befand die im Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft ansässige Staatssekretärin und unterstrich: "Vernetzung ist Gold." Im aktuellen Strukturwandel hin zum Qualitätstourismus berge Digitalisierung "erhebliche Optimierungspotenziale", ist sich Kraus-Winkler sicher. Im Tourismusbereich würde die Österreich Werbung aktuell ein Data-Service-Ökosystem aufbauen, das unter dem Namen "Data Space Tourism" firmiert. Aktuell würden erste Anwendungen erprobt, wie die Erstellung von Auslastungsprognosen, eine Besucherstromlenkung je nach Wetterlage oder die automatische Beantwortung von Gästeanfragen.

Tursky gab in Bezug auf Datennutzung ferner zu bedenken, dass aktuell 80 Prozent aller weltweiten Daten nicht in Europa gespeichert würden, was zu einer Abhängigkeit führe. Die EU forciere deshalb einen neuen, souveränen und europäischen Datenstandard namens "Gaia-X". Dieses europäische Cloud- und Dateninfrastrukturprojekt war im Oktober 2019 der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Es geht es darum, in Europa nicht alternativlos auf die großen IT-Konzerne aus den USA und China angewiesen zu sein. Für die Infrastruktur sollen bestehende Angebote über Open-Source-Anwendungen und offene Standards miteinander vernetzt werden.

Als drittes Handlungsfeld widmet sich der Aktionsplan dem Thema Verwaltung und Infrastruktur mit dem Ziel einer "Entbürokratisierung", wie Tursky unterstrich. Die Bundesregierung verfolge das Ziel, alle Amtswege zu digitalisieren. Künftig sollten somit auch für die Tourismusbetriebe "alle Einreichungen digital erfolgen". Zudem würde die Rot-Weiß-Rot-Karte digitalisiert, um den Arbeitsmarktzugang für ausländische Fachkräfte zu erleichtern.

Der ebenfalls bei der Pressekonferenz anwesende Tiroler Neo-Wirtschaftslandesrat Mario Gerber (ÖVP) ging in diesem Zusammenhang auf das sich gerade in Ausarbeitung befindliche und österreichweit einheitliche "digitale Gästeblatt" ein. Damit soll der behördliche Meldevorgang digitalisiert werden und etwa auf einem Tablet anstatt auf Papier erfolgen. "Ein Meilenstein", wie Gerber betonte. Er verwies darauf, dass man hier auf Tiroler Erfahrungswerte zurückgreifen könne. Im Bundesland sei ein flächendeckendes, digitales Meldesystem bereits im Einsatz. Ferner hob der Wirtschaftslandesrat die Service Plattform Tirol (SEPL) hervor, die Private und Unternehmen bei der digitalen Erledigung ausgewählter Amtswege - etwa der Erfassung von Tourismusbeiträge - unterstütze.
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