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Geschäftsreisen

Preisanstiege nehmen Fahrt auf

Die weltweiten Reisepreise werden im kommenden Jahr voraussichtlich weiter steigen. Laut den Daten von CWT und GBTA liegen diese aber noch unter dem Niveau von 2019.

Geschäftsreisen: Preisanstiege nehmen Fahrt auf

Im Jahr 2023 werden Geschäftsreisende mit einem Anstieg der Flugpreise um 8,4 %, der Hotelpreise um 8,2 % und der Autovermietungsgebühren um 6,8 % rechnen müssen. Für das gesamte Jahr 2022 wird ein Anstieg der Flugpreise um 48,5 % vorhergesagt, Hotelpreisen von 18,5 % und Autovermietungsgebühren von 7,3 %. 

Haupttreiber dafür sind Steigende Treibstoffpreise, Arbeitskräftemangel und Inflationsdruck bei den Rohstoffkosten, aber auch die zurückgekehrte Nachfrage nach Geschäftsreisen und Meetings, die am globalen Reisemarkt um Kapazitäten konkurrieren, spielt eine Rolle. 

"Die Nachfrage nach Geschäftsreisen und Meetings ist wieder da, daran besteht kein Zweifel", so Patrick Andersen, Chief Executive Officer von CWT. "Arbeitskräftemangel in der gesamten Reise- und Hotelbranche, steigende Rohstoffpreise und ein größeres Bewusstsein für verantwortungsbewusstes Reisen wirken sich auf die Dienstleistungen aus, aber die prognostizierten Preise sind im Großen und Ganzen auf dem Niveau von 2019."

Denn im Jahr 2020 schrumpfte die Weltwirtschaft um 3,4 % und verzeichnete damit einen der stärksten Rückgänge seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Dienstleistungssektor, einschließlich des Reise- und Gastgewerbes, wurde besonders hart getroffen. Die Erholung ließ jedoch nicht lange auf sich warten, die Weltwirtschaft wuchs 2021 wieder um 5,8 %. Mit zunehmender Dauer passt sich die Erholung an den ursprünglichen Wert von 2019 wieder an. Das derzeitige Basisszenario für 2022 geht von einem Wachstum von drei Prozent aus, gefolgt von einem Wachstum von 2,8 % im Jahr 2023.

Für die globale Geschäftsreiseprognose sind allerdings drei Hauptkräfte entscheidend. Dazu gehören der Einmarsch Russlands in der Ukraine in Verbindung mit anderen geopolitischen Unsicherheiten, der Inflationsdruck, der die Kosten in die Höhe treibt, und das Risiko weiterer COVID-Ausbrüche, die Geschäftsreisen einschränken könnten. Zudem werden Nachhaltigkeit und die Bekämpfung des Klimawandels Unternehmen immer wichtiger, was die Preise zusätzlich beeinflusst. 

Nachholbedarf verteuert Tagungen und Veranstaltungen

Angeheizt durch den Nachholbedarf und den unsicheren wirtschaftlichen Aussichten stiegen insbesondere die Kosten pro Teilnehmer für Meetings und Events heuer um etwa 25 %. Für 2023 wird ein weiterer Anstieg von sieben Prozent erwartet. Neben dem Nachholbedarf konkurrieren Unternehmensveranstaltungen nun mit vielen anderen Veranstaltungsarten, die 2020 abgesagt wurden. Und da viele Unternehmen während der Pandemie ihre Büroräume zugunsten von Remote-Arbeit aufgegeben haben, buchen sie jetzt Tagungsräume, wenn sich die Mitarbeiter persönlich treffen wollen, was die Nachfrage zusätzlich anheizt. 

Kürzere Vorlaufzeiten für Veranstaltungen, die von sechs bis 12 Monaten auf ein bis drei Monate variieren, tragen ebenfalls zu diesem Anschub bei. Die Volatilität macht sich besonders im asiatisch-pazifischen Raum bemerkbar, wo die Wiedereröffnung nach der Pandemie langsamer als in anderen Regionen vonstatten ging. Die anhaltenden Beschränkungen in China veranlassen Kunden, die Veranstaltungen so schnell wie möglich austragen zu wollen, um deren Durchführbarkeit zu garantieren.

Flugpreise bleiben voraussichtlich unter 2019-Niveau

Bei den Flugpreisen nähern sich die Prognosen wieder den Preisen von 2019 an. Die steigende Nachfrage und die anhaltenden Preissteigerungen bei Kerosin, die in einigen Märkten zu einer Verdoppelung der Preise geführt haben, setzen die Ticketpreise unter Aufwärtsdruck. 

Während die Flugpreise 2020 im Schnitt um 12 % sanken, gefolgt von einem weiteren Rückgang um 26 % im Jahr 2021, wird für das Gesamtjahr 2022 ein Preisanstieg von 48,5 % erwartet. Die Preise für Economy-Tickets fielen von 2019 bis 2021 um über 24 %, während die Preise für Premium-Tickets um 33 % sanken. Nach einem Anstieg von 48,5 % im Jahr 2022 werden die Preise im Jahr 2023 voraussichtlich um 8,4 % steigen.

Trotz starkem Preisanstieg wird jedoch erwartet, dass die Preise 2023 weiterhin unter dem Niveau von vor der Pandemie bleiben. Das liegt vor allem an der Entwicklung der letzten zehn Jahre, welche die Ticketpreise massiv sinken ließ. So kostete im Durchschnitt ein Hin- und Rückflug im weltweiten Luftverkehr 2019 324 US-Dollar, während 2011 noch 549 US-Dollar ausgegeben werden mussten.

Die höheren Durchschnittspreise ergeben sich zudem aus einem steigenden Anteil von Premium-Tickets, die 6,5 % aller gekauften Tickets (2019: sieben Prozent) ausmachen. Der durchschnittliche Ticketpreis setzt sich aus Economy- und Premium-Tickets zusammen. 

Kapazitätsengpässe bei Hotels

Die Hotelpreise sanken im Jahr 2020 um 13,3 % gegenüber 2019 und um weitere 9,5 % im Jahr 2021. Für 2022 wird jedoch erwartet, dass diese um 18,5 % steigen werden, gefolgt von einem Anstieg um 8,2 % im Jahr 2023. In einigen Regionen wie Europa, dem Nahen Osten und Afrika sowie Nordamerika haben die Hotelpreise das Niveau von 2019 bereits übertroffen. 2023 soll dies weltweit der Fall sein.

In einigen Teilen der Welt sind die Hotelpreise besonders stark gestiegen, darunter Nordamerika (22 %) sowie Europa, der Nahe Osten und Afrika mit 31,8 %. Dies ist vor allem auf die beschleunigte Erholung und den damit in Verbindung stehenden, anhaltenden Kapazitätsengpässen zurückzuführen. 

Während 2021 noch der Freizeitverkehr für einen deutlichen Anstieg bei den Hotelpreisen gesorgt hat, kommen nun der Gruppenreiseverkehr (für Firmenveranstaltungen) sowie der Geschäftsreiseverkehr hinzu. 

Autoknappheit bei Mietwagenverleih

Einen neuen Höchststand erreichten 2022 die Autovermietungspreise mit einem erwarteten Anstieg um 7,3 %. 2023 soll dieser um weitere 6,8 % getoppt werden. Grund dafür seien die anhaltenden Kapazitätsengpässe sowie die verkleinerten Flotten der Autovermieter. 

Als Notlösung seien die Autovermieter bereits dazu übergegangen, gebrauchte Fahrzeuge zu kaufen, um die Flottengröße zu erhöhen bzw. die Fahrzeuge länger in der Flotte zu halten. Einige Vermieter kaufen auch Fahrzeuge von Herstellern, die nicht zu den von ihnen traditionell unterstützten Marken gehören.

Quelle: Business Travel Forecast 2023

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