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Analyse

Tourismus auf der Bremse

Harald - stock.adobe.com

Die Urlaubsbranche kommt seit Beginn der Pandemie im März 2020 nicht zur Ruhe. "Voraussichtlich gelingt es dem heimischen Tourismus erst im Lauf von 2023, das coronabedingte Minus vollständig auszugleichen", so Bank-Austria-Ökonom Günter Wolf. Die Reisebereitschaft sei zuletzt wieder gesunken.

Die Touristiker werden das Rekordminus der vergangenen zwei Jahre also frühestens im kommenden Jahr ausgleichen können, geht aus dem aktuellen Branchenbericht Tourismus der UniCredit Bank Austria hervor, der am Dienstag veröffentlicht wurde.

2021 hatten sich die Einnahmen mit einem Volumen von 16,4 Mrd. Euro den Angaben zufolge um 45 Prozent unter dem Niveau vor der Coronakrise (2019) bewegt. Bis Mitte 2022 hätten die Verluste dann "großteils wieder aufgeholt werden" können. Der Nachholbedarf betreffend Urlaub sei hoch gewesen und nach der schrittweisen Aufhebung der Covid-Restriktionen habe sich die Nachfrage ab Februar "rasch erholt". Seit Juli schwächen sich die Zuwächse allerdings wieder ab. Nach dem "starken Aufholprozess im ersten Halbjahr" verlangsame sich die Tourismuskonjunktur.

Zu Beginn der heurigen Sommersaison, die im Mai startete, schien die Reiselust der Österreicher:innen laut Branchenbericht noch ungebrochen zu sein. Die Nächtigungszahlen im Zeitraum Mai bis Juli 2022 bewegten sich nahezu auf Vorkrisenniveau - auf die Vergleichsperiode 2019 fehlten nur 4 Prozent. Die Buchungen aus Österreich und Deutschland lagen demnach sogar um 5 bzw. 2 Prozent über dem Niveau vor der Coronakrise.

Doch dann verschlechterten sich die Rahmenbedingungen zusehends - im Juli brachen die von Inländern gebuchten Nächtigungen in den heimischen Beherbergungsbetrieben gegenüber dem Vorjahresmonat um 9,6 Prozent ein. Gleichzeitig fehlten nach wie vor viele Touristen aus Übersee. Die Übernachtungen von Urlaubern aus den USA lag in den ersten drei Monaten des Sommerhalbjahres 2022 um gut ein Fünftel (22 Prozent) unter dem Niveau vor der Krise, die Buchungen von chinesischen Gästen verharrten sogar um 96 Prozent darunter.

Gedämpfte Erwartungen

Die weitere Entwicklung der Branche werde heuer durch den Ukraine-Krieg beziehungsweise die hohe Inflation "erheblich beeinträchtigt", hält die UniCredit Bank Austria in dem Report fest. Die steigenden Preise für Energie und Lebensmittel wirkten sich nicht nur auf Fernreisen, sondern auch auf die Nachfrage aus nahen Märkten aus - vor allem, weil die hohen Treibstoffpreise Pkw-Reisen verteuerten. Die höheren Lebenshaltungskosten dämpften auch das verfügbare Einkommen und damit die Reisebereitschaft, vor allem einkommensschwächerer Gästeschichten.

Heuer im Juli und August seien die Beurteilungen der finanziellen Situation der Konsument:innen mit Blick auf die nächsten zwölf Monate "auf den tiefsten Wert seit Erhebungsbeginn Mitte der 90er-Jahre gesunken" - in Österreich ebenso wie im westeuropäischen Durchschnitt.

Auch die Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe sind dem Branchenbericht zufolge "seit Juli deutlich pessimistischer geworden". Sie erwarten ebenfalls eine "Abkühlung der Tourismuskonjunktur in den kommenden Monaten".

Den Betrieben in den Tourismusregionen auf dem Land geht es insgesamt besser als dem Städtetourismus. In der Ferienhotellerie hatte die Zahl der Nächtigungsbuchungen das Vorkrisenniveau heuer in der ersten Hälfte des Sommerhalbjahres zunächst wieder erreicht, in der Stadthotellerie fehlten dafür noch 14 Prozent. Der Blick in den weiteren Jahresverlauf ist nun aber leider eingetrübt.
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