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Reisebüros sollen für Flugverspätungen haften

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Das US-Verkehrsministerium will ein Gesetz durchpauken, das sich gegen Reisebüros richtet. Der Plan: Wenn es zu Flugstornierungen kommt, sollen die Reiseverkäufer wie die Airlines mit Rückerstattungen haften.

Das US-amerikanische Verkehrsministerium (DOT) hat eine Vorankündigung ausgearbeitet, die Reisebüros verpflichten würde, Bar-Rückerstattungen aus eigener Tasche zu leisten, wenn es zu Stornierungen oder Verspätungen von Flügen kommt. Dem DOT zufolge sei es eine "unlautere Geschäftspraxis", Verbrauchern angeforderte Rückerstattungen zu verweigern.

Mark Pestronk, Rechtsjournalist bei "Travel Weekly" führt dazu aus: "Das DOT will die reisebürofeindlichste Verordnung seiner 55-jährigen Geschichte verabschieden. Kurz gesagt, das DOT schlägt vor, dass Reisebüros und die Airlines für Rückerstattungen verantwortlich sind, wenn eine Airline einen Flug storniert oder einen Flug erheblich verzögert, unabhängig davon, ob das Reisebüro im Besitz der Gelder für den Ticketkauf ist und unabhängig davon, ob die Agentur der Kreditkartenhändler war."

US-Verkehrsminister Pete Buttigieg sieht das anders. "Diese neue vorgeschlagene Regel würde die Rechte der Reisenden schützen und dazu beitragen, dass sie die rechtzeitigen Rückerstattungen erhalten, die sie von den Fluggesellschaften verdienen", zitiert "USA Today" den Minister.

Das Problem: Die Vorankündigung beinhaltet eine Reihe von unklaren Worthülsen. Der Anspruch auf Rückerstattung könne beispielsweise bei "erheblichen Verspätungen" geltend gemacht werden. Allerdings wird nicht definiert, was unter "erheblich" zu verstehen ist.

Buttigeg behauptet zwar, dass durch die Neuregelung Reisende "zuverlässig und erschwinglich" an ihre Ziele kommen sollen, aber hier wird das DOT den Ansprüchen der Reisenden nicht gerecht, denn der Begriff "erheblich" erlaubt den Airlines einen großen Definitionsspielraum.

Aus einem offenen Brief der US-Senatoren Elizabeth Warren und Alex Padilla an Buttigieg, der auf den 25. Juli datiert ist, geht hervor, dass US-Airlines im aktuellen Jahr bisher 122.000 Flüge storniert haben. Die Senatoren sehen bei den Airlines die Hauptschuld für das Flugchaos in den USA.

Warren und Padilla wörtlich: "Jahrzehntelang haben Fluggesellschaften ihre Flüge systematisch überverkauft und Tickets angeboten, von denen sie wissen, dass sie sie nicht erfüllen können. Wenn Fluggesellschaften Flüge stornieren – sei es aufgrund ihrer eigenen schlechten Betriebs- und Personalpraktiken oder durch vorsätzliche Pläne, Flüge anzubieten, bei denen sie wissen, dass sie kein Personal zur Verfügung stellen können, sollten sie zur Rechenschaft gezogen werden."

Umso erstaunlicher ist es, dass der US-Verkehrsminister nur eine Woche nach dem Aufruf der Senatoren nicht in etwa die Airlines, sondern vor allem die Reisebüros haftbar machen will. 

Buttigieg gibt vor, die Airlines zur Rechenschaft ziehen zu wollen, um die kritischen Senatoren der gesetzgebenden Ausschüsse "Senate Transportation Committee" und "Senate Judiciary Committee" zu besänftigen. Doch die DOT-Ankündigung zielt eindeutig auf die Reiseverkäufer ab. 

Dieser Artikel erschien zuerst auf fvw.de

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