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Totgesagte leben länger

Comeback der Überschalljets?

American Airlines
Nach aktuellem Stand will Boom Supersonic seinen Overture-Jet ab 2024 produzieren, 2026 erstmals starten und einen Regelbetrieb mit Passagieren 2029 aufnehmen.
Nach aktuellem Stand will Boom Supersonic seinen Overture-Jet ab 2024 produzieren, 2026 erstmals starten und einen Regelbetrieb mit Passagieren 2029 aufnehmen.

American Airlines und United Airlines setzen auf die Renaissance von Überschallflügen. Seit dem Aus der Concorde 2003 waren die treibstoffintensiven Flugzeugtypen als ineffizient ad acta gelegt worden.

American Airlines sicherte sich bereits durch eine nicht rückzahlbare Anzahlung bis zu 20 Maschinen des Flugzeugbauers Boom. Die Bestellung könne um 40 Maschinen aufgestockt werden. Und auch United Airlines kündigte Anfang im vergangenen Jahr an, 15 Jets kaufen zu wollen. 

Die vom US-Flugzeughersteller Boom Supersonic gefertigten Flugzeuge "Overture" wiesen ursprünglich im Konzept einige Ähnlichkeiten mit der Concorde auf. Nachdem weitere Details bekanntwurden, verringerten sich die Schnittmengen zur Concorde deutlich. So ist der Rumpf vorne breiter als am Heck, für die Stabilität bei allen Geschwindigkeiten sorgen sogenannte "Gull Wings". Die Tragflächen haben dabei einen Knick, der an die Flügel eines Vogels erinnert.

Beim Erreichen der Top-Leistung soll das Flugzeug Geschwindigkeiten von mehr als 1.234,8 km/h bzw. 1,7 Mach erreichen. Strecken wie von London nach Miami sind so in weniger als fünf Stunden schaffbar. Aktuell benötigt man für diese Reiseroute mit einem konventionellen Flugzeug an die neun Stunden. 

In der Maschine haben 65 bis 80 Reisende Platz. Die ersten Passagierflüge würden 2029 erwartet, allerdings habe noch kein Testflugzeug überhaupt abgehoben. Die ersten Testflüge hätten bereits 2017 stattfinden sollen, für 2020 waren bereits erste Passagierflüge geplant. Und auch beim Treibstoff soll zu 100 % nachhaltiger Treibstoff (SAF) getankt werden – ein Ziel, das nicht nur die Ticketpreise in die Höhe schnellen lässt, sondern auch mit Rücksicht auf die aktuelle Infrastruktur und Möglichkeiten der Herstellung des nachhaltigen Treibstoffs derzeit nur schwer zu erreichen scheint. 

Insgesamt bleibt der Nutzen solcher Überschalljets weiter mehr als fraglich. Der deutlich höhere Verbrauch der Flugzeuge, nur um im Gegenzug ein paar Stunden einzusparen sowie die geringe Kapazität schaufeln bereits jetzt erneut das – wohl hoffentlich finale – Grab dieser glorreichen "Innovation". Nicht zu vergessen, dessen einzige innovative Leistung darin besteht, ein funktionierendes und massentaugliches Flugzeug zu einem überteuerten Gimmick umzumodellieren. Ein paar Schaulustige werden sich das Ticket von gemunkelten 5.000 US-Dollar (nicht bestätigt) wohl leisten, um das Erlebnis auf ihrer Bucket-List abzuhaken. Als wirklich rentabel werden sich die Überschallzahnstocher aber nicht erweisen. 

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