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Tipps bei Flugverspätungen

(c) shutterstock
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Pünktlich zum Beginn der Hauptreisezeit häufen sich Flugverspätungen und Annullierungen. Beim Verbraucherschutzportal Fairplane beschweren sich betroffene Passagiere im Sommer verstärkt über Charterfluggesellschaften im Ferienflugverkehr.

Wer seine Rechte kennt, kann bei Verspätungen von mehr als drei Stunden Ausgleichszahlungen von bis zu 600 Euro von der Fluglinie zurückfordern. Weitere Tipps für Flugreisende haben die Rechtsexperten von FairPlane zusammengestellt.

Rechte kennen und durchsetzen

Nur wer seine Rechte kennt, wird diese auch einfordern. Nach Erfahrungen von FairPlane sind die Passagierrechte neun von zehn Passagieren unbekannt. Die Fluglinien haben jedoch kein Interesse, den hohen Grad an Unwissenheit zu reduzieren. Ihrer gesetzlichen Informationspflicht kommen sie laut FairPlane kaum nach. „Wer das Luftfahrtunternehmen selbst mit berechtigten Ansprüchen konfrontiert, wird zudem häufig entweder ignoriert oder erhält nach mehreren Wochen Bearbeitungszeit ein standardisiertes Ablehnungsschreiben. Davon sollten sich Betroffene nicht abbringen lassen“, rät Prof. Dr. Ronald Schmid, Rechtsanwalt und Unternehmenssprecher von FairPlane Deutschland.  

Keine Reisegutscheine oder Bonusmeilen akzeptieren  

„Für Luftfahrtunternehmen sind die Gutschrift von Bonusmeilen und/oder die Ausgabe von Gutscheinen, eine sehr günstige Option, Passagiere von Ausgleichszahlungen abzuhalten“, beschreibt Schmid die Taktik der Airlines. Sie suggerieren Passagieren, dass damit alle Ansprüche abgegolten seien. Betroffene sollten sich aber genau überlegen, ob sie die vermeintlich interessanten Angebote der Fluglinien annehmen. Der erfahrene Reiserechtler rät Passagieren dazu, sich nicht von Bonusmeilen oder Fluggutscheine blenden zu lassen und stattdessen auf die Ausgleichszahlungen je nach Flugstrecke von bis zu 600 Euro pro Ticket zu bestehen. Ein Gutschein kann allenfalls dann einen Sinn machen, wenn er wenigstens der Höhe der beanspruchten Ausgleichsleistung entspricht und der Fluggast beabsichtigt, bei dem Unternehmen in absehbarer Zeit eine Flugreise zu buchen.  

Rechtsdienstleister statt Inkasso

Wer trotz berechtigter Ansprüche von der Airline keine Ausgleichszahlung erhält oder die Auseinandersetzung mit der Fluglinie scheut, sollte juristische Hilfe in Anspruch nehmen. Eine Alternative zu Rechtsanwälten sind Rechtsdienstleister, die das Einfordern der Ausgleichszahlungen übernehmen, das Prozessrisiko übernehmen und nur bei Erfolg einen Teil der Ausgleichszahlung als Provision einbehalten. Hier sollten Passagiere darauf achten, dass keine Bearbeitungsgebühren anfallen und der Dienstleister nicht mit Inkassobüros zusammenarbeitet, sondern jeden Fall von einem wirklich erfahrenen Rechtsanwalt bearbeiten lässt.  

Vorsicht bei Vergleichen

FairPlane steht auch der steigenden Zahl von Vergleichen skeptisch gegenüber, wie sie häufig von Inkassobüros eingegangen werden oder wenn Betroffene ihre Rechtsschutzversicherung einschalten. „Vergleiche sind eigentlich nur gut für das Luftfahrtunternehmen, das damit Kosten sparen kann. Wäre die Fluglinie im Recht, würde sie es auf eine gerichtliche Entscheidung ankommen lassen. In den meisten Fällen, in denen eine Beendigung des Rechtsstreits per Vergleich angeboten wird, besteht der Anspruch des Passagiers und dann gibt es keinen Grund auf einen Teil der Ausgleichszahlung zu verzichten“, bilanziert Schmid. „Einen Vergleich sollte der Fluggast nur eingehen, wenn ihm ein wirkliches Prozessrisiko aufgezeigt wird. Ein solches wird aber in vielen Fällen nur suggeriert“, so Schmid weiter.     Gesetzliche Grundlage für Ausgleichszahlung ist die EU-Fluggastrechteverordnungen, die seit 2005 für alle Flüge gilt, die innerhalb der EU starten. Hat das den Flug ausführende Luftfahrtunternehmen seinen Sitz innerhalb der EU, ist das Recht auch für Passagiere anwendbar, die ihren Flug in einem sogenannten Drittstaat antreten und innerhalb der EU landen. Die Höhe der möglichen Entschädigung richtet sich nicht nach dem Ticketpreis, sondern nach der Entfernung vom Start- zum Zielflughafen oder der Länge der Verspätung.   Informationen unter www.fairplane.de
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