Flug: Viele Probleme im Sommer Plus Artikel
 
Flug

Viele Probleme im Sommer

APA/THEMENBILD
Flughafen und AUA sehen sich gut vorbereitet
Flughafen und AUA sehen sich gut vorbereitet

Wer heuer im Sommer mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen will, braucht gute Nerven. Flughäfen in ganz Europa leiden unter einem Personalmangel bei gleichzeitigem Reiseboom.

In Österreich sehen sich der Flughafen Wien und die Austrian Airlines gut gerüstet für die reisestärksten Monate des Jahres. Dennoch könnte es auch in Wien zu Verspätungen und Flugausfällen kommen, vor allem weil sich Probleme auf anderen Airports auf andere Destinationen übertragen.

Am Flughafen Salzburg fielen am Wochenende mehrere Flüge der Lufthansa-Tochtergesellschaft Eurowings aus. Bis zu 500 Menschen mussten dadurch Sonntagfrüh auf dem Boden bleiben. Schon am Samstag hatte sich für so manchen der Traum vom Fliegen zerschlagen, bestätigte Airport-Sprecher Alexander Klaus einen Bericht von ORF Salzburg. Drei Flüge mussten allein am Sonntag storniert werden, weitere drei Verbindungen am Samstag. "Die Personaldecke in der Luftfahrt ist sehr dünn", sagte Klaus im Gespräch. Am Flughafen selber seien zwar ausreichend Leute beschäftigt, allerdings hänge alles sensibel wie eine Kette zusammen. Der Personalabbau der Corona-Zeit bei den Fluglinien sei deutlich zu spüren.

"In Wien gelang es uns und unseren Partnern, insbesondere durch das Instrument der Kurzarbeit, möglichst viel Personal in Beschäftigung zu halten, das jetzt wieder im vollen Einsatz steht. Auf vielen anderen Airports, die wir auch bedienen, ist das aber nicht so", erklärte AUA-Sprecherin Sophie Matkovits.

Austrian Airlines wird im Sommer wieder mit all ihren Fliegern im Einsatz sein. "Wir haben uns zusammen mit unseren Partnern am Standort Wien bestmöglich für den Hochsommer und die Feriensaison vorbereitet, und auch über 150 neue Flugbegleiter:innen eingestellt", so die Sprecherin. Aus aktueller Sicht sei ein stabiler Flugbetrieb möglich, jedoch seien für einen reibungslosen Flugbetrieb nicht alleine die Airlines zuständig. Es sei das Zusammenspiel aller Partner im In- und Ausland nötig.

Auch der Flughafen Wien betonte, für den Sommer gut aufgestellt zu sein. "Mit einem Personalstand von 80 % vom Vor-Corona-Jahr 2019 kann der Airport das aktuelle und zu erwartende Passagieraufkommen gut abdecken", sagte Flughafen-Sprecher Peter Kleemann. Das Passagieraufkommen liege derzeit bei etwa 70 % des Vorkrisenniveaus und werde auch im Sommer trotz Reisehochsaison nicht die Rekordwerte von 2019 erreichen.

Am Flughafen Wien ist seit April die gesamte Mannschaft, rund 5.000 Beschäftige, aus der Kurzarbeit zurück. "Zusätzlich nimmt der Flughafen Wien aktuell laufend neues Personal, vor allem in den Bereichen Sicherheitskontrolle, Passagier- und Bodenabfertigung auf", so Kleemann. Mehr als 100 neue Mitarbeiter:innen wurden zuletzt eingestellt.

Nicht beeinflussen könne der Flughafen Wien, wie sich die Situation auf anderen Flughafen-Standorten darstellt. Auch die Reisenden selbst könnten wenig tun, um Ärger zu vermeiden. Der Wiener Airport empfiehlt, den Flugstatus zu checken und an starken Reisetagen mehr Zeit als sonst für den Abflug einzuplanen, wie Kleemann sagte.

Weniger optimistisch ist die Gewerkschaft vida. "Wir werden, wenn überhaupt, nur mit Ach und Krach über die Sommermonate kommen", erklärte kürzlich Gewerkschafter Daniel Liebhart.

Einen ersten Vorgeschmack auf die Sommersaison gab es Ende April in den niederländischen Frühjahrsferien als der Amsterdamer Flughafen nur knapp einem Kollaps entging. Dutzende Flüge mussten gestrichen werden, es bildeten sich lange Warteschlangen bis vor die Terminalgebäude und die Feuerwehr verteilte Wasser an die Wartenden.

Grund für die Probleme ist die Coronapandemie. Airports und Airlines haben in den beiden Krisenjahren Personal abgebaut, das nun fehlt, während die Buchungen und Passagierzahlen sprunghaft ansteigen. Vor allem beim Bodenpersonal, also den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an den Schaltern, bei den Sicherheitskontrollen und am Vorfeld, droht ein Engpass, da auf dem Arbeitsmarkt keine Kräfte mehr zu finden sind.

In Frankfurt sollen über den Sommer deshalb rund 100 Mitarbeiter:innen aus der Verwaltung und sogar der Vorstand am Schalter oder am Vorfeld aushelfen. Lufthansa hat angekündigt, im Juli 900 Flüge in München und Frankfurt zu streichen.

stats