Europa: Flughäfen und Airlines leiden un... Plus Artikel
 
Europa

Flughäfen und Airlines leiden unter Personalmangel

APA/dpa
Personalengpässe bremsen die Branche.
Personalengpässe bremsen die Branche.

Angesichts von Flugstreichungen und Verspätungen wegen der Personalengpässe bei Airports und Fluggesellschaften in Europa wird nach Lösungen für den erwarteten Reiseansturm in den Sommerferien gesucht. In Deutschland fordere man einen stärkeren Einsatz der Bundespolizei. Der Flughafen Wien ist für den zu erwartenden Sommerreiseverkehr gut gerüstet, wie es auf Anfrage des traveller heißt.

Polizei soll Personal ergänzen

Die deutsche Innenministerin Nancy Faeser (SPD) müsse mehr Bundespolizisten in die Flughäfen bringen, "damit die Schlangen an den Sicherheitskontrollen geringer werden", sagte der FDP-Politiker am Sonntag dem "Tagesspiegel". Außerdem müsse der deutsche Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) dafür sorgen, "dass die Bodendienstleister schnell und unbürokratisch Leute einstellen können – gegebenenfalls mit befristeten Verträgen". Es sei denkbar, dafür auch Personal aus dem Ausland einzustellen. Die Bundesländer müssten alle Kräfte bündeln. "Damit die Menschen möglichst bald wieder ohne Probleme reisen können", sagte Dürr.

Für den Ablauf der Sicherheitskontrollen ist grundsätzlich die deutsche Bundespolizei zuständig, an einigen Flughäfen auch die Landespolizei. In der Regel werden dafür von ihr beauftragte Dienstleister eingesetzt. "Falls die Dienstleister nicht in der Lage sind, die Kontrollen in der beauftragten Qualität und Effizienz durchzuführen, müssen die Polizeibehörden auf anderem Weg die Durchführung sicherstellen, gegebenenfalls auch mit eigenem Personal der staatlichen Behörden", teilte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) auf Anfrage mit.

Zudem könne ein kurzfristiger Einsatz von Arbeitnehmern aus Drittstaaten, zum Beispiel aus der Türkei, die Situation bei Bodendienstleistern entspannen. "Wir haben die Bundesregierung bereits gebeten in dieser Sondersituation den Prozess der Arbeitnehmerüberlassung mit Ausnahmegenehmigungen zu erleichtern", teilte der BDL weiter mit. Die Entscheidung liege bei Arbeitsminister und Verkehrsminister. Beide hätten eine Prüfung zugesagt.

Der deutschen Gewerkschaft Verdi zufolge sind besonders die großen Flughäfen wie Frankfurt, Hamburg oder Berlin vom Personalmangel in allen Dienstleistungsbereichen am Boden wie Sicherheitskontrolle oder Check-in betroffen. Auch in München fehle Personal, allerdings sei die Lage dort besser, weil das Sicherheitspersonal nicht bei einer Privatfirma angestellt sei, sondern bei einer Firma im Staatsbesitz, die nach dem Tarif des Öffentlichen Dienstes bezahlt.

Ansturm erwartet

Seit Wochen gibt es an Deutschlands Flughäfen aber auch in anderen europäischen Ländern massive Probleme wegen Personalmangels in der Branche, allein die Lufthansa will im Juli 900 Flüge in München und Frankfurt streichen. Die Sorge vor chaotischen Zuständen in der Ferienzeit im Sommer wächst.

In Österreich scheint man hingegen noch gelassener zu sein, Austrian Airlines betreffe derzeit beispielsweise keine Streichungen. "Zusammen mit anderen Airlines der Lufthansa-Gruppe versucht Austrian Airlines die Auswirkungen allfälliger Streichungen bestmöglich abzufedern", betonte ein Sprecher auf Nachfrage des traveller. Gemeint sei damit die Übernahme der SWISS Flüge zwischen Wien und Zürich in den Monaten Juli und August durch die österreichische Airline. Für den Hochsommer und die Sommerferien sei man aber generell "bestmöglich vorbereitet", wie es heißt. 

Und auch der Flughafen Wien sieht sich für den Sommer gut gerüstet. Der Personalstand stehe auf ca. 80 % des Standes vom Vor-Corona-Jahr 2019 und kann damit "das aktuelle und zu erwartende Passagieraufkommen gut abdecken", wie ein Sprecher betont. "Das Passagieraufkommen liegt derzeit bei etwa 70 % des Vorkrisenniveaus und wird auch im Sommer trotz Reisehochsaison nicht die Rekordwerte von 2019 erreichen." Dank der Kurzarbeit konnte der Flughafen Wien die sehr verkehrsarmen COVID-19-Krisenjahre ohne Stellenabbau überbrücken, seit April 2022 ist die gesamte Flughafenmannschaft wieder im Volleinsatz.

Personal musste nicht abgebaut werden, vereinzelt kam es zu natürlichen Abgängen. Viele Beschäftige kehren jedoch wieder zum Flughafen zurück. Zusätzlich nimmt der Flughafen aktuell laufend neues Personal in den Bereichen Sicherheitskontrolle, Passagier- und Bodenabfertigung auf. Mehr als 100 neue Mitarbeiter:innen wurden zuletzt eingestellt.

stats