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Nach zwei mauen Jahren

Die Touristik rappelt sich hoch

Jo Panuwat D - stock.adobe.com

Dass die Branche von eine Krise in die nächste purzelt, ist seit zwei Jahren so alltäglich geworden, dass der heurige, gute Sommer für viele eine – willkommene – Überraschung darstellte. Mit heranschreitendem Jahresende haben wir uns ein wenig umgehört, welches Resümee bei den Veranstaltern zu 2022 gezogen wird, wie die Herausforderungen gemeistert wurden und welche Überraschungen im Angebot für nächstes Jahr warten. Einmal vorab: ohne den hohen Nachholbedarf der Reisenden hätte dieses Jahr deutlich düsterer aussehen können.

Mit Jahresende steuern wir auf einen ungewissen Winter zu. Die Lust auf Reisen hat zwar noch einen deutlichen Schwung aus dem Sommer mitgenommen, kann im Umfeld von Inflation, Energiekrise und Ukrainekrieg aber leider nicht ewig währen. Die Prognosen und Rückmeldungen aus der Branche sehen dennoch nicht so schlecht aus, wie man vielleicht annehmen mag und haben noch einen Hauch Sommer-Euphorie an sich haften. Denn gesamt betrachtet zog die Hauptreisezeit den sprichwörtlichen Karren aus dem Dreck und sorgte für dringend notwendige Buchungen. Vom Airport- und Flugchaos einmal abgesehen, wird das Jahresende damit großteils erfolgreich abgeschlossen werden. 

Und auch in den Destinationen folgen laufend gute Nachrichten. So öffnete sich mit Beginn des Herbsts Asien mehr und mehr für den internationalen Tourismus. Sogar das 1,4-Mrd.-Einwohner-Land China strebt nach heftigen Protesten einen Kurswechsel an und überarbeitet seine strikte Null-Covid-Politik. Die Temperaturen sinken und trotzdem lockert Corona seinen festen Griff. Zeit aufzuatmen, ein wenig weihnachtliche Stimmung hat vielleicht auch noch Platz und dann mit Vollgas ins nächste Jahr. Auf dass es etwas Gutes bringen mag!

TUI

Die Buchungen sind seit März stetig angestiegen, wodurch der Veranstalter einen sehr guten Sommer 2022 verzeichnen konnte. Gerade die Monate Juli, August, September und Oktober waren für TUI Österreich Rekordmonate – hier wurden die Umsätze aus 2019 sogar übertroffen. In einigen Destinationen, wie Griechenland, Mallorca, aber auch auf Zypern, hatte TUI sogar mehr Gäste als vor Corona.

Im Personalsektor hat sich einiges getan. Die Mitarbeiterzahl ist wieder angestiegen, viele neue und motivierte Fachkräfte werden derzeit ausgebildet. Mitte November erhielt TUI zudem die Auszeichnung als Top-Lehrbetrieb. Und auch viele ehemalige Mitarbeiter:innen kehren nun wieder zum Veranstalter zurück.

Demnach startet TUI mit einem bewährt großen Angebot auf den Kanarischen Inseln – das Top-Reiseziel der TUI-Gäste – sowie in Ägypten, der Türkei und auf Mallorca. Auf der Fernstrecke sind Destinationen wie die Malediven, Mauritius, Mexiko und die Dominikanische Republik, die während der Pandemie weitgehend bereisbar waren, auch weiterhin gefragt. Thailand holt aktuell stark auf. Sansibar ist der Shootingstar in der Ferne mit dem neuen familienfreundlichen Hotel Riu Jambo. In den Sommermonaten bleiben auch 2023 die Mittelmeerziele Griechenland, Spanien – hier allen voran die Balearen – und die Türkei die wichtigsten Auslandsreiseziele. Auch Zypern wird immer beliebter. Ein Geheimtipp ist Tunesien mit der Austrian ab Wien. Auf der Fernstrecke erwartet sich TUI vor allem für Ziele Nachholbedarf, die erst später wieder geöffnet haben, wie etwa Thailand und die USA.

TUI geht davon aus, dass die Preise nicht so stark wie die Inflation, nämlich aktuell zehn Prozent, steigen werden, aber dennoch das Niveau deutlich anheben. Rechtzeitig buchen lohne sich deshalb, wie der Veranstalter mitteilt, um die volle Preiskontrolle zu haben. So sei es noch möglich, den Urlaub für nächstes Jahr noch heuer zu aktuellen Konditionen zu sichern und zusätzlich von Frühbucherrabatten zu profitieren. Kurz vor Weihnachten wird es auch wieder die sehr beliebte Kinderfestpreisaktion geben sowie in regelmäßigen Abständen Aktionscodes ausgespielt.

Generell geht TUI davon aus, dass das Tourismusgeschäft nach einer Phase der sehr kurzfristigen Buchungen wieder langfristiger werden wird. Durch die Inflation sei das Bedürfnis nach Sicherheit aktuell groß, so dass zum einen mehr Pauschalreisen gebucht werden als individuelle Trips und zum anderen die Nachfrage nach All-Inclusive-Angeboten deutlich steigt, wie TUI analysiert. In den Wintermonaten werden zudem Langzeitaufenthalte immer beliebter und auch Workation-Freunde finden bei TUI ein passendes Angebot.

TUI hat wieder ein großes Angebot im Programm, u.a. auf Fuerteventura in Spanien.

OLIMAR

Der Veranstalter freute sich über ein einigermaßen normales Geschäftsjahr nach zwei Jahren Pandemie und verzeichnete zwar erst später als gewohnt Buchungen, die aber insgesamt sehr positiv ausfielen. Damit konnte der Veranstalter in Österreich wieder an den Umsatz aus 2019 anschließen. „Dafür einen herzlichen Dank an unsere Reisebüropartner“, freut sich Vertriebsleiter und Key-Account-Manager Markus Zahn. Besonders Südeuropaziele wie Italien, Kroatien, Spanien und Portugal waren gefragt, während sich der Trend zu höherwertigen Buchungen bemerkbar machte und den Umsatz maßgeblich mittrug.

Für 2023 setzt OLIMAR weiterhin auf gute Erreichbarkeit und Verlässlichkeit für Reisebüros mit vielen Webinare, flexibler Buchbarkeit und dem hochwertigen OLIMAR-Service. Fokus bleiben die Kernziele des Veranstalters mit Portugal, Spanien, Italien, Kroatien und den Kapverden. Die Europa-Reiseziele bleiben definitiv im Trend, ist sich der Veranstalter sicher und hat deshalb auch zahlreiche neue Hotels und landestypische Unterkünfte im Programm. Highlight ist der neue Magalog für individuelle Rund- und Erlebnisreisen, wo das Angebot in allen Reisezielen ausgebaut wurde. In Portugal konzentriert sich OLIMAR im neuen Jahr neben den klassischen Reisezielen Algarve, Lissabon und Madeira verstärkt auf die ursprünglichen Regionen wie Mittel- und Nordportugal, Alentejo sowie auf die Azoren.

Für das Italien-Angebot hat man das gesamte Land inklusive aller Inseln im Programm und auch in Spanien ist man auf dem Festland stark – so sind auch alle Paradores beim Veranstalter buchbar. Für Kroatien gibt es ein kleines, aber besonderes Angebot und auf den Kapverden bietet man als einer der ganz wenigen alle Inseln an.

Im Bereich Flug wird es eine neue Direktverbindung der Austrian Airlines von Wien nach Porto geben. Die Preise werden sich voraussichtlich um mindestens zehn Prozent erhöhen.

OLIMAR feierte heuer ihr 50-jähriges Gründungsjubiläum. Einen neuen Katalog gabs auch zum Anlass.

Chamäleon Reisen

Mit dem heurigen Jahr ist man sehr zufrieden und konnte bereits 90 Prozent der Umsätze von 2019 erreichen. Die Vorausbuchungen lassen ebenfalls mit großer Zuversicht ins nächste Jahr blicken und so erwartet man mit 2023 sogar das umsatzstärkste Jahr in der Geschichte des Veranstalters. Gestützt wird das ambitionierte Ziel durch die beliebten Afrika-Reisen mit atemberaubenden Safaris in Namibia, Tansania und Südafrika sowie Reisen nach Latein- und Südamerika, beispielsweise durch Costa Rica, Chile und Peru. Außerdem steigt die Nachfrage nach Asien wieder deutlich an, vor allem nach Vietnam und Indien. Hier sieht Chamäleon das größte Potential für weiteres Wachstum.

Viele neue Reisen gibt es auch in Europa und hier gilt nun auch die garantierte Durchführung, was bereits seit längerem für alle Fernreisen gilt. Damit sollen Gäste die größtmögliche Planungssicherheit bekommen. Bei den Preisen rechnet Chamäleon mit einer Steigerung von drei bis vier Prozent für Länder im Euro-Raum und im südlichen Afrika sowie für Länder, die in USD bezahlt werden, mit einer Steigerung um die fünf bis sechs Prozent.

Besonders die Afrika-Reisen mit atemberaubenden Safaris in Namibia, Tansania und Südafrika sind bei Chamäleon sehr beliebt.

Mondial

Nach einem schwierigen Start im ersten Quartal hat sich das Incoming-Geschäft bis jetzt noch nicht erholt. Der Outgoing-Bereich konnte im Sommer viele Buchungen verzeichnen – umsatzmäßig nähert man sich an das Jahr 2019 an.

Die Kurzfristigkeit der Kund:innen bleibt und erschwert die unternehmerische Planungssicherheit. Für 2023 setzt man deshalb auf Europa, wo es keine Corona-Bedenken mehr gibt, aber auch auf den Indischen Ozean, Afrika und langsam wieder auf Asien. Urlaub in Österreich ist nach wie vor sehr gefragt, vor allem mit Blick auf ein nachhaltiges Angebot. Aber auch den Trend der Langzeitaufenthalte, gerade in den Wintermonaten, in südlichen Destinationen wie Ägypten, auf den Kanarischen Inseln oder in Tunesien berücksichtigt der Veranstalter im Programm.

Zur Entwicklung des Preises gibt es nur eine allgemeine Einschätzung, die von der Energie-Preisentwicklung abhängt. Mit einer Steigerung ist aber in jedem Fall zu rechnen.

Rhomberg Reisen

Das Jahr 2022 entwickelte sich gegen Annahmen und Planungen im Herbst und Winter 2021 besser als erwartet. Das Buchungsverhalten hat sich geändert, der Zeitraum zwischen Buchung und Abreise war kürzer als in den Vorjahren. Insgesamt war die Lust auf Sommerurlaub groß, in Summe ist man mit 2022 zufrieden. Auf dem Niveau von 2019 ist Rhomberg noch nicht, es geht aber in die richtige Richtung.

Für 2023 verzeichnet man für Kefalonia und Lefkas eine hohe Nachfrage und auch Menorca und Kalabrien punkten als Destinationen abseits der Massen. Korsika ist sehr beliebt aufgrund vieler kleiner Unterkünfte und der kontrastreichen Natur. Voraussichtlich werden mehr als zehn exklusive Rhomberg Reisen Charter in ausgewählte Destinationen angeboten werden.

Beim Trend Kurzfristigkeit bemerkt der Veranstalter wieder einen kleinen Umschwung. Kund:innen wollen demnach wieder deutlich früher buchen, da sehr viele im Jahr 2022 nicht mehr die gewünschte Unterkunft bekommen haben. Die Preise werden sich unterhalb der Inflationsrate entwickeln.

In Korsika finden Reisende eine spannende Mischung aus eleganten Küstenstädten, dichtem Wald und zerklüfteten Gipfeln.

PRIMA Reisen

Im letzten Sommer wurde vorsichtig budgetiert. Dahingehend war man vom Buchungsaufkommen, mit kurzen Unterbrechungen im Frühjahr, angenehm überrascht, wie der Veranstalter mitteilt. Das Geschäftsjahr 2022 hat sich somit durchaus positiv entwickelt und konnte erfolgreich abgeschlossen werden. Ein Vergleich zu 2019 fruchtet laut PRIMA REISEN wenig, da der Veranstalter vor zwei Jahren noch deutlich mehr Charterangebote hatte, als jetzt. Die aktuell schlankere Struktur lässt Umsatzziele und Ergebnisse neu definieren.

Weiters setzt man aber auf die wichtige Destination Finnland, die zu Jahresbeginn mit der Charterkette den Saisonauftakt bildet. Grundsätzlich bleibt der Fokus auf den bewährten Destinationen, allen voran Süditalien, Skandinavien und die portugiesischen Inselgruppen. Zum ersten Mal bietet man geführte Grönland-Touren im Sommer an. Die zehntägigen Premium-Reisen werden bereits ab sieben Personen durchgeführt und inkludieren Highlights wie den Ausflug zum Inlandeis, eine Gletscher-Kajaktour oder eine Walsafari. Für das neue Jahr verzeichnet PRIMA REISEN einen Preisanstieg zwischen fünf bis fünfzehn Prozent.

PRIMA REISEN bietet 2023 auf seinen Premium-Grönland-Touren u.a. Walsafaris an.

GEO Reisen/Raiffeisen Reisen

Die Jahresrückschau bleibt verhalten. Der Veranstalter sieht bis auf das überstandene sommerliche Flugchaos die meisten Hürden noch für das kommende Jahr auf die Touristik zukommen. Kritisiert wird, dass in der Politik großartig angekündigte Beihilfen großteils noch nicht überwiesen wurden – dies betreffe auch noch das Jahr 2021. Nachfragen an diversen Stabstellen brächten kein Ergebnis. Es bliebe daher abzuwarten, wann der Veranstalter wieder in normales Fahrwasser kommen werde.

Fehlende Buchungen in 2021 waren auch im Geschäftsjahr 2022 nicht zur Gänze aufholbar, was unter anderem am schlechten Start im ersten und zweiten Quartal heurigen Jahres lag. Besonders getroffen hat den Veranstalter der Kreuzfahrten-Bereich, u.a. hochpreisige Weltreisen wurden abgesagt. Ab Mitte Jänner lief es dann teilweise sehr gut, wie es heißt. Viele Reisen wurden noch kurzfristig gebucht.

Für 2023 hofft man dennoch wieder auf ein „normales“ Jahr. Der Start sei gelungen und mit den Buchungen und Abreisen für das erste Quartal sei man einmal sehr zufrieden. Die Aussichten für den Sommer 2023 bleiben noch verhalten, aber bis dahin sei noch genügend Zeit, sofern man von weiteren negativen Einflüssen verschont bliebe. Nach all den Entbehrungen und Problemen der letzten knapp 3 Jahre wäre es der gesamten Branche sicherlich auch zu gönnen.

GRUBER Reisen

Sehr viele Reisen haben zu Beginn des Jahres nicht stattgefunden. Die Nachfrage nach Sommerurlaub ist dann aber stark und sehr kurzfristig gestiegen. Mit dem Endergebnis ist man zufrieden, die gesteckten Ziele können erreicht werden.

Für das kommende Jahr bietet der Veranstalter ein starkes Produktportfolio in Kroatien und Italien an. Gleichzeitig setzt man Schwerpunkte mit Sondercharter-Pauschalreisen nach Portugal, Spanien, Deutschland und Zypern. Neu ist ebenfalls die Erweiterung des Portfolios mit den griechischen Zielen und Hotels ab allen österreichischen Flughäfen. Und auch am Balearen- und Kanaren-Programm hat man gefeilt. Highlight bleibt das in Kroatien zum wiederholten Mal von den Kunden ausgezeichnete BRETANIDE Sport&Wellness Resort mit einer Weiterempfehlungsrate von 93 Prozent sowie den exklusiven Charterprodukten nach Madeira, Granada, Valencia, Dubrovnik, Paphos und Hamburg. Somit steht Europa als Destination im Vordergrund mit reichlich Möglichkeit für einen Bade- und Städteurlaub. Laut GRUBER Reisen werden sogar 30 Prozent der Kund:innen nächstes Jahr zwei Mal Urlaub machen. Diese gilt es, abzuholen.

"Das Jahr 2022 als Übergangsjahr nach Corona war genauso herausfordernd wie die Covid Jahre", so Ioannis Afukatudis, Geschäftsführung GRUBER-reisen Veranstalter.

Aldiana

Vertriebsleiter Österreich/Schweiz, Uwe Schmidt, ist mit dem Jahresergebnis zufrieden: „Grundsätzlich sind wir mit dem abgelaufenen Jahr zufrieden. Die größte Herausforderung war sicher, sich auf das kurzfristige Buchungsverhalten der Kunden einzustellen, welches sich aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Situation seit Jahresbeginn stark verändert hat. Aldiana hat mit entsprechenden Kaufanreizen auf die Situation reagiert. Trotz der anhaltenden schwierigen Situation blicken wir optimistisch ins neue Jahr, da Urlaub für den Konsumenten ein hohes Gut ist, das zum täglichen Leben gehört.“

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