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Ein Love Game für Australien?

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Aus touristischer Sicht kann die Entscheidung der australischen Gerichtsbarkeit, den gerade weltbesten Tennisspieler eben nicht nach seinen „seltsamen“ Corona-Definitionen einreisen zu lassen, ein echtes Love Game werden. Denn kein No-Name, für den seit nunmehr schon fast zwei Jahren die Türe nach Down Under fest verschlossen ist, hätte verstanden, warum Mr. Djokovic entgegen den strikten Impf- und Einreiseregeln zu den Australien Open und damit ins Land darf, und er nicht.

Sind der australische Einwanderungsminister Alex Hawke sowie die Richter vom Federal Court of Australia nun Helden, weil sie dem neunfachen Australien Open Sieger das Visum zur Einreise entzogen und ihm damit möglicherweise den zehnten „Spiel-Satz-Sieg“ Aufschlag zunichte machten? Für mich in gewisser Weise schon, denn zu gerne und zu oft macht die hohe Politik – ziemlich egal wo auf der Welt – im vermeintlich wirtschaftspolitischen Interesse vor (nicht immer integeren) Persönlichkeiten mit klingendem Namen einen tiefen Kniefall und Gesetze werden zu kreativen Gummiparagraphen. Ich frage mich ja, ob man im „anderen“ Australien – dort, wo keine kecken Kängurus und süßen Koala, sondern renitente Kühe am Berg wohnen – auch eine derart unpopuläre Entscheidung getroffen hätte? Gut, man hätte in der kleinen Alpenrepublik, aber großen Skination, sicherlich auch ein bisserl länger gebraucht, um zu (er)klären, wie man mit einem Sport-prominenten Querulanten und seinen fragwürdigen Coronaerklärungen umgehen solle? Nur, ob das kleine Austria – selbst nach längerer Denkphase – auch mutig genug wäre, eine derart unpopuläre Entscheidung oder doch eher einen Formelkompromiss, also eine seiner berühmten österreichischen Lösungen zu treffen? Also eigentlich gut, dass das Erste Open – an dem Mr. Djokovic ja auch immer wieder teilnimmt – und so renommiert es als ATP Tour 500 Turnier auch ist, erstens kein Grands Slam ist und zweitens erst wieder im Oktober stattfindet …

Für die Australian Open ist die Nicht-Teilnahme von NoVac – wie Djokovic mittlerweile von den Australiern genannt wird - ein zu verschmerzender Verlust. Oder wie es sein langjähriger Kontrahent, Rafael Nadal, auf eurosport.de ausdrückt: „Die Australian Open werden mit oder ohne ihn ein großartiges Turnier sein.“

Damit ist wohl alles und mehr gesagt. Nämlich auch, dass sich der selbstbewusste Serbe und aktuelle Nummer Eins der Welt mit dieser Farce selbst ins Out geschossen hat. Denn weder im Tenniscircuit, in Australien, noch im allgemeinen Beliebtheitsranking hat sich Mr. Djokovic Freunde gemacht, möglicherweise ist ihm das aber nicht wichtig. Nur, ob Mr. Djokovic das australische Spiel auch mit den Chinesen und ihrer Null Covid-Strategie „gespielt“ hätte?

Australien hingegen hat in diesem unattraktiven Spiel Rückgrat bewiesen und gezeigt, dass Gleich eben Gleich ist. Heißt: Regeln und Gesetze gelten für alle und gerade was Corona betrifft, hat Australien wenig Verständnis für irgendwelche Spompanadeln und Sperenzchen. „Wir gehen weltweit durch so schwere Zeiten. Ich weiß, dass Tennis null wichtig ist, verglichen mit dem Virus. Tennis ist nur Unterhaltung für die Menschen und für uns der Job. Aber in Bezug auf die Bedeutung für die Welt ist es nicht wichtig.“ Auch das sagte Nadal (Quelle: krone.at), und der spanische Tennisstar kennt auch ein probates Mittel für Djokovics und tausend anderer Menschen aktuell eingeschränktes Berufs- und Alltagsleben: „Wenn es eine Lösung für die Probleme gibt, dann ist es die Impfung. Wir müssen uns impfen lassen.“

Ja, Impfen hilft, nicht nur, um sportlich aktiv und erfolgreich zu bleiben, sondern auch, um unbeschwert und quarantänefrei reisen zu können. Denn in immer mehr Ländern wird eine Vollimmunisierung gegen COVID-19 zur Einreise-Grundvoraussetzung. So auch in Australien, zwar hat das weite Land die Einreise für einen bestimmten Personenkreis – vollständig geimpfte australische Staatsbürger, permanent residents bzw. Besitzer bestimmter Visa und deren Familienangehörige bereits gelockert, für den einfachen Touristen ist allerdings das seit 20. März 2020 geltende generelle Einreiseverbot unverändert gültig. Touristenvisa werden grundsätzlich nicht erteilt, Ausnahmen sind nur sehr restriktiv und mit entsprechenden Anträgen an das Department of Home Affairs zu stellen.

Und zwar ohne zu tricksen, aber Otto Normalverbraucher heißt ja nicht Djokovic und tut so etwas nicht.

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