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Nachhaltigkeit im Tourismus

Sieben Tipps für den Verkauf von grünen Reisen

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Das Bewusstsein, nachhaltig zu verreisen, ist bei den Kunden nach Berichten von Reisebüros und Veranstaltern gestiegen.
Das Bewusstsein, nachhaltig zu verreisen, ist bei den Kunden nach Berichten von Reisebüros und Veranstaltern gestiegen.

Nachhaltig zu reisen wird immer wichtiger. Es den Kunden näherzubringen, ist aber gar nicht so einfach. 

Die Touristik hat längst die Bedeutung des sanften Tourismus erkannt. Mit unterschiedlichen Vorstößen versucht die Branche, den Klimaschutz voranzutreiben, CO₂-Emissionen zu reduzieren und soziale Aspekte in den Reisezielen zu berücksichtigen.

Auch am Counter ist das Bewusstsein für nachhaltige Reisen gestiegen. "Viele Jahre haben wir das Gefühl gehabt, dass die Kunden das Thema nicht so sehr interessiert", sagt Chamäleon-Chef Ingo Lies. "Das hat sich geändert." Das bestätigt auch Tatjana Peters, Projektmanagerin bei der Nachhaltigkeitsinitiative Futuoris. "Reisebüros haben mir berichtet, dass die Kunden zunehmend auf Zubringerflüge verzichten und lieber die Bahn nehmen."

Dennoch machen die nachhaltigen Reisen bislang in der Regel nur einen kleinen Teil der verkauften Reisen aus, wie Stefanie Staud vom Reisebüro Vivell in Landsberg am Lech sowie Melanie Gohr, Inhaberin der Agentur Reisland in Itzehoe, berichten. "Am Ende entscheiden sich die Kunden vor allem für die Reise, die ihnen am besten gefällt", sagt Staud.

Wie lässt sich das ändern? Wie können Reiseverkäufer ihre Kunden für das Thema sensibilisieren und den Verkauf von nachhaltigen Reisen forcieren? fvw|TravelTalk hat Reiseprofis und Experten gefragt und sieben Tipps zusammengefasst:

1. Nachhaltige Reisen ungefragt einbauen

In einem sind sich die Reiseprofis einig: Es ist eine Herausforderung, Kunden, die das nachhaltige Reisen nicht selber ansprechen, aktiv darauf zu stoßen. Tatjana Peters, Projektmanagerin bei der Nachhaltigkeitsinitiative Futouris, empfiehlt, in jedes Angebot nachhaltige Reisen einzustreuen. "Viele Kunden möchten abgeholt werden. Wenn ich mich beim Kauf einer Waschmaschine beraten lasse, wünsche ich mir ja auch, dass ich alle nötigen Informationen bekomme – auch zum Klimaschutz und geringen Ressourcenverbrauch", sagt sie.

2. Ein eigenes grünes Raster anlegen

Doch um grüne Reisen in die Reiseangebote einzubauen, müssen diese erstmal für den Counter sichtbar sein. Für die Pauschalreise als Klassiker unter den Reiseangeboten bietet bislang das "grüne Blatt", das Hotels mit einer Nachhaltigkeitszertifizierung im Buchungs- und Preisvergleichssystem kennzeichnet, die einzige Orientierung.

"Aber das ,grüne Blatt’ bezieht sich nur auf die Hotels und betrifft nicht die ganze Reise", sagt Staud. Zudem sei in Bistro nicht nachvollziehbar, wofür das Hotel jeweils ausgezeichnet wurde, kritisiert Melanie Gohr. "Wenn die Reisenden mehr dazu wissen möchten, kann ich die Infos nicht liefern." Daher ist sie dazu übergegangen, sich selbst Notizen zu machen. 

Auch Tatjana Peters empfiehlt, bei den Kunden nach der Reise nachzuhaken und selbst Beschreibungen im System zu hinterlassen, etwa, wenn die Hotelinhaber eigenes Gemüse anbauen, auf Plastik verzichten oder Solarzellen auf dem Dach angebracht haben. "Damit können die Reisebüros erstmal arbeiten, bis ausführlichere Infos zur Verfügung stehen", sagt Peters.

Daneben bietet die B2B-Plattform Axolot der AER-Kooperation seit wenigen Monaten mithilfe einer Suchfunktion die Möglichkeit, Angebote von zertifizierten Veranstaltern und Reisen zu finden.

3. Das Ladengeschäft grüner gestalten

Je nachhaltiger das Reisebüro selbst aufgestellt ist, desto glaubwürdiger machen sich die Mitarbeiter in der Beratung zum umweltfreundlichen Reisen. Es gibt zahlreiche Ansatzpunkte dafür: Dazu zählt etwa, auf Papier und Plastik zu verzichten und auf Ökostrom umzustellen. Melanie Gohr, die das Reiseland-Büro in Itzehoe im Januar 2019 übernommen hat, verbannt Papier nach und nach aus ihrem Geschäft und hat statt Visitenkarten QR-Codes eingeführt. Die Prozesse zu digitalisieren, spart außerdem Geld. 

Marc Sebastian Plaetrich, Chef vom Büro Der Ferienplaner in Bonn, hat seinen Papierverbrauch deutlich gesenkt und konnte dadurch die monatlichen Ausgaben um 70 Euro zu senken. Kathrin Heimer, ging noch einen Schritt weiter, als sie vor fünf Jahren das Reisebüro in Homberg (Efze) übernahm. Die Inhaberin recycelte die Möbel einer Reiseland-Filiale, die sonst im Sperrmüll gelandet wären, und gab ihrem Büro einen besonderen Touch.

4. Weniger Städte- und Kurzreisen verkaufen

Von Reisen abzuraten, ist immer eine Gratwanderung. Wenn ein Kunde jedoch eine Städtereise mit dem Flugzeug buchen möchte, schlägt Staud die Bahn als Alternative vor. Ähnlich geht sie vor, wenn die Kunden etwa drei Urlaubstage auf Mallorca verbringen möchten. "Dann frage ich schon nach, ob auch fünf bis sieben Tage machbar sind."

5. Mit eigenen Aktionen sensibilisieren

Einige Reisebüros stellen Aktionen auf die Beine, um so die Kunden auf den Klimaschutz aufmerksam zu machen. Staud beispielsweise hat nicht nur ein Konzept entwickelt, um das Reisebüro nachhaltig zu gestalten. Sie hat es außerdem im vergangenen Jahr geschafft, Kollegen sowie Freunde und Kunden für eine Klimaschutz-Radelaktion zu begeistern. Pro geradelten Kilometer sollten 10 Cent an die Reiner-Meutsch-Stiftung Fly&Help gehen. Das Team erradelte 10.000 Kilometer, so dass insgesamt 1000 Euro zusammenkamen.

Damit war die Idee für monatliche Aktionen mit grünem oder sozialen Anstrich geboren. So hat das Büro zuletzt unter anderem 70 Brillen gesammelt, die nach Afrika geschickt wurden. Das Reisebüro fungierte außerdem als Sammelstelle für die Johanniter Weihnachtstrucker und für die Ukraine. "Jeden Monat gibt es eine neue Aktion", sagt Staud.

6. Tipps für nachhaltiges Urlaubsverhalten geben

Kunden können selbst mit ihrem Verhalten zum sanften Tourismus beitragen. Wie das geht, hat das Forum anders reisen auf einem Flyer mit Hinweisen zum nachhaltigen Reisen zusammengefasst (siehe Kasten).

Das Reisebüro Vivell und das Reisland Itzehoe geben ebenso Tipps heraus und empfehlen, wenig Gewicht im Koffer mitzunehmen und umweltfreundliche Sonnencreme zu nutzen. "Das haben wir in groben Stichpunkten aufgelistet. Die Reisenden sollen sich nicht eingeschränkt fühlen. Urlaub soll immer noch etwas Positives sein", sagt Staud. Zudem weisen viele Reiseverkäufer auf die Möglichkeit hin, entstehenden Emissionen zu kompensieren. "Das fragen die Kunden verstärkt nach", sagt Staud.

Tipps für grünes Reisen vom Forum Anders Reisen

Nachfolgend eine Auswahl der Tipps vom Forum Anders Reisen, was die Kunden selbst tun können, um nachhaltig zu verreisen:

  • Die Urlaubstage bündeln. Lieber länger und dafür seltener verreisen nach der Faustregel: Je weiter weg, desto länger vor Ort. Das spart unnötige Emissionen ein.
  • Flugreisen kompensieren, beispielsweise über Atmosfair.
  • Umweltfreundliche Unterkünfte auswählen, die sparsam mit Wasser und Energie umgehen oder erneuerbare Energien nutzen 
  • Lokale Küche vor Ort genießen
  • Saisonale und fair gehandelte regionale Produkte, wenn möglich aus ökologischem und/oder kleinbäuerlichem Anbau bevorzugen
  • Vor Ort regionale Transportmittel nutzen, da es die lokalen Strukturen unterstützt
  • Das lokale Handwerk unterstützen und faire Preise bezahlen
  • Natur, Meere und Tiere schützen: auf gekennzeichneten Wegen bleiben oder Touren in kleinen Gruppen, mit geschulten Experten und Expertinnen buchen sowie beim Wintersport Schutz- und Sperrzonen beachten
  • Bettwäsche und Handtücher mehrere Tage nutzen, kurz duschen
  • Hotels mit großen Poollandschaften und Golfplätze in Regionen mit Wasserknappheit vermeiden
  • Unnötigen Müll vermeiden: Einwegverpackungen wie Aluminiumdosen oder PET-Flaschen vermeiden, da diese Stoffe in vielen Ländern nicht getrennt entsorgt werden können. Wieder befüllbare Trinkflaschen unterwegs nutzen und nichts unachtsam wegwerfen
Inhaberin Melanie Gohr forciert den Umweltgedanken, indem sie die Reisegäste in eine Umweltaktion einbezieht. Sie fordert ihre Kunden auf, Müll im Urlaub zu sammeln und ihr davon ein Foto zu schicken. Im Gegenzug spendet sie ein bis zwei Euro an eine Organisation in Schleswig-Holstein. Die Aktion hat sie Anfang 2021 ins Leben gerufen. In diesem Jahr versucht sie, die Kunden verstärkt mit einzubeziehen und fordert sie auf, Vorschläge zu unterbreiten, an welche Organisation in Schleswig-Holstein die Spende gehen soll. 

Mit ihrer Idee möchte sie gegen den Plastikmüll an den Urlaubsstränden vorgehen. "Die meisten Kunden finden es super", sagt sie. Die Reisebüro-Inhaberin hat unter anderem Müll-Fotos aus Italien, Dänemark, Mallorca, Gran Canaria und den Seychellen erhalten. 

7. Schulungen zu grünen Reisen besuchen

Berater, die sich beim Thema Nachhaltigkeit unsicher fühlen, empfiehlt Tatjana Peters von Futouris, sich in Workshops und Schulungen weiterzubilden. Mit Informationsangeboten versuche die Initiative den Vertrieb zu unterstützen. "Wir vermitteln unter anderem, was Nachhaltigkeit im Tourismus bedeutet", sagt Tatjana Peters. "Es geht nicht nur darum, Wasser und Energie zu sparen."

Zudem hat Futouris gemeinsam mit dem DRV eine Schulung (green-counter.drv.de) aufgesetzt, in der es etwa darum geht, wie Pauschalreisen nachhaltiger gestaltet werden können. Auch die Kompensationen werden erläutert und wohin das Geld fließt. "Wir versuchen dem Vertrieb zu helfen, sich Wissen anzueignen", sagt Peters. Darüber hinaus bieten auch die Counter-Helden Nachhaltigkeitskurse für Agents an.

Dieser Artikel erschien zuerst auf fvw.de

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