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Grüne Initiativen

Von Zusagen und Verpflichtungen

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Die Dekarbonisierung des Luftverkehrs ist ein großes Thema, das vor allem international Aufmerksamkeit und konkrete Lösungsvorschläge braucht – keine weiteren Versprechungen. Im Rahmen des Luftfahrtgipfels in Toulouse verpflichtete sich die Branche zu mehr Nachhaltigkeit bis 2050. 

Die Erklärung von Toulouse wurde von der EU und all ihren Mitgliedstaaten sowie einer Vielzahl von Verbänden der Luftfahrt einstimmig angenommen und unterstützt. Konkrete Lösungsansätze bot der Luftfahrtgipfel allerdings nicht. Die Erklärung beschränkte sich einmal mehr darauf die Rolle des Luftverkehrs für die Konnektivität herauszustreichen sowie die Notwendigkeit "sofortiger und angemessener Maßnahmen zur Unterstützung und Förderung der Dekarbonisierung des Luftverkehrs" bis 2050 anzuerkennen. Man lege sich mit der „Toulouse Declaration“ erst einmal "gemeinsam auf eine Dekarbonisierung des Flugverkehrs bis 2050 fest". Wie die so dringenden sofortigen Maßnahmen allerdings aussehen, ist den Unterzeichnern selbst überlassen und stünde vielfach noch aus. 

Wichtigstes Mittel zur Erreichung der Ziele sei für viele die Förderung alternativer Treibstoffe. Der Einsatz und die Beimengung synthetischen Kerosins ist bereits möglich und wird punktuell auch durchgeführt, für die vollständige Klimaneutralität reicht dieser allerdings nicht aus. Weiters wird gefordert, flugbezogene Steuern zweckgebunden "als Fördermittel für Forschung und Entwicklung" zu verwenden sowie eine "gesetzliche Beimenungspflicht" einzuführen, wodurch eine weitreichende Nachfrage nach alternativen Treibstoffen angekurbelt würde. Für eine Branche, die sich von der COVID-19-Pandemie erstmals noch erholen muss eine komplexe Herausforderung. 

Der Flughafen Wien – ebenfalls stolzer Unterzeichner der „Toulouse Declaration“ – setzt unterdessen seine Klimastrategie eigenständig fort. "Mit Österreichs größter PV-Anlage, CO2-neutraler Fernwärme und zahlreichen weiteren Maßnahmen wird der Flughafen Wien 2023 seinen Betrieb bereits zur Gänze CO2-neutral führen," so die Flughafen Wien-Vorstände Mag. Julian Jäger und Dr. Günther Ofner. Derzeit beziehe man ca. ein Drittel des Strombedarfs aus Sonnenenergie. Ab 2022 bezieht der Flughafen die industrielle Abwärem der OMV Raffinierie Schwechat als Fernwärme und reduziert damit seinen CO2-Ausstoß weiter. Ab 2023 soll der Flughafenbetrieb zur Gänze CO2-neutral geführt werden. In den Fuhrparks wird sukzessive auf E-Mobilität umgestellt. Der 2020 in Betrieb genommene Office Park 4 nutzt Erdwärme und wurde mehrfach als nachhaltigstes Bürogebäude Österreichs ausgezeichnet. Eine gemeinsam mit der TU Wien entwickelte Smart City Steuerungssoftware unterstützt bei der Energieoptimierung bestehender und künftiger Bauten.

Für den eigentlichen Flugbetrieb – welcher die meisten Anteile am CO2-Ausstoß ausmacht – sehe man die Chance weiterhin in alternativen Treibstoffen. 

„Das von der EU-Kommission vorgelegte Paket Fit for 55 wird aber zu enormen Zusatz- und Mehrfachbelastungen führen“, betont Günther Ofner. „Zudem droht durch die geplante Einführung einer Kerosinsteuer, neben dem Wettbewerbsnachteil gegenüber Drittstaaten, vor allem das „Carbon Leakage“ genannte Problem. Das heißt, dass durch den Steuervorteil Flüge in Drittstaaten ausweichen und somit die CO2-Emissionen zwar verlagert, jedoch nicht verringert werden. Damit ist unserem Wirtschaftsstandort geschadet, dem Klima aber nicht geholfen.“

Julian Jäger ergänzt: „Wir wollen konstruktiv an der nachhaltigen Transformation der Luftfahrt arbeiten. Den Vorschlag einer verpflichtenden Beimischquote von alternativen Treibstoffen sehe ich daher positiv und wesentlich nützlicher im Sinne der Emissionsreduktion.“

Europa sei erstmals die einzige Region der Welt, welche die „Toulouse Declaration“ unterzeichnete. Für eine vollständige Dekarbonisierung der Luftfahrt bestehe weltweit noch viel Handlungsbedarf. 

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