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Geschäftsreisen

Studien-Wirrwarr um Nachhaltigkeit

DRV

Keine Woche vergeht, in der nicht eine neue Umfrage zum Thema "Nachhaltigkeit und Geschäftsreisen" vorgelegt wird. Dabei kommen die Befragungen zu widersprüchlichen Ergebnissen, was die Bedeutung des Klimaschutzes im Travel Management angeht.

Eigentlich sollte es längst eine Binsenweisheit sein, die jedwede weitere Studie überflüssig macht: Das Thema Nachhaltigkeit ist für die Reisebranche im Verlauf der vergangenen Jahre wichtiger geworden. Das gilt auch – oder sogar erst recht – für den Business-Travel-Bereich. Dennoch legen Anbieter und Verbände etwa im Wochentakt neue Umfragen zu diesem Thema vor. Doch längst nicht alle kommen dabei zum erwarteten Ergebnis, nämlich dass Unternehmen bei der Geschäftsreiseplanung inzwischen den größten Wert auf Umweltschutz legen. Vielmehr widersprechen sich die Resultate.

Die neueste Umfrage stammt vom Deutschen Reiseverband (DRV). Sie kommt zum wenig erstaunlichen Resultat, dass das Umweltbewusstsein der Firmen steigt. Angeblich 56 % der Unternehmen mit mindestens 250 Mitarbeitern berücksichtigen demzufolge ökologische und soziale Standards bei der Buchung von Geschäftsreisen – sechs Prozentpunkte mehr als Anfang 2019.

Dies geschehe zum Beispiel dadurch, dass Geschäftsreisende versuchen, mehrere Termine miteinander zu verbinden – das sagen sogar zwei Drittel der befragten Unternehmen. Zudem führten 54 % der Reisenden die benötigten Unterlagen nicht mehr auf Papier, sondern nur noch digital mit sich. Und schließlich hätten 60 % der Unternehmensvertreter angegeben, echte Reisen verstärkt durch virtuelle Treffen zu ersetzen.

Interessant: Kürzlich erst kam eine großangelegte Umfrage des Zahlungsanbieters Airplus zum Ergebnis, dass bei Geschäftsreisen nach wie vor Kosten, Sicherheit und Komfort eine größere Rolle spielen als Nachhaltigkeit. Auch wenn in den (theoretischen) Debatten Klimaschutz-Themen oft im Vordergrund stünden, würden sie in der Praxis keinesfalls immer umgesetzt. Und knapp die Hälfte der von Airplus befragten Manager (48 %) geht dabei davon aus, dass sich die Priorisierung von Kosten und Sicherheit auch in den kommenden zwei bis fünf Jahren nicht ändern wird.

Vor allem unterschiedlich gestellte Fragen dürften zu den unterschiedlich ausfallenden Ergebnissen führen. So dürfte kaum ein Unternehmen von sich behaupten, dass Klimaschutz-Aspekte überhaupt keine Rolle spielten. Was darunter verstanden wird und zu welchen CO2-Einsparungen es tatsächlich führt, dürfte auf einem anderen Blatt Papier – pardon, in einer anderen App – stehen. Hingegen könnte eine Priorisierung verschiedener Kritierien schon realitätsnäher ausfallen.

Und natürlich kommt es am Ende auf die Interpretation der Resultate an. Denn auch der Airplus-Studie zufolge haben immerhin 47 % der befragten Unternehmen bereits konkrete Klimaschutz-Maßnahmen umgesetzt, was nicht allzu weit von den 56 % aus der DRV-Studie entfernt ist.

Andererseits kann der Airplus-Studie zufolge überhaupt nur ein Drittel der Firmen feststellen, wie hoch die von ihr verursachten CO₂-Emissionen überhaupt sind. Und nur jedes vierte Unternehmen zahlt für die Kompensierung. Selbst über diese Zahl würden sich Klimaagenturen in der Realität allerdings sehr freuen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf fvw.de

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