E-Autos am Mietwagenmarkt: Warum Vermiet... Plus Artikel
 
E-Autos am Mietwagenmarkt

Warum Vermieter ihre Flotten nicht umstellen

Sunny Cars

Umweltschutz und Nachhaltigkeit werden im Tourismus mehr und mehr mitgedacht. In Sachen Mobilität scheint jedoch Stillstand zu herrschen – insbesondere im Mietwagenbereich.

Nachhaltige Tourismusstrategien im Bereich der Mobilität sind nicht immer ganz einfach. Der Umstieg auf E-Autos oder Hybride als Mietwagen z.B. ist nicht immer so einfach, wie sich das manche vielleicht gerne wünschen, weiß der Mietwagen-Veranstalter Sunny Cars. Ladeinfrastruktur, Umschlagzeiten und Platzbedarf erschweren die Umstellung der Flotten. „Diese Probleme bei der Ausgangslage kennen wir bereits seit vielen Jahren. Mittlerweile kommt es zu so viel Bewegung in Sachen E-Autos. In Bezug auf E-Mietwagen herrscht aber kompletter Stillstand,“ erklärt Kai Sannwald, Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter von Sunny Cars.

Die Wachstumskurve bei elektrischen Firmen- und Privatwagen zeigt steil nach oben, entsprechend wächst die Auswah an verfügbaren Modellen. Staatliche Anreize unterstützen Autofahrer:innen zusätzlich beim Umstieg. Dennoch finden sich am Mietwagenmarkt kaum entsprechende Fahrzeuge. „Für die Probleme rund um eine Flottenumstellung gibt es seither nicht ansatzweise eine Lösung. Auch die Nachfrage der Urlauberinnen und Urlauber geht gegen null,“ bringt es Sannwald auf den Punkt. 

Gründe für das zähe Aufholtempo bei den Mietwagenveranstaltern gibt es zahlreiche. So schrecken viele Reisende nicht nur vor einem veränderten Fahrgefühl bei Elektroautos zurück, sondern auch vor dem Laden. Auf unbekannten Routen vertrauen Fahrer:innen nicht auf die kürzere Reichweite bei Strombetrieb. Die Sorge keine Ladestation zu finden, dominiert. Ein großer Gegensatz zum heimischen Fahren, wo Fans von E-Autos ihre definierten Ladeplätze kennen. Das führt zu einer sehr geringen Nachfrage auf Seiten der Mietwagen-Kund:innen.

Eine weitere unbeantwortete Frage stellt sich beim Thema Rückgabe. Bislang gilt meist die Voll-Voll-Regel: Die Annahme und Abgabe erfolgen mit vollem Tank. Doch dauert das Laden bei einem E-Fahrzeug vergleichsweise deutlich länger. Ein kurzer Stopp auf dem Weg zum Flughafen reicht daher nicht aus. Statt fünf Minuten bleibt das Auto teils mehrere Stunden an der Säule hängen. Hiervor schrecken Urlauber:innen ebenso zurück. Auch der Vermieter kommt an diesem Punkt in die Bredouille. Um den Servicecharakter zu erhöhen, wären Ladestationen bei der Rückgabe von Vorteil. Jedoch erhöht dies die Umschlagzeit enorm. Ein zurückgebrachtes Auto geht normalerweise binnen kurzer Zeit schon wieder auf seine nächste Reise. Im Einzelfall betrachtet scheint diese Hürde nicht zu hoch. Allerdings kommt es bei den größeren Stationen zu einem Wechsel von mehreren hundert Ferienautos pro Tag.

Und daraus folgt schon die nächste Schwierigkeit: Bleiben Mietwagen länger vor Ort, benötigt die Station viel mehr Platz, um die Wagen zu parken. Denn die aktuelle Platzsituation reicht nicht aus, um diesen Zwischenpuffer abzudecken. Doch auch wer seinen Parkplatz ausweitet, schafft zunächst nur die Möglichkeit, die Autos zu parken. Für den Ladevorgang selbst benötigt der örtliche Anbieter viele Ladesäulen und entsprechend eine Menge Strom. Hier stellt sich die Frage, wer die Kosten trägt. Denn üblicherweise haben Mietpartner, insbesondere an Flughäfen, selbst einen Mietvertrag. Entscheidet also ein Airport die Fläche anderweitig zu vergeben, wäre ein Investment in Ladesäulen nicht refinanzierbar.

„Ein Fall des Henne-Ei-Problems aus Nachfrage und Angebot. Die EU strebt an, dass ab 2035 nur noch emissionsfreie Neuwagen auf den Markt kommen. Ich fürchte, dass wir mittelfristig in der Mietwagenbranche nicht von Dieseln und Benzinern Abschied nehmen. Doch die Umstellung der Flotten wird und muss auch kommen. Daher brauchen wir jetzt eine Initialzündung,“ gibt Kai Sannwald zu bedenken.

sunnycars.at

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