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Nationalfeiertage der Welt

Ayubowan!

Ohne Tee und Briten kein Sri Lanka. Spricht man von der vielleicht schönsten Insel der Welt, könnte man es so in etwa kurz zusammenfassen. Dass der Nationalfeiertag der früheren Kolonie British Ceylon am 04. Februar die Unabhängigkeit vom British Empire befeiert, ist also fast logisch, dennoch huldigt die Perle im Indischen Ozean seiner Eigenständigkeit zweimal.

Nationalfeiertage der Welt: Ayubowan!

Dass mit der Schönheit Sri Lankas sagte übrigens kein geringerer als Marco Polo, und der Globetrotter und Vielreisende seiner Zeit, nach dem Jahrhunderte später eine ganze Reiseführer-Enzyklopädie benannt wurde, war ein Mann mit gutem Geschmack und scharfem Auge. Ja, die Insel mit den vielen Namen ist eine Naturschönheit, die keinen Schnickschnack und großen Aufputz braucht. Und wer schon mal auf Sri Lanka war, weiß wovon die Rede ist und wird stets schweren Herzens dieses Schmuckstück, das wie eine Perle Indien vorgelagert im Indischen Ozean „hängt“ und darob auch gerne als „Träne Indiens“ bezeichnet wird, wieder verlassen wollen.

Die Wunden der Vergangenheit

Tränen, ja die hatte die Inselnation, auf der die Freundlichkeit zu Hause scheint, bis in die Gegenwart reichlich zu trocknen. Ich habe auf meinen vielen Reisen quer über den Erdball selten so gastfreundliche, lebensbejahende und glückliche Menschen gesehen, die auch dann noch lächeln, wenn ihnen die Katastrophe wie beim Tsunami 2004 die Liebsten und das letzte Hab und Gut genommen hat. Portugiesen, Holländer, Franzosen und natürlich die Briten – sie alle wollten diese glänzende und ehrenwerte Insel – was Sri Lanka übersetzt bedeutet – für sich beanspruchen, um, wie das die „guten“ Kolonialherren egal wo auf der Welt halt so an sich hatten, den vermeintlich unzivilisierten Urbewohnern endlich a bisserl Kultur, Fortschritt und natürlich den wahren Glauben zu bringen. Schnupfen, Husten und weit schlimmere Krankheiten inklusive.

Dabei fing der Zwist um die schöne Insel den Geschichtsbüchern zufolge schon viel früher an, was in der Sache jedoch nicht wirklich einen Unterschied macht. Denn Eroberer haben’s nun mal im Blut, sich zu nehmen, was ihnen gefällt. Das ist heute nicht viel anders, als damals in vorchristlicher Zeit, als ein aus Nordindien hinausgeworfener Königssohn die als „Dämonen“ verteufelten Ureinwohner mit seinen 700 Mannen besiegte und sich damit zu Sri Lankas erstem König machte. All das soll der Legende nach in jener Vollmondnacht passiert sein, in der Siddhartha Gautama – der historische Buddha – ins Nirwana einging. Zufall, Mythos oder echte göttliche Fügung, wer weiß das schon so genau. In jedem Fall soll dies die Geburtsstunde des Stammes der Singhalesen – der Auserwählten – und damit des singhalesischen Nationalismus mit elementarer Bedeutung für die weitere Entwicklung des Landes bis in die jüngste Vergangenheit gewesen sein. Die auch keine gute Zeit für Land und Leute war.

Perlen wollen alle haben

Bis heute stellen die Singhalesen – die im Bergland ansässigen eher traditionell-konservativen „Kandy-Singhalesen“ und die an der Küste lebenden liberaleren und kosmopolitischen „Tiefland-Singhalesen“ die Bevölkerungsmehrheit, die mit den Tamilen – der anderen Gruppierung - obwohl man seit mehr als 2000 Jahren zusammenlebt, nicht wirklich grün waren. Was möglicherweise in den Besitzansprüchen oder besser gesagt historischen Sichtweisen begründet liegen mag. Für die einen hatten die Tamilen keine wirkliche organisierte Präsenz, für die anderen steht jedoch genau das außer Frage, denn sie seine immer schon die ursprünglichen Bewohner der Insel gewesen. Nun, belegt ist weder die eine noch die andere These, dass die tamilischen Königreiche ab dem 2. Jhdt. v. Chr. jedoch begannen, ihren scharfen Senf ins Insel-Geschehen zu mischen und sich dynastisch über Teile Sri Lankas ausbreiteten, ist belegte Tatsache. Bis dann die europäischen Kolonialherren auf der Matte standen, sich der Reihe nach die Klinke in die Hand gaben und den Disput weiter befeuerten.

Goodby England – Hello Sri Lanka

Der Bruderkampf prägte Sri Lanka bzw. Ceylon – wie die Briten die Insel ab 1815 nannten – sollte bis weit nach der im Jahr 1948 erfolgten Unabhängigkeit Ceylons vom British Commonwealth anhalten und erst 2009 in einem blutigen Bürgerkrieg sein Ende finden.

Seit 1972 steht die Insel mit den vielen Namen als Republik Sri Lanka auf der Weltlandkarte, was man jährlich am 22. Mai als „zweiten“ Nationalfeiertag begeht. Der Tag als Sri Lanka eben keine Kronkolonie mehr war, wird hingegen jährlich am 04. Februar und auch 74 Jahre nach dem finalen goodbye vom britischen Königshaus landesweit – vor allem aber in der Hauptstadt Colombo – mit staatstragendem Zeremoniell und zwischen schwerem militärischem Gerät trottenden Elefanten groß gefeiert.

Von scheuen Leoparden und kecken Wolkenmädchen

Touristisch ist Sri Lanka zwar ein sehr gut entwickeltes Land mit vielen tollen Hotels, fantastischen Stränden, reicher Kultur, grandiosem, mitunter aber sehr scharfem Essen, wunderbar freundlichen Gastgebern und dennoch ist es noch eines der schon sehr selten gewordenen Kleinode auf der großen Reiselandkarte. Üppigster Regenwald und sattgrüne Teeplantagen im kühlen Hochland von Ella und Nuwara Eliya – auch little England genannt - die fast kitschigen kilometerlangen weißen Sandstrände rund um Trincomalee im Nordosten oder die palmengesäumten Buchten und malerischen Felsklippen an der Südküste, wo noch heute die berühmten Stelzenfischer zwischen Unawatuna und Weligama wie Sittiche auf der Stange auf ziemlich unbequeme Art Fischfang betreiben. Dann Kandy, das „verborgene Königreich“ und „gallische Dorf“ im zentralen Bergland, das sich erst ganz zum Schluss den Briten unterwarf und in einem Tempel einen Zahn Buddhas hütet.

Und natürlich das absolute Highlight, der Monolith von Sigiriya, auf dem sich in 200 Metern Höhe die Ruinen einer Festung aus dem 5. Jhdt. befinden, die man über Eisenleitern und Wendeltreppen – Höhenangst bitte unten lassen – erreicht und für die schweißtreibende Mühsal schon auf halbem Weg mit den barbusigen Wolkenmädchen und on top mit einem fantastischen Rundumblick belohnt wird. Colombo, die Hauptstadt, mit Zeitzeugen aus der Kolonialzeit, die heiligen Höhlengräber von Dambulla und dem 14 Meter langen liegenden Buddha, die antike Königstadt und UNESCO-Weltkulturerbe Polonnaruwa und das auch heute von den Buddhisten als heilige Stadt angesehene Anuradhapura mit einem fast 2200 Jahre alten Ableger des indischen Bodhi Baums, unter dem Buddha dereinst die Erleuchtung erfuhr. Der Udawalawe Nationalpark im Süden Sri Lankas, wo sich mit ein bisschen Glück neben Mungos, Wasserbüffeln, Krokodilen und Waranen auch der Sri Lanka Leopard sehen lässt. Schon sehr selten geworden – eh klar, der Mensch! – steht der Ceylon-Leopard längst auf der endangered Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN und gilt als stark gefährdete Art.

Unweit vom Nationalpark befindet sich das Elephant Transit Home, wo verwaiste Elefantenbabys aufgezogen werden, um sie später wieder auszuwildern. Eine Reise in die koloniale Vergangenheit wird der Besuch von Galle an der Südwestküste Sri Lankas, wo sich mit dem Fort Galle die größte erhaltene europäische Festungsanlange in Asien befindet und die Geschichte unter portugiesischer, holländischer und britischer Herrschaft nicht besser erzählt werden könnte.

Die Liste der Einzigartigkeiten und fantastischen Schönheiten, die sich wie eine Perle auf der Schnur quer über die Insel aneinanderreihen, ließen sich noch weiter fortsetzen. Adam’s Peak mit dem „Sri Pada“, dem vermeintlichen Fußabdruck Buddhas, Shivas oder Adams – so genau weiß man das nicht – als eine der wichtigsten Pilgerstätten des Landes nicht zu vergessen und natürlich die traditionelle Ayurveda Heilkunst, die bereits in den 1970er Jahren von der WHO als traditionelle Medizin anerkannt wurde und, und und …

Sie sehen, Sri Lanka ist eine prall gefüllte Schatztruhe mit großem „Wissen vom Leben“. Bis bald und Ayubowan – Mögest Du ein langes Leben haben!

Das gibt es nur auf Sri Lanka

  • Die Briten brachten 1824 den Tee nach Sri Lanka und legten damit den Grundstein, dass die Insel heute neben China, Indien und Kenia zu den führenden Teeexportnationen der Welt zählt. Zudem gilt Sri Lanka als weltgrößter Zimt-Exporteur.
  • Sri Lankas Flagge zählt zu den ältesten der Welt und trägt mit dem goldenen Löwen das Symbol für Tapferkeit der Singhalesen in seiner Mitte.
  • Mitte des 20. Jahrhunderts noch eines der am stärksten von Malaria betroffenen Länder der Welt, erklärte die WHO 2016 Sri Lanka für malariafrei.
  • Papier aus Tierkot – Sri Lanka zeigt wie Nachhaltigkeit geht und erzeugt aus Elefantendung umweltfreundliches Papier.
  • Ayubowan – Mögest Du ein langes Leben haben, lautet die singhalesische Begrüßung, ein schlichtes „Hello“ geht auch. Jedoch ist Händeschütteln zur Begrüßung unüblich – was rein gar nichts mit Corona zu tun hat. Man faltet die Hände auf Kopfhöhe und verneigt sich leicht vor dem Gegenüber.
  • Besser nie den Kopf schütteln, denn was hierzulande ein Nein bedeutet, steht auf Sri Lanka – je nach Heftigkeit – genau fürs Gegenteil.
  • Nehmen Sie nie die linke Hand, egal wofür, denn sie gilt als unrein. Ob zur Begrüßung oder zum Essen, die linke Hand bleibt unter dem Tisch. Gegessen wird mit der rechten Hand, indem man das Essen zu kleinen Kugeln formt und es mit dem Daumen in den Mund befördert. Am besten zu Hause üben!
  • Schuhe gehören, bevor man das Haus betritt, ausgezogen und bitte, lassen Sie nie die nackten Füße in Richtung des Gegenübers zeigen. Die Beleidigung wäre eine große, denn auch Füße gelten als unrein.

Besondere Hotels

  • Wild Coast Tented Lodge: „Zwischen Dschungel und Indischem Ozean”, wie es der Maitre de Maison, Tiran Nanayakkara, beschreibt, befindet sich das zu Relais & Châteaux gehörende Resort, deren 28 exquisite „Zelte“ in Form einer Leopardenpranke am Randes des Yala Nationalparks und mit Blick auf den Indischen Ozean angeordnet sind.
    relaischateaux.com
  • Heritance Tea Factory: Inmitten tiefgrüner Teeplantagen im Hochland von Nuwara Eliya logiert man mit grandiosem Panoramablick in einer ehemaligen Teefabrik, die in seiner ursprünglichen kolonialen Architektur erhalten blieb und den Gast auf höchstem Niveau in die Zeit, als Sri Lanka noch Ceylon hieß, zurückversetzt. In naher Umgebung befindet sich mit einem Postamt aus Kolonialzeiten übrigens eine der ältesten Gebäude des Landes.
    heritancehotels.com
  • Uga Residence: Aus einem viktorianischen Stadthaus wurde eines der luxuriösesten Boutique Hotels im Herzen Colombos, das mit elf noblen Suiten, Colombos bestem Restaurant, der Rare Bar, und der größten Whiskey Sammlung der Stadt dem Gast Entspannung und Genuss auf höchstem Niveau bietet.
    ugaescapes.com/residence
  • Jetwing Sea: Bereits 1978 als Jetwing Seashells in Negombo an einem der schönsten Strände Sri Lankas gegründet, ist das nunmehrige Jetwing Sea zu einem Symbol moderner Eleganz unter den Standresorts der Insel geworden und bietet sich aufgrund seiner Nähe zum internationalen Flughafen Colombo-Bandaranaike als erholsamer Schlusspunkt einer Rundreise an.
    jetwinghotels.com

Tourismusentwicklung

Für den touristischen Wirtschaftszweig Sri Lankas ist die staatliche Sri Lanka Tourism Development Authority (SLTDA) seit 2007 verantwortlich und mit der Entwicklung, Regulierung und politischen Umsetzung des Tourismus und tourismusnaher Branchen beauftragt.  Die Aufgabe der SLTDA ist, die Tourismusbranche zu regulieren und gleichzeitig Sri Lanka als führendes Reiseziel für internationale Besucher zu positionieren. Dafür soll das natürliche Potenzial Sri Lankas genutzt werden, wie man auch Investoren unterstützt.

sltda.gov.lk/en/the-survey-on-departing-foreign-tourists

Quellenachweise:

wedesigntrips.com
srilanka-discover.de


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