Kärnten: Tourismus leidet unter Ertrags... Plus Artikel
 
Kärnten

Tourismus leidet unter Ertragslage

Es steht nicht zum Besten mit dem Kärntner Tourismus.

Die Gäste werden anspruchsvoller, verweilen kürzer und für Investitionen bleibt den Betrieben oft kaum Luft. Anfang der 1980er-Jahre verbuchten die Touristiker noch 20 Mio. Nächtigungen im Jahr, mittlerweile sind es zwölf. "Es ist sehr schwer, den Anschluss zu halten", sagte Spartengeschäftsführer Wolfgang Dörfler im Gespräch mit der APA. "Wir hatten in den letzten Jahren eine Phase der Konsolidierung. Die Nächtigungen haben sich auf einem hohen Niveau eingependelt. Aber natürlich wissen wir, dass viele Baustellen offen sind, das Gästeverhalten ändert sich rasch", so der Wirtschaftskammerfunktionär. Bei den Ankünften gibt es zwar Wachstum, zeigt die Statistik der Kärnten Werbung. Dieses Plus kann die kürzere Dauer der Urlaube aber nicht vollständig kompensieren. Zu Beginn der 1980er Jahre gab es noch 250.000 Gästebetten in Kärnten, mittlerweile sind es 155.000. Dörfler: "Die meisten sind im Privatzimmerbereich und in den unteren Kategorien weggefallen. Bei Vier- und Fünfsternhotels haben wir starke Kapazitätszuwächse." Zwei große Probleme hat der Kärntner Tourismus, glaubt Thomas Michor, Chef der Region Villach – Faaker See – Ossiacher See: die Konzentration auf nur eine Saison, die Sommersaison, und eine fehlende Internationalisierung. "75 Prozent der Gäste kommen aus Österreich und Deutschland." Der Winter entwickle sich zwar positiv, Kärnten hinke den Regionen nördlich der Alpen aber weiter hinterher.

Mehr Allwettereinrichtungen

Unter der mangelnden Internationalität leide auch der Klagenfurter Flughafen, weil Gäste eher per Auto, Bus oder Bahn anreisen. "Internationale Partner sagen umgekehrt: Ohne ordentliche Fluganbindung kommen wir nicht ins Geschäft." Nachholbedarf sieht Michor auch bei der Infrastruktur. Es könnte mehr Allwettereinrichtungen geben und auch in Sachen Qualität hinke Kärnten anderen Bundesländern leicht hinterher, wie Gästebefragungen ergaben. Dabei wäre Kärnten ein ideales Tourismusland. "Kärnten hat wahrscheinlich die besten Voraussetzungen mit dieser wunderschönen Kombination aus Bergen und Seen." Die Ertragslage in den Betrieben sei traditionell angespannt, sagte Dörfler. "Und es ist nicht besser geworden." Es gebe natürlich auch Betriebe, die punktgenau investiert haben und bei denen der Ertrag stimme, viele hätten aber Schwierigkeiten. "Die Gratwanderung zwischen genügend und zu viel investieren, ist sehr schwer. Kredite zu bekommen ist auch schwer, weil sich Förderungsinstitutionen aus dem Tourismusbereich zunehmend zurückziehen und weil die Banken mit den Auflagen eben immer weniger bereit sind, potenzielle Risikokredite zu vergeben." Den Wirten fehlt oft einfach das Geld, um notwendige Investitionen in die Qualität zu machen, sagte Michor. "Die durchschnittlich durchgesetzten Preise sind in der Kärntner Hotellerie zu niedrig." Am Ende blieben den Betrieben zu wenige Vollauslastungstage. "Da bleibt oft zu wenig in der Kasse."

Öffentliche Hand lässt aus

Auf die Politik kann der Kärntner Tourismus auch nicht mehr vertrauen, meint Dörfler. "Zusagen oder eingelernte Partnerschaftsmodelle sind in der derzeitigen Situation außer Kraft gesetzt. Viele Projekte sind privat nicht finanzierbar, dafür bräuchte man die öffentliche Hand – und die lebt momentan von der Hand in den Mund." Ideen wären etwa mehr ganzjährig nutzbare Badehäuser an den Seen und der Ausbau des Radwegenetzes. Sorgen bereitet Dörfler auch die Zukunft des Klagenfurter Flughafens: "Wir wissen alle nicht, ob Ende 2016 noch ein Flughafen in Klagenfurt sein wird oder nicht." Von der kürzlich von Landesrat Christian Benger (ÖVP) vorgestellten neuen Tourismusstrategie des Landes hätte sich Dörfler offenbar mehr erwartet: "Es findet sich wenig Konkretes, Zeitplan gibt es auch keinen." Michor geht es ähnlich: Das ausgearbeitete Papier sei vorwiegend eine "Ansammlung von Schlagwörtern", die man erst mit Leben füllen müsse. Unter vielen Begriffen könne er sich nicht wirklich etwas vorstellen, das müsse noch diskutiert werden. Kärnten habe ein Jahrzehnt der Events hinter sich, die keine Nachhaltigkeit brachten und die man sich jetzt nicht mehr leisten könne, so Dörfler. "Ich glaube, dass sich der Markt weiter bereinigen wird. Die Talsohle ist nicht erreicht." Spreu und Weizen werde sich bei den Betrieben weiter trennen. "Es gibt genügend große Hotels, die geführt werden wie kleine Frühstückspensionen. Es gibt aber auch viele Betriebe, in denen die nächste Generation mit einer gescheiten Ausbildung kommt, die sich auskennen mit den Medien und die durchstarten, ihre Gäste bewusst selektieren und ein zugeschnittenes Angebot machen." Lichtblicke macht auch Michor aus, gerade bei den Gastronomen: "Es gibt einige Gastronomen, die deutliche Zeichen einer Reorientierung wagen und einen engagierten Weg in Richtung Qualität und Regionalität einschlagen."
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