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Demut lernen im Salzkammergut

Das Weiße Rössl am Wolfgangsee, die bizarren Häuser von Hallstatt, die unterirdischen Geheimnisse des Toplitzsees oder die mondäne Eleganz des Schloss Fuschl Resorts, lassen einen eher an wogende Touristenmassen und wohlhabende Grundbesitzer denken, denn an Stille und Einkehr.

Demut lernen im Salzkammergut

Doch die Schönheit des Salzkammergutes kann man auch auf etwas ruhigere Weise entdecken und lieben lernen. Ein ganz persönlicher Lokalaugenschein.

Am Ufer und am Wasser

Beeindruckend schön sind sie, die Seen im Salzkammergut, mit ihrem klaren, grün glitzerndem Wasser und den imposanten Bergen ringsherum. Und gut besucht sind sie natürlich auch, über den Wolfgangsee, wo meine Reise beginnt, flitzen die Segler und Wasserskifahrer, baden die Urlauber, und dazwischen bringen die Boote der Wolfgangsee-Schifffahrt ihre Gäste entspannt rund um den See. Doch so bevölkert es auch scheinen mag, die ruhigen, fast besinnlichen Plätzchen gibt’s zu Genüge, „Gschmå-Platzln“ nennen die Einheimischen sie, was so viel wie „gemütlich, sympathisch“ bedeutet. Da sitzt man dann ganz alleine auf einem Bankerl und blickt auf die beeindruckende Naturkulisse, lässt die Seele baumeln und denkt gar nicht daran, dass um’s Eck gerade eine Gruppe Chinesen die Souvenirläden plündert. Vom Falkenstein, diesem Kraftplatz, auf dem schon vor 1.000 Jahren der Heilige Wolfgang Ruhe suchte, blickt es sich sehr beschaulich auf den See. Oder man spaziert einfach los, sucht sein ganz persönliches Gschmå-Platzl auf einer Wiese, am Waldrand oder am Wasser. Zwischen den einzelnen parzellierten Badestränden findet sich immer ein Plätzchen zum Füße-rein-hängen und Träumen. Gleiches gilt für den Fuschlsee – mit der Zille gleiten wir gemächlich über den See, zur Schlossfischerei. Auch hier wieder ein Ort zur Einkehr – kulinarisch wie mental. Die frisch geräucherten Forellen und Saiblinge werden vom Papierteller, am besten mit den Händen, verspeist, eine gute Scheibe Brot dazu und gut ist’s. Auf gemütlichen Holzbankerln sitzt man direkt am See, vis-à-vis grüßt das prächtige Schloss Fuschl, unvergessen als Kulisse für die berühmten Sisi-Filme.

Am Berg und im Tal

Nach einem kurzen Besuch im Vorzeige-Bauernhof Oberhinteregger’s in der Faistenau geht’s hinauf auf die Gruberalm zur Mayerlehnerhütte in Hintersee. Seit 100 Jahren ist das Haus durchgehend bewirtschaftet, Werner und Lisi Matieschek sind Almbauern mit Leib und Seele. Von der Natur und mit der Natur, das ist hier gelebtes Selbstverständnis. Die Bauernkrapfen werden ebenso wie alle anderen Speisen frisch zubereitet, das dauert halt mitunter ein bisserl länger, aber Ungeduldige oder Rastlose kommen ohnehin nicht hierher, und wenn, dann verändern sie sich, ganz von selbst. Geheizt und gekocht wird mit Holz, zum Waschen gibt’s den kalten Brunnen vor dem Haus und geschlafen wird im Zelt auf der Wiese, im Matratzenlager oder in der „Sennerinnen-Suite“, deren Einrichtung einen – wie die ganze Hütte – in eine andere Zeit versetzt. Fehlender Komfort, Handy oder Fernseher sind rasch vergessen, wenn man nur mal einfach dasitzt, atmet, schaut, beobachtet: Am Berghang gegenüber, auf einem schmalen Schneestreifen, den die Sonne noch nicht erwischt hat, rutschen junge Gämsen den Hang hinab, immer und immer wieder, die Ziegen im Gras bringen mich mit ihren Spiel-Kämpfen zum Lachen, Lisi serviert hausgemachten Hollerschnaps und der Sternenhimmel ist einfach unbeschreiblich. Körper und Geist haben Auszeit. Am nächsten Tag geht’s auf die Postalm, vielbesuchtes Ausflugsziel, mit dem Auto befahrbar fast bis zum Berggasthof, dementsprechend der Andrang der Besucher. Für mich aber gibt’s eine ganz besondere Führung: Gisbert Rabeder, Bergführer, Langlauftrainer, Autor und noch vieles mehr, führt mich durch den Almblumenweg rund um die Postalm. Er weiß genau, an welchem Gestein, auf welchem Boden und vor allem zu welcher Zeit und unter welchen Bedingungen die eine oder andere Pflanze erblüht, kennt jede beim Namen und erzählt dazu noch spannende Geschichten über Adel, Kirchenfürsten, Bauern, Grundbesitzer und den ewigen Kampf um Macht und Einfluss. All das hat schließlich auch das Salzkammergut geprägt, Salz und Holz waren ein einträgliches Geschäft. Es ist schön, mit Gisbert zu plaudern, seine besonnene und doch aufgeweckte Art und seine Augen, die schon so viel gesehen und erlebt haben, beeindrucken mich sehr.

Urlaub mit Mehrwert

Die Reise neigt sich dem Ende zu, ein letzter Besuch im Primushäusl, eine Schnapsbrennerei vom Feinsten. Hannerl und Sepp Rieger müssen die zahlreichen Auszeichnungen, die sie bereits erworben haben, nicht aufzählen, man braucht nur einfach hinfahren, sich die Brennerei, das Wohnhaus und vor allem die beiden selbst ansehen, dann weiß man, dass es sich hier perfekt Urlauben, Verkosten und Feiern lässt. Hannerl Rieger gibt mir mit ihrer Herzlichkeit und Vitalität noch den letzten Schwung an positiver Energie für meine Heimreise mit, diese Tage werden mir noch sehr lange in Erinnerung bleiben. Und auch mir persönlich in Zukunft mehr Demut abverlangen, vor der Natur, den Menschen, die mit ihr leben und arbeiten, einfach dem, was wir haben und genießen dürfen. Ein Urlaub mit Mehrwert, sozusagen. Informationen unter www.wolfgangsee.salzkammergut.atwww.fuschlseeregion.comwww.gruberalm.at und www.primushaeusl.at 
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