Ruefa Reisekompass: „Der Gewinner ist da... Plus Artikel
 
Ruefa Reisekompass

„Der Gewinner ist das Reisebüro“

Die Reiselust und Hoffnung auf ein gutes Reisejahr 2022 sind da, bestätigen die beiden Ruefa-Geschäftsführer Helga Freund und Michele Fanton. Im Trend liegen Italien, erdgebundene Reisen, aber auch am Fernmarkt die USA und vor allem die Beratungsleistung im Reisebüro.

Ruefa Reisekompass: „Der Gewinner ist das Reisebüro“

Auch wenn die Omikron-Welle und der Krieg in der Ukraine den großen Optimismus der Reisebranche etwas dämpften, sind die Zeichen auf ein erfolgreiches Jahr 2022 da. Die Österreicher wollen endlich wieder verreisen, das zeigt der Ruefa Reisekompass 2022 deutlich auf. Die Online-Umfrage von Marketagent wurde in der ersten Februarwoche durchgeführt, die Ergebnisse sind daher differenziert zu betrachten, aber dennoch aussagekräftig, betont man bei Ruefa. 

Mehr Reisen, aber weniger Budget

Die Reiselust ist definitiv vorhanden und größer als letztes Jahr. Bereits jetzt planen 84 Prozent der Österreicher für 2022 mindestens einen Urlaub fix ein, damit habe man „Vorkrisenniveau erreich“, so Geschäftsführerin Helga Freund in einer Pressekonferenz im Haus des Meeres in Wien. Durchschnittlich sind 18 Reisetage eingeplant, und 57 Prozent betonen, heuer wieder öfter verreisen zu wollen als es noch letztes Jahr der Fall war. Der Haupturlaub dauert durchschnittlich 11 Tage, wobei der Trend zu mehreren kleinen Urlauben statt einem sehr langen anhält.

Das durchschnittliche Reisebudget ist im Vergleich – und da haben die letzten beiden Jahre ihre Spuren hinterlassen – zur letzten Reisekompass-Befragung gesunken, von 1.620 Euro auf 1.550 Euro. „Wir müssen leider davon ausgehen, dass von der allgemeinen Preissteigerung auch der Urlaub betroffen sein wird“, so Freund. Michele Fanton ergänzt auf Nachfrage des traveller: „Die Preisentwicklung lässt sich schwer abschätzen. Die großen Veranstalter haben beschlossen, bei bestehenden Buchungen keine Preisanpassungen vorzunehmen. Die Tendenz ist, dass es nach Ostern Sonderangebote geben wird. Ich glaube aber nicht, dass die Preise nach unten gehen werden. Die Schnäppchenjagd im Sommer ist nicht zu empfehlen. Je früher man bucht, desto eher bekommt man das Produkt zu dem Preis, den man will.“ 

Insgesamt stimmt die Entwicklung der Buchungen, freut man sich bei Ruefa. Im Jänner und Februar war es ein großer Ansturm, der naturgemäß seit März zurückgegangen, aber nicht eingebrochen ist. Bei den Reisen mit Auto wird noch abgewartet und kurzfristiger gebucht. 

Italien ist sehr gefragt, Griechenland wird gebucht

Apropos Auto: Im Vergleich zu vor zwei Jahren hat das Auto als Verkehrsmittel der Wahl noch einmal deutlich dazugewonnen. 66 Prozent (Reisekompass 2020: 49 Prozent) wollten – zumindest vor dem Treibstoffpreisanstieg – mit dem eigenen Fahrzeug in den Urlaub düsen. Ähnlich die Bahn: 19 zu 12 Prozent. Das Flugzeug verlor hingegen um 9 Prozentpunkte auf 36 Prozent. „Viele Kolleg:innen im Reisebüro berichten, dass Kund:innen verunsichert über den Luftaustausch im Flugzeug sind, zudem ist ein mehrstündiger Flug mit Maske natürlich auch anstrengend“, so Freund. Als kleiner Gewinner entpuppt sich der Wohnwagen bzw. das Wohnmobil. Die Campingfans verzeichnen einen Zuwachs von 3 auf 5 Prozent. „Campingurlaub hat es damit heuer in die Top 5 geschafft. Die Tendenz ist steigend, Camping wird immer beliebter“, erklärt die Ruefa-Geschäftsführerin. Was noch nicht so wirklich angesprungen ist, sind die Kreuzfahrten.

Destination der Wahl ist daher Europa, wo drei von vier Österreichern ihren Urlaub verbringen werden; genauso viele steuern die Heimat als bevorzugtes Reiseziel an. Wobei Helga Freund damit rechnet, dass der große Boom der letzten beiden Sommer des Urlaubs in Österreich sich wieder auf ein „normales“ Maß einpendeln wird. Das Ranking der Bundesländer ist dabei unverändert: Steiermark, Kärnten und Salzburg verteidigen wiederholt ihre Stockerlplätze. Wien punkte heuer nicht nur mit seinem besonders modernen Image, sondern vermittelt gleichzeitig ein großes Gefühl der Sicherheit hinsichtlich der Beachtung der Corona-Regeln.

Das Top-5-Ranking der Reiseziele im Ausland ist unverändert. Italien ist nach wie vor die beliebteste Destination laut Befragung und kann sogar einen kleinen Zuwachs verzeichnen von 33 auf 36 Prozent. Auch Kroatien, die Nummer 2, konnte sich von 28 auf 31 Prozent steigern, Platz 3 geht an Deutschland (20 Prozent). Bei den Buchungen ist derzeit hingegen Griechenland besonders gefragt.

Nach der Durststrecke der letzten zwei Jahre ist vor allem die Sehnsucht nach Kulinarik und Genuss am größten. 70 Prozent der Österreicher wollen das gastronomische Angebot im Urlaub endlich wieder in vollen Zügen genießen können. Für 60 Prozent stehen Entspannung und Nichtstun auf der Tagesordnung. Knapp jeder Zweite möchte heuer neue Destinationen entdecken (44 Prozent). 

Fernreise rückt in die Ferne

Was die Fernreise anbelangt, ist noch ein Abwarten zu spüren. „Jede und jeder Fünfte plant für 2022 eine Fernreise“, so Ruefa-Geschäftsführer Michele Fanton. Das ist in Anbetracht der Umstände zwar viel, aber eben auch noch viel weniger als vor der Krise mit damals 28 Prozent. Am beliebtesten sind die USA, sie machen den größten Anteil an den Fernreisen aus mit 23 Prozent und damit um 8 Prozent mehr als bei der letzten Befragung. Und dann folgen schon die Badedestinationen: Thailand, Malediven, Vereinigte Arabische Emirate und Dominikanische Republik. Aufholbedarf haben noch beliebte Ziele wie Australien, Indonesien oder Neuseeland. Fanton: „Das ist natürlich zur Gänze auf den Pandemiestatus zurückzuführen: auf hohe Infektionszahlen und weil die Grenzen schlichtweg geschlossen waren.“ Daher funktionieren Fernreisen für einen Badeurlaub deutlich besser als etwa Rundreisen. 

Ein Trend ist sicherlich die Kurzfristigkeit, wie aktuell Fernreisen gebucht werden, erklärt Fanton gegenüber dem traveller: „Dass acht bis zehn Tage vor Reiseantritt eine Reise auf die Malediven gebucht wird, ist keine Seltenheit. Und der Kunde bekommt auch das gewünschte Produkt, es gibt genügend Kontingent“, so Fanton. „Wir möchten den Österreicher:innen die Fernreise wieder näher bringen, das ist jetzt unsere Aufgabe.“ 

Reise-Experten sind gefragt wie lange nicht

Egal ob nah oder fern, last minute oder früh: Die Expertise der Ruefa-Reiseberater ist wieder sehr gefragt, man erkenne einen eindeutigen Trend nach oben. Jeder Vierte Kunde bucht 2022 im Reisebüro (27 Prozent), ein deutlicher Anstieg zu zuletzt. Und mehr als jeder Fünfte holt sich für die Detailplanung dort Unterstützung (23 Prozent), 11 Prozent wenden sich bereits für die Erstinformationen an Reiseexperten. „Das Reisebüro wird wieder die Anlaufstelle Nummer 1“, freut sich Michele Fanton. Zugleich wird auch die Möglichkeit der Beratung per Videocall immer öfter genützt. Die Ruefa-Spitze erwartet hier das wachsende Bedürfnis der Kunden, die Wahlmöglichkeit zu haben.

Unterstützung von den Profis wird neben der Suche nach dem perfekten Hotel mit der passenden Verpflegung (84 Prozent) vor allem im Dschungel der Stornomöglichkeiten gesucht (83 Prozent). Ebenfalls höchst gefragt sind Beratungen zu Ein- und Ausreise inkl. Quarantäne (79 Prozent), dem Infektionsgeschehen vor Ort (71 Prozent), Covid19-Versicherungen (70 Prozent) sowie der medizinischen Versorgung vor Ort (68 Prozent). Fanton: „Wir sehen hier ein ganz großes Bedürfnis nach Flexibilität und Sicherheit.“

Wunsch nach Nachhaltigkeit beim Reisen nimmt zu

„Nachhaltigkeit wird für die Österreicher:innen bei der Urlaubswahl zusehends wichtig“, freut sich Helga Freund. Heute ist dies für 55 Prozent ein Thema, das ist ein sattes Plus von 10 Prozentpunkten im Vergleich zu 2019. 83 Prozent würden bei ähnlichen Reisen das nachhaltigere Angebot bevorzugen. 57 Prozent sind auch bereit, (etwas) mehr dafür zu zahlen. „Ganz wichtig ist im Zusammenhang mit nachhaltigem Reisen, dass es hier keinesfalls um die sogenannte Flugscham geht oder dass es immer der Verzicht auf das Flugzeug sein muss. Nachhaltiges Reisen bedeutet viel mehr. Es beinhaltet den respektvollen Umgang mit Mensch und Umwelt, die Unterstützung der regionalen Wirtschaft und fairer Arbeitsbedingungen. Auch der Schutz der Natur und umweltfreundliche Hotels tragen zu einem nachhaltigen Urlaub bei“, betont Freund.

Konkret wünschen sich die Österreicher mehr nachhaltige Reiseangebote (75 Prozent) und ausgewiesene nachhaltige Reisen (55 Prozent). 53 Prozent wünschen sich ein Gütesiegel für nachhaltige Reisen und 45 Prozent die Berechnung des ökologischen Fußabdrucks ihrer Reise. „Das sind klare Zeichen, dass hier abermals unser Know-how gefragt ist. Das ist ein klarer Auftrag an uns, künftig die entsprechenden Produkte für unsere Kund:innen zu entwickeln und dann auch einfach buchbar zu machen“, fasst Fanton zusammen.

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