ÖHV-Präsident: "Wir brauchen Hilfen, di... Plus Artikel
 
ÖHV-Präsident

"Wir brauchen Hilfen, die helfen"

Schweighofer
Walter Veit mit Gattin Anita nach seiner ersten Pressekonferenz als ÖHV-Präsident. "Wir ergänzen uns, wir sind wie Yin und Yang", so die Gastgeber vom Hotel Enzian in Obertauern.
Walter Veit mit Gattin Anita nach seiner ersten Pressekonferenz als ÖHV-Präsident. "Wir ergänzen uns, wir sind wie Yin und Yang", so die Gastgeber vom Hotel Enzian in Obertauern.

Walter Veit, neugewählter Präsident der Hoteliervereinigung, wünscht sich eine größere Einbindung der Praktiker bei den Corona-Maßnahmen. Eine aktuelle Umfrage zeigt auf, dass aktuelle Hilfsmaßnahmen nur zäh fließen.

Nach dem Maximum von drei Funktionsperioden verabschiedete sich Michaela Reitterer bei der 54. Generalversammlung der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) in Wien als ÖHV-Präsidentin. Ihr Nachfolger ist Walter Veit (63), Inhaber des 4-*Superior Hotel & Zirbenspa Enzian sowie der Mankei Alm in Obertauern. „Ich möchte der ÖHV etwas zurückgeben“, sagt der gebürtige Wiener, der vor 35 Jahren als Quereinsteiger in der Branche begonnen hatte.

Schlechte Noten für die Politik 

Bereits am ersten Tag in neuer Funktion gab der Hotelier die Marschrichtung vor, oberste Priorität ist die Bewältigung der Wirtschaftskrise, „nichts ist dringender.“ Der Schaden im Tourismus ist riesig, die Politik zeige sich bemüht, „ohne Entschädigungen gäbe es die Hotellerie heute wohl nicht mehr. Doch vieles bleibt auf der Strecke, dauert extrem lang, ist praxisfremd und überkomplex“, so Veit. Das beginnt bei den Verordnungen und geht bis hin zur Abwicklung von Entschädigungen. So warten laut aktueller ÖHV-Umfrage 68 % der Hotels noch auf die Abwicklung ihrer Anträge bei der COFAG. Die Höhe der Ansprüche liegt durchschnittlich bei 400.000 Euro, die Wartezeit seit der Antragstellung beträgt 20 Wochen. „Kommt die Liquidität erst in den Unternehmen an, wenn der Antragsteller in Konkurs geht, ist es zu spät“, beklagt der ÖHV-Präsident. 

Was die Branche derzeit an Entschädigungen bekomme sei „zum Überleben zu wenig und zum Sterben zu viel. Wir brauchen Hilfen, die helfen“, fordert Veit. Entsprechend viel Luft nach oben gibt es bei der ÖHV-Branchenbefragung bei der Performance der Politik: Die Bundesregierung kommt nach dem Schulnotensystem auf einen Notenschnitt von 3,7. Die Landesregierungen liegen mit 3,6 nur eine Spur besser.

Von der Politik erwartet er sich grundsätzlich mehr Abstimmung mit der Wirtschaft. Dies würde den Aufwand verringern und schlechte Entscheidungen reduzieren. Veit nennt als Beispiel die Sperrstundenregelung: „Dass uns die Infektionszahlen nach Silvester um die Ohren fliegen, wenn wir die Gäste um 22 Uhr aus dem kontrollierten Umfeld bei professionellen Gastgebern hinauskomplimentieren, war von Anfang an klar. Da hätten viele Infektionen vermieden werden können.“ Die Regelung sei „völlig falsch“ und würde das Gegenteil bewirken.

Jännerloch bis in den März hinein

Die ÖHV-Branchenbefragung mit 672 Teilnehmer bringt ernüchternde Ergebnisse zur aktuellen Lage: Die Jänner-Auslastung ist von 72 % vor Corona auf 34 % gefallen. Viel zu niedrig, um wirtschaftlich zu arbeiten. Die Buchungen für die kommenden Monate – in Normaljahren Hochsaison – sehen aktuell nur eine Spur besser aus: 47 statt 81 % im Februar, 43 statt 73 % im März. Der Optimismus im Angesicht der steigenden Infektionszahlen ist enden wollend. Vor allem fehlen auch die Gäste aus dem Ausland – je weiter entfernt, desto weniger. Derzeit gibt es 26 % weniger Gäste aus dem wichtigsten Herkunftsmarkt Deutschland, 39 % weniger aus den anderen EU-Staaten, 54 % weniger aus Fernmärkten.

Das alles wirkt sich direkt auf die Betriebe aus. 4 % der Hotels sind coronabedingt schon geschlossen, weitere 11 % fassen die Schließung ins Auge. Viele werden erst gar nicht mehr aufsperren, ist der Branchenvertreter überzeugt.

Das Problem am Arbeitsmarkt

Dem nicht genug, hapert es durchwegs in fast allen Betrieben bei den Mitarbeitern. Neben der Krisenbekämpfung ist das das Hauptaugenmerk in Veits Präsidentschaft. Man wolle in der Lehre, den Tourismusschulen, bei den Unterkünften, der Arbeitszeit und bei den den Gehältern besser werden. Das alles gelinge nur gemeinsam mit Politik, Schulen und Gewerkschaft. „Aber das Branchenbashing muss aufhören“, meint der Salzburger Hotelier. Konkret will er merkliche Verbesserungen bei Praktika und das Ende des unbefristeten Feststellungsbescheids durchsetzen: „Die schwarzen Schafe müssen weg.“ In diesem Zusammenhang kritisierte er auch die Partyvideos aus Skigebieten mit deutlichen Worten, „so etwas darf nicht passieren“, ortete allerdings auch Behördenversagen. In Kitzbühel hat das Nachbarhotel der Polizei siebenmal gemeldet, dass gegenüber Partys stattfinden. Reagiert hat niemand.

Gemeinsam mit Vertretern anderer Sparten will Veit sich jedenfalls für eine merkliche Senkung der Lohnnebenkosten einsetzen: „Da erwarte ich und mit mir viele, viele Arbeitgeber von Regierung und Wirtschaftskammer mehr als Sonntagsreden. Wir brauchen handfeste Ergebnisse. Ein bisschen Bewegung bei den Nachkommastellen ist zu wenig.“ Und dass es bei 400.000 Arbeitslosen nicht möglich sei, mehr dazu zu bewegen dort einen Job anzunehmen, wo sie gut bezahlt und dringend gebraucht werden, sei ein Systemfehler. „Die Arbeitslosen sind nicht alles alleinerziehende Mütter, denen das nicht zumutbar wäre“, kritisiert der Branchensprecher. 

In diesem Winter konnten laut ÖHV-Branchenbefragung 15 % der offenen Stellen nicht besetzt werden, dazu kommen Corona- bzw. Quarantäne-bedingte Ausfälle in der Größenordnung von 7 %. 38 % der Hotels mussten ihr Angebot reduzieren. Veit: „Geschieht da nicht bald etwas, wird das irgendwann auch für den Finanzminister unschön, wenn nach den Nächtigungen und Preisen auch die Steuereinnahmen sinken.“ 

Mehr über die Forderungen der Branche, Ideen zur Krisenbewältigung und über den eigenen Betrieb erzählt Walter Veit in der kommenden Ausgabe von hotel & touristik essenz.

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