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Arbeitsmarkt

Die Lohnsteuer halbieren

ÖHV
ÖHV-Präsident Walter Veit macht Druck auf die Regierung, damit endlich Bewegung in den Arbeitsmarkt kommt.
ÖHV-Präsident Walter Veit macht Druck auf die Regierung, damit endlich Bewegung in den Arbeitsmarkt kommt.

Die Hoteliervereinigung (ÖHV) wünscht sich endlich konkrete Maßnahmen für den Arbeitsmarkt, etwa eine halbe Lohnsteuer für Vollzeitkräfte unter 30.

"Von new work über workation bis hin zur great resignation prägen immer neue Megatrends unseren Arbeitsalltag. Doch die echten Herausforderungen sind seit Jahren unverändert: viel zu hohe Steuern und offene Stellen in allen Branchen, die nicht und nicht besetzt werden können. Die Politik mag keine Antworten darauf, wir schon", legt ÖHV-Präsident Walter Veit eine Sammlung von Maßnahmenvorschlägen für eine echte Arbeitsmarkt-Reform vor.


Dringend nötig sei der Input aus der Praxis. Das zeige etwa die von der Regierung gefeierte Reduktion des FLAF-Beitrags um 0,2 Prozentpunkte: Die Arbeitgeber werden im kommenden Jahr nicht weniger, sondern mehr an den FLAF überweisen als heuer, die viel gepriesene Lohnnebenkostensenkung werde genauso verpuffen wie alle ihre Vorgänger, nur noch schneller, so Veit.

 "Für Fleißige muss mehr rausschauen"

Einer der entscheidenden Hebel für eine Arbeitsmarktreform müsse eine echte steuerliche Entlastung von Arbeit sein: "Am Ende des Monats muss für Fleißige mehr herausschauen", will Veit die Lohnsteuer für Vollzeitbeschäftigte unter 30 halbieren und für Überstunden komplett streichen. Parallel dazu fordert er die "erste echte Lohnnebenkostensenkung der Geschichte": eine Reduktion um 30 % für 30 Mitarbeiter:innen je Unternehmen. Das sei schon allein aus Gründen der Standort-Politik mehr als gerechtfertigt, verweist Veit auf einen aktuellen internationalen Vergleich der Steuer- und Abgabenlast auf Arbeit durch das WIFO, bei dem Österreich in jedem Bereich  schlecht abschneidet: "Arbeit in Österreich ist so teuer, das ist durch nichts zu rechtfertigen!"

Arbeiten soll angenehmer werden

Begleitet werden sollen diese zentralen steuerlichen Maßnahmen von weiteren Schritten, die Arbeiten in Österreich attraktiver machen sollen. Angefangen bei der Kinderbetreuung über 9 to 5 hinaus über eine Offensive für Mitarbeiter:innen-Unterkünfte samt Erhöhung von Umzugsbonus und Mobilitätsbeihilfe bis hin zu längeren Überstunden-Durchrechnungszeiträumen und der Möglichkeit, Ersatz-Ruhezeiten geblockt zu konsumieren oder der dringend benötigten Reform des Feststellungsbescheids, der Unternehmen das Ausbilden von Lehrlingen gestattet – ohne jede spätere Überprüfung, ob Mindeststandards eingehalten werden: "Mit nur einer kleinen Gesetzesänderung bekämen wir sämtliche schwarzen Schafe unter den Lehrlingsausbildern weg. Das kostet keinen Cent, warum die Regierung da nicht handelt, weiß keiner", so Veit.

Unterstützung durch Gewerkschaft wird nicht erwartet

Bewegung in die Sache zu bekommen wäre einfacher, wenn die Gewerkschaft die Forderungen ("Sie könnten praktisch alle 1:1 von der Arbeitnehmer:innen-Seite kommen", so Veit) unterstützt, hofft man bei der ÖHV. Man rechne aber mit dem "üblichen Reflex des Arbeitgeber-Bashing" oder "unrealistische Lohnforderungen mitten in der schwersten Wirtschaftskrise".

Ohne Zuwanderung geht es nicht

Gleichzeitig, so  der ÖHV-Präsident, müsse man realistisch sein: "Wir finden in vielen Bereichen quer durch alle Branchen für bestimmte Stellen keine Bewerber:innen. Öffnen wir den Zugang zu diesen Stellen nicht für Menschen aus Drittstaaten, geht Wertschöpfung im großen Stil verloren."

Den ÖHV-Politikbrief mit den Vorschlägen zur Reformierung des Arbeitsmarkts  gibt es hier zum Download.

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