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Frisch serviert

Lieber Felix Mitterer!

Bild: Andreas Kolarik
Ein Kommentar von HGV PRAXIS-Chefredakteur Axel Schimmel.
Ein Kommentar von HGV PRAXIS-Chefredakteur Axel Schimmel.

Der Starautor wird zum Enfant terrible seines Heimatlandes Tirol und droht mit Wegzug – ausgerechnet nach Oberösterreich. Ein Kommentar von Axel Schimmel.

Alleine für seine Piefke-Saga wird mir dieser Autor auf ewig in einer Einzelvitrine zur Anbetung verweilen. Das möchte ich gleich mal vorausschicken. Die Charaktere, die er schuf sind nicht nur in den verkörperten Filmrollen samt treffsicher gecasteter Schauspieler unsterblich geworden, der Schriftsteller porträtierte vielmehr Menschen, die noch nie so gut beschrieben wurden und heute noch im Tourismusweltmeisterwunderland Tirol alltäglich anzutreffen sind. Seien das die polternden Hoteliers, die hinterm Tresen mit Bürgermeister und TVB-Chef die windigsten Deals ausbaldowern, seien das die dazugehörigen Gattinnen, die entnervt und abgerackert gerne mal zum Budai Obstler greifen oder seien das die beschriebenen Sattmanns, die mit Herrschaftsgehabe in ein Bergdorf einfallen, von denen der Alte seinen mitgebrachten Schäferhund namens Asta genüsslich mit Nazi-Befehlen herumkommandiert. Alles vielfach gesehen, liebgewonnen und für ewig ins Herz geschlossen. Garniert mit der Tatsache der unausrottbaren Realität dessen, was eigentlich als Satire gedacht war.

Von streitbar bis querulant

Mitterer war immer schon ein streitbarer Mensch, um nicht zu sagen, wer als Schriftsteller ernstgenommen werden will, muss ein gewisses Maß an querulantem Verhalten an den Tag legen. Es gibt nun eine neue Dynamik in der Auseinandersetzung des Autors mit seinem Tirol. Er will – und das verkündete er lauthals, damit es auch wirklich jeder mitbekommt – keine Tourismusabgabe berappen. Interessant ist seine Argumentation: Er habe mit der Schaffung der Piefke-Saga so viel für sein Heimatbundesland getan, dass es mehr als geboten schiene, ihm die Fremdenverkehrsabgabe zu erlassen. Und weil wir heute allesamt Politiker haben, die, wie man so schön sagt, „keine Eier in der Hose haben“, wurde prompt vom LH abwärts über einen „Sonderweg Mitterer“ nachgedacht, dem berühmten Literatensohn das zuvor abgeknöpfte Geld über diverse Umwege wieder zuzuschieben. Sollen sie nur machen, die paar Kröten bin ich ihm mehr als vergönnt.

Piefke-Saga versus Tatort

Was mich viel mehr auf die Palme bringt, ist die Drohung Mitterers, von Tirol wegzuziehen und ausgerechnet in mein geliebtes Bundesland Oberösterreich übersiedeln zu wollen. Als gebürtiger Mühlviertler verwehre ich mich dagegen, unser gemütliches Land mit den noch viel „gmiadlicheren Leut“ in den Mittererschen Diskussions- und Streitlustsog zu ziehen. Denn eines man muss schon wissen. An dem klischeehaften Tirol-Bild, das Millionen Gäste, die meisten darunter aus Deutschland, haben, hat Mitterer kräftig mitgemalt. Und zwar als Drehbuchautor für diverse „Tatorte“, in denen er Kommissar Eisner alias Harald Krassnitzer die Berge rauf und runterjagte, um abstrusen Handlungssträngen hinterher zu hecheln. Er verzichtete zwar auf die Lederhose, aber ein gekreuzigter Eingeborener, mitten im Wald martialisch ans Holz genagelt, unter dem machte es Mitterer nicht. Alleine für diese Honorare müsste die doppelte Tourismusabgabe nachgefordert werden.

Satire oder Ernst

Einen Funken Hoffnung hab ich für meine Landsleute und mich noch, denn als der Autor seine Pläne des Umzugs kundtat, nannte er auch Niederösterreich als Alternative, was die Sache aber nicht besser macht. Wir schätzen unsere Nachbarn sehr, aber da ist mir dann das Hemd doch näher als der Rock.

Irgendwie erinnert mich das an den Liedermacher Georg Danzer selig, der in einer Art Größenwahn in einer Ö3-Sendung den Wunsch nach einem Bauernsacherl in der Steiermark äußerte und prompt einer anrief und ihm seinen heruntergekommenen Hof anpries. Lieber Felix Mitterer: Warum nicht die Steiermark, das südliche Burgenland oder Kärnten – ganz ein heißer Tipp. Natürlich ist die Tourismusabgabe in OÖ mickriger, weil viel weniger los ist. Aber es ist wie bei einem Aufzug im Wohnhaus. Der im Erdgeschoß Wohnende muss genauso mitzahlen, obwohl er nie damit fährt, wie der aus dem achten Stock, für den der Lift wohl lebensnotwendig ist.

Schiller zufolge soll die Satire den Abstand der schlechten Realität von einem wie immer gearteten Ideal zum Ausdruck bringen. Ich finde Felix Mitterer ist mit seiner jüngsten Aktion auf einem guten Weg dorthin.

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