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Hotels und Gastro

Guter Sommer, aber besorgniserregende Entwicklung

Gaby Artner
Teuerung und Personalmangel: Beides macht Sorgen, aber trübt den Optimismus in Gastronomie und Hotellerie nicht.
Teuerung und Personalmangel: Beides macht Sorgen, aber trübt den Optimismus in Gastronomie und Hotellerie nicht.

Die Hälfte der Sommerferien ist vorbei und die Branche zeigt sich zufrieden. Die immense Teuerung und die Personalsuche bereiten Kopfzerbrechen.

Die Stimmungslage und den österreichischen Gastronomen und Hoteliers ist optimistisch. So das Ergebnis einer Erhebung des Marketinstituts für die Fachverbände Hotellerie sowie Gastronomie der Wirtschaftskammer. Befragt wurden 587 Betriebe. 

72 % der Betriebe blicken mit Zuversicht auf die Sommersaison und sind sehr positiv bzw. positiv eingestellt. Unterschiede gibt es bei den Branchen (77 % Hotellerie, 68 % Gastronomie) und in der regionalen Verteilung (Ostösterreich 65 %, Süd- und Westösterreich 77 %). Mit dem bisherigen Verlauf sind 73 % der Hotels bzw. 69 % der Gastronomiebetriebe sehr zufrieden bzw. zufrieden. Auch hier zeigen sich deutliche Unterschiede in den Regionen: Ostösterreich 65 %, Südösterreich 81 % und Westösterreich 73 %. Ein Viertel registriert im Vergleich zum Vorjahr eine Verbesserung der Umsatzentwicklung, für ein Drittel läuft es schlechter, vor allem in der Gastronomie (48 %). Fachgruppenobmann Mario Pulker erklärt, dass vor allem in ländlichen, wenig touristischen Regionen starke Umsatzrückgänge zu verzeichnen sind. „Das klassische Dorfwirtshaus leidet massiv, die immense Steigerung bei den Energiekosten treffen alle hart“, so Pulker, selbst Gastgeber im Hotel Residenz Wachau in Aggsbach-Dorf.  

Dennoch: 54 % der Gastro- und Hotelbetriebe sind optimistisch gestimmt für die Zukunft des Betriebs. 41 % haben in der Corona-Zeit in den Betrieb investiert. Und obwohl jeweils 39 % der Befragten die Zukunft schwieriger einschätzen als Vor-Corona und Auslastung und Umsatz noch nicht auf dem gewünschten Niveau sind, droht vorerst keine große Schließungswelle. „Nur“ 17 % möchten ihren Betrieb früher als geplant auf- oder übergeben.

Spannung vor Herbst und Winter

Vorsichtig ist die Einschätzung der Hotellerie bei Blick auf die Herbst- und Wintersaison. 41 % glauben, dass die Buchungslage im Herbst schlechter sein wird, als in der Saison vor Corona, immerhin fast ebenso viel (36 %) erwarten eine ähnliche Saison. Im Winter sind es 32 % die von einer schlechteren, 37 % die von einer ebenso guten Saison ausgehen. Die Zimmerpreise werden unumgänglich steigen, schon bisher sind sie das im Branchenschnitt um bis zu 15 Prozent. Die Preiskalkulation für den Winter ist aufgrund der unsicheren Lage am Energiemarkt schwierig. 

Teuerung zeigt Auswirkungen

Im Gästeverhalten sind die Auswirkungen der aktuellen Situation rund um Corona und die Teuerungen deutlich spürbar. Die Gäste buchen weiterhin sehr kurzfristig ihr Hotelzimmer und werden vor allem in der Gastro immer preissensibler. 

Die steigenden Energie- und Warenpreise sorgen somit auch für steigende Preise in der Branche. 60 % der Gastronomie- und 53 % der Hotelbetriebe haben die Preise für die Gäste bereits erhöht. 26 %  mussten Gerichte von der Karte nehmen bzw. anpassen, weil einzelne Lebensmittel entweder nicht erhältlich oder zu teuer waren. Rationierte Abgabe von Speiseöl oder Mehl, eine Verdoppelung bei den Preisen für Edelteile von Rind und Schwein – ohne Anpassung geht es sich nicht mehr aus. 83 % der Gastrobetriebe (56 % Hotellerie) ist von den steigenden Lebensmittelkosten deutlich betroffen. 

78 % der Branche blickt mit Sorge auf die steigenden Energiekosten. „Noch ist kein Ende der Preisspirale abzusehen“, so Fachgruppenobmann Hotellerie Johann Spreitzhofer. Der Hotelier vom Landhotel Spreitzhofer in St. Kathrein am Offenegg investierte vor rund 30 Jahren in eine Photovoltaik-Anlage und wurde damals belächelt. „Heute wirst du schief angeschaut, wenn du nichts macht.“ Spreitzhofer weiß vom eigenen Betrieb, dass sich zum Beispiel die Stromkosten zumindest verdoppelten. Energieberatung, die Anschaffung energiesparender Geräte oder den baulichen Standard zu verbessern seien das Gebot der Stunde und werden von den Branchenkollegen großteils so geplant, wenn nicht schon so geschehen. "Bei der Strompreisdeckelung verlangen wir, dass das auch für uns als Betriebe gewährleistet wird und nicht nur für Haushalte", so der Branchenvertreter zur Politik.

Immer mehr Sperrtage

Ein Drittel der Betriebe ist derzeit auf der Suche nach neuen Arbeitskräften – 44 % in der Gastro, 23 % in der Hotellerie. Etwas überraschend: In Ostösterreich (40 %) wird noch mehr gesucht als im Süden und Westen (je 29 %). Der Brennpunkt schlechthin ist die Küche, in der Gastro sind 75 % auf der Suche nach Personal (38 % Hotellerie). In der Hotellerie wird hingegen vermehrt Reinigungspersonal gesucht (57 %). Gleichzeitig ist der Anteil an Stamm-Mitarbeiter:innen sehr hoch mit 57 %. Aufgrund des Mitarbeiter:innenmangels führen 43 % der Gastrobetriebe und 25 % der Hotellerie zusätzliche Sperrtage ein.

Insgesamt rund 30.000 Arbeitskräfte fehlen der Branche, schätzt Pulker. Das sind deutlich mehr als vom AMS angegeben, weil nicht alle benötigten Stellen von den Betrieben gemeldet werden. Immerhin sei bereits das Beschäftigungsniveau von 2019 überschritten. Mit Blick auf die Arbeitsmarktzahlen ist das Potenzial nur mehr gering. „Der Arbeitsmarkt ist ausgelutscht“, formuliert es Spreitzhofer. Immer noch fehlen viele Arbeitskräfte aus dem Ausland, die mit der Pandemie verloren gegangen sind. Zudem gibt es europaweit dieselben Probleme in der Branche. 

Um die Situation zu verbessern, gibt es einen Forderungskatalog an die Regierung. Darunter der Ausbau der Kinderbetreuung, eine Erleichterung bei der Einstellung von Hilfskräften, keine Abschiebung mehr von Lehrlingen aus Drittstaaten, vermehrt überregionale Vermittlung und eine „echte“ Arbeitsmarktreform. Mario Pulker argumentiert mit einem degressiven Arbeitslosengeld und der Abschaffung der Zuverdienstmöglichkeiten in der Arbeitslosigkeit: „Jeder der fit ist und kann, soll arbeiten gehen. Keiner soll lieber daheimsitzen, statt zu arbeiten.“

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