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Eine Branche schäumt

Gastronomen kritisieren steigende Bierpreise

APA/THEMENBILD

Zuletzt hat in Deutschland die Aussage eines dortigen Brauereiverbandsvertreters für Aufregung unter Biertrinkern gesorgt, wonach ein großes Bier in der Gastronomie wohl bald 7,50 Euro kosten müsse. Ganz so weit ist es in Österreich zwar (noch) nicht, aber auch hier sind nach kürzlichen auch weitere Bierpreissteigerungen seitens der Brauereien im Laufe des Jahres nicht auszuschließen. Gastro-Spartenchef Mario Pulker ist indes gar nicht gut auf die Hersteller zu sprechen.

Die Brau Union Österreich erhöhte die Bierpreise für Wirte zuletzt um durchschnittlich 9,5 Prozent. Zum größten Brauereiunternehmen des Landes gehören Marken wie Gösser, Zipfer, Kaiser, Puntigamer, Schwechater, Wieselburger, Schladminger und Villacher. Bei der Wiener Ottakringer Brauerei prüft man gerade die Preise, eine Erhöhung im Jahresverlauf wird nicht ausgeschlossen. Die Privatbrauerei Hirt ("Hirter") erhöht die Preise um 8 Prozent.

"Aus meiner Sicht ist klar, dass es Kostensteigerungen in der Beschaffung und in der Produktion gibt", sagte Florian Berger, Geschäftsführer des Verbands der Brauereien Österreichs. Offen sei, inwieweit diese Kostensteigerungen weitergegeben werden. "Das liegt an den Verhandlungen. Steigerungen der Abgabepreise sind nicht auszuschließen." Durch die Entwicklungen der vergangenen Jahre sei es nicht mehr möglich, Preise für eine längere Phase wie ein Jahr abzumachen. Wegen unterjähriger Kostensteigerungen müsse auch öfter verhandelt werden. "Planungssicherheit gibt es aktuell nicht."

Mario Pulker, Gastronomie-Spartenobmann in der Wirtschaftskammer (WKÖ), übte gegenüber der Austria Presseagentur harte Kritik an den Herstellern. "Die Brauereien müssen sich die Frage gefallen lassen, warum ein halber Liter Bier im Einzelhandel oft unter einen Euro kostet, aber um etwa 2 bis 2,50 Euro an die Gastronomie geliefert wird." Das sind 200 bis 250 Euro für ein 50-Liter-Fass. "Die Frage ist, inwieweit sich die Brauereien auch ihr eigenes Geschäft ruinieren - oder sie wollen nur mehr den Handel beliefern." Freilich gebe es eine "Marktmacht des Handels", aber das könne nicht alleiniger Grund für solche Unterschiede sein.

Pulker selbst verkauft ein 0,5-l-Bier in seinem touristisch geprägten Hotel an der Donau in Niederösterreich um 5,50 Euro. Bei ihm fiele es nicht ins Gewicht, wenn er kalkulationsbedingt 6 Euro verlangen müsse. Bei gewissen Betriebstypen sei eine Bierpreissteigerung hingegen "ein großes Problem". Freilich müssten die Gastronomen vom Basispreis ausgehend so kalkulieren, dass es sich preislich für sie im Verkauf ausgehe.

Brauereien-Vertreter Berger erklärte, dass die Distribution gegenüber dem Lebensmitteleinzelhändler vergleichsweise kürzer sei als in die Gastronomie und Hotellerie. Die großen Ketten mit hohem Organisationsgrad würden die Ware in Flaschen oder Dosen über Haupt- und Regionallager verteilen. Bei der Lieferung an die Gastronomie hingegen seien mehr Akteure involviert, was die Kosten steigere. Zudem stünden die Handelsketten - der Lebensmittelhandel gilt in Österreich als extrem konzentriert - in einem harten Wettbewerb und vor allem sei Bier eines der am stärksten aktionierten Produkte in Österreich, "wenn nicht das am stärksten aktionierte", so Berger. "Der Promotionsanteil liegt bei 60 bis 70 Prozent." Zuletzt habe es "wohl wegen der Coronakrise und den Lockdowns mit geschlossenen Gaststätten" eine Steigerung der Aktionen gegeben.

Auf der Produktionsseite haben freilich auch die Brauereien ihre Mengen- und Umsatzziele, sagte Berger. "Volumensmäßig ist der Lebensmittelhandel der wichtigste Vertriebspartner. Da macht es die Menge, so einigen sich Handel und Industrie immer wieder auf Aktivitäten - und viele sind Promotionsaktivitäten."
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