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Der Blaue Portugieser ist besonders schützenswert

Österreich / Retz

Slow Food International hat die autochthone österreichische Rebsorte von Retzer Land und Pulkautal als bedroht und schützenswert in die Arche des Geschmacks aufgenommen.

Lange Zeit stand der Blaue Portugieser bei den Heurigen und in der Gastronomie für den typischen, österreichischen Rotwein, oft schlicht „Retzer Rotwein“ genannt. Kaum erstaunlich daher, dass auch am 15. Mai 1955 beim Festbankett im Zeremoniensaal von Schloss Schönbrunn „Retzer Rotwein“ kredenzt wurde – der Blaue Portugieser als Staatsvertragswein. Vor vierzig Jahren war er noch die meistangebaute Rotweinsorte Österreichs, heute fristet der Blaue Portugieser heute ein Nischendasein. Die Anbauflächen schwinden rapide. Alleine zwischen 2015 und 2020 sind von den wenigen verbliebenen Flächen weitere 60 Prozent weggefallen. Waren es 1999 von 2.358 Hektar Anbaufläche, veblieben davon 2020 nur noch 522 Hektar.

Slow Food International hat die Gefahr erkannt und deshalb den Blauen Portugieser in seine Arche des Geschmacks, den weltweiten Katalog der schützenswerten Lebensmittel, aufgenommen. „Stirbt der Blaue Portugieser im Retzer Land und im Pulkautal aus, dann stirbt ein Stück österreichische Identität“, sagt Michael Vesely von Slow Food Village Retz, Initiator der Aufnahme in die Arche des Geschmacks. „Diese Traube hat eine Renaissance verdient“, ist auch Richard Klinger, Präsident des „Blauen Portugieser Club Reserve“, überzeugt. Der Wahl-Retzer setzt sich schon seit vielen Jahren für das Comeback der Weinsorte in diesem Teil des Weinviertels ein. „Es freut uns, dass wir mithelfen konnten, die Aufnahme in die Arche des Geschmacks vorzubereiten.“

Die Diva im Weingarten

„Für uns WinzerInnen stellt diese Rebsorte eine große Herausforderung dar, denn im Weingarten ist sie eine Diva. Deshalb ersetzen sie viele Weinbauern durch pflegeleichtere Sorten”, sagt Winzerin Anna Schöfmann. „Das ist bedauerlich, denn der Blaue Portugieser ist die Antwort auf mehrere aktuelle Trends.“ Und diese gehen in der Welt der Rotweine weg von hohem Alkoholgehalt, dominanten Gerbstoffen und „Marmelade“-Aromen hin zu leichteren, tanninarmen Weinen mit Fokus auf Spaß und Entspannung, von denen man gerne mehr als ein Glas trinkt.

Nicht zuletzt legen Weintrinker auch immer mehr Wert auf das Besondere, das Regionale. Statt weltweiter Gleichschaltung und „internationaler Stilistik“ sind jetzt typische, authochtone Rebsorten gefragt. Der Blaue Portugieser der niederösterreichischen Regionen Retzer Land und Pulkautal beanwortet genau diese Nachfrage. Wenn er nicht ausstirbt.

Die Arche des Geschmacks ist der weltweite Katalog an Lebensmitteln, die es wert sind, vor dem Aussterben bewahrt zu werden, weil sie neben ihrem einzigartigen Geschmack auch wesentlich für eine Region bzw. Kultur sind. Mit der Aufnahme eines Lebensmittels in die Arche erhöht Slow Food dessen weltweite Sichtbarkeit und stärkt die regionalen Aktivitäten zur Erhaltung.

Slow Food Village Retz

Retz ist das erste Slow Food Village Niederösterreichs. Die mehr als 50 Mitglieder setzen sich für eine verantwortungsvolle und genussvolle Ernährungs- und Esskultur ein. Dazu gehören Aktivitäten in Kindergärten und Schulen genau so dazu, wie kulinarische Exkursionen und Verkostungen.

www.slowfoodretz.at

(Red)

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