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Willys Wochenrückblick

Wintersport-Alternativen

Sabine Klimpt

Noch gibt es sie, die gewohnt winterlich tief verschneiten Wintersportorte, sie werden jedoch seltener und - wie man so schön sagt - immer aperer. Sprich: Es schneit weniger oft, und wenn, dann weitaus unergiebiger. Da auch die Temperaturen viel zu hoch und keinesfalls winterlich sind, kann man auch keine Schneekanonen einsetzen und muss - wie in einigenden Gegenden unseres Landes bereits geschehen - als Wintersportgebiet zusperren.

Doch anstatt die Flinte ins Korn zu werfen, sollte man dieses und ähnliche Sprichworte wörtlich nehmen und einfach in die Tat umsetzen. Flintenwerfen ins Korn könnte sich da durchaus als Freizeitsport etablieren, genauso wie die Segel streichen oder Handtücher in den Ring werfen. Mit ein bisserl Fantasie kann man also angereiste und erwartungsfreudige Wintergäste auch ohne Schnee beschäftigen und perfekt unterhalten. Statt Skier, Snowboards oder Rodeln kann man sich Flinten aller Art leihen und mithilfe spezieller Kurse, die es selbstverständlich auch für Kinder gibt, diese gezielt und mit der richtigen Technik ins Korn zu werfen. Wobei es sich geziemt, bereits im Frühjahr auserwählte Felder mit Korn anzulegen. Das kann jetzt dieser billige, mexikanische Weichweizen sein für die normalen Touristen oder hochwertiger, gentechnikfreier Mais für die Nobelklientel.

Auch könnte man ehemalige Skipisten mit Segeltuch auslegen und diese in allen nur möglichen Farben von den Gästen streichen lassen. Je nach Talent könnte man diese in Klecksergruppen, Landstreicher oder Graffitisten einteilen und werken lassen. Etwaige arbeitslose Kindergärtnerinnen, Handwerker und Künstler könnten hier sehr sinnvoll als Instruktoren beschäftigt werden, was sich sicher auch positiv auf das Geschäft auswirkt.
Beim Handtuchwerfen in den Ring gilt es, die mitgenommenen Handtücher aus den Zimmern in einen sich permanent verengenden und erweiternden Ring aus Wäscheleinen zu treffen oder eben nicht. Trifft man, werden diese gewaschen, trifft man nicht, muss man diese ungewaschen noch einmal verwenden, unter Umständen bis ans Urlaubsende. Damit verbunden ist auch die kulinarische Ausbeute, jedoch reziprok. Soll heißen, dass die Ungeschickten, also die, die nicht treffen, XXXLarge-Portionen verdrücken müssen und die Geschickten, also die, die treffen, nur Miniportionen serviert bekommen. Allerdings, um die Kameradschaft zu fördern, dürfen die halb Verhungerten den kulinarisch Überforderten jederzeit beim Verputzen helfen. Was sicherlich auch wesentlich effizienter zur besseren Völkerverständigung beiträgt, als diese leidigen Kollisionen auf herkömmlichen Schipisten.

Sie sehen, Ideen für winterlichen Fun ohne Schnee gibt es zur Genüge, man muss sie nur umsetzen und darf sich dem Klimawandel durchaus anpassen. Ein Blick in die Zukunft könnte den heimischen Tourismus auch dahingehend verändern, dass alsbald die zwecks Errichtung von Skipisten in den Wald geschlägerte Schneisen als Sonnenhänge für Liegewiesen genutzt werden können. Mit Steilhangpritschen, Buckelpistensonneninseln und knöcheltiefen Erfrischungslacken. Und Funfaktgarantie.

redaktion@hotelundtouristik.at

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