Willys Gastro-Wochenrückblick : Weihnach... Plus Artikel
 
Willys Gastro-Wochenrückblick

Weihnachtliches Grippenspiel

Sabine Klimpt

Althergebrachte Bräuche können mitunter in ziemlich seltsame Richtungen ausbrechen. Vor allem jene, die urplötzlich und aus mehr oder weniger heiterem Himmel von aktuellen Ereignissen begleitet werden.

 Nehmen wir einmal an, ein Krankenhaus möchte seinen Patienten und auch dem Personal etwas Gutes tun und veranstaltet unten im Ambulanzfoyer kurz vor Weihnachten – nona – ein Krippenspiel. Die Hauptrollen waren durch die Bank vorwiegend ans Personal und einige halbwegs fitte Patienten vergeben, die notwendigen Utensilien – Krippe, Stroh, Zäune, kleine Bäumchen und bunte bis blasse Gewänder – herangekarrt. Vielen Dank an dieser Stelle an die an diesem Tag Dienst habende Sanitäterschar fürs Transportieren.

Knapp vorm Startschuss des Krippenspiels, symbolisiert durch ein kräftiges „Iiiaaah!“ des Esels, knallte ein kräftiger Nieser durchs Foyer, gefolgt von noch einem und noch einem. Pflichtbewusst und routiniert packte man die Stäbchen aus und rief zum PCR-Test, teilte FFP2-Masken aus, holte Sauerstoffflaschen und verschob das Krippenspiel bis man die ausgewerteten Tests in Händen hielt.


Kurze Zeit später war klar, das Krippenspiel mutierte zum Grippenspiel. Nicht das Covidl war das Problem, sondern die Influenza. Dem Kindlein in der Krippe zog man blitzschnell Thermowäsche an, Maria saß mit einer Tasse Zitronentee zwischen beiden Kuhdarstellern, die aufgrund des breiten Mauls das Gerinne mit Küchenkrepp bekämpften. Josef wiederum hustete und nieste dem Erzengel die Flügerl weg und der Stern von Betlehem machte blitzschnell wieder kehrt. Langsam und völlig verunsichert betraten in diesem Moment die Heiligen Drei Könige das Geschehen und klammerten sich an ihre Mitbrinsel Weihrauchtazerl, Goldketterl und Möhren, also bereits gekochte Karotten, die ja für ein frischgeborenes Kindlein besonders gesund sein sollen.

Alsbald kugelten auch sie hustend, fiebernd und hemmungslos vor sich hin rotzend im Stroh herum und vertrieben somit all die Kakerlaken, die ansonsten ein feines Fest für sich gefeiert hätten.

Und am Randes des Foyers stand eine kleine handvoll Spitals-Influencer und filmten das grippide Influenza-Desaster mit. Mit Wonne luden sie alles auf Youtube, Instagram und TikTok, ehe sie selbst zusammenbrachen und Teil dieser seltsamen Szenerie wurden.

Ich liebe diese Aufwachcocktails nach einer Operation.

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