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Willys Gastro-Wochenrückblick

Flader mir Pudding

Sabine Klimpt

Speisen, die wie Politiker klingen - und welchen Nutzen die Gastro daraus ziehen kann.

Als ich Kind war, gab es des Öfteren feinen Flana Pudding, verschrieben von Dr. Oetker und serviert aus dem gestürzten, typischen bunten Puddingformerl aus ziemlich hartem Plastik. Unkaputtbar, außer Papa ist irrtümlich draufgestiegen. Was mit den heutigen Silikonformen sicher nicht mehr passieren kann. Aber das nur nebenbei. 


 Die seinerzeitige Geschmacksvielfalt beschränkte sich zwar auf Schoko und Vanille, und so richtig bunt wurde es erst, als uns besagter Dr. Oetker die Paradiescreme verschrieb. Aber auch das nur nebenbei. Das eigentlich Interessante am Pudding und einigen weiteren Lebensmitteln ist ihre phonetische Ähnlichkeit mit Politikern, was unter Umständen mit derer ebenfalls ziemlich künstlichen Struktur - innen wie außen - zu tun hat. Weil wir alle schon verlernt haben, wie gesunde, natürliche und vor allem menschenfreundliche Speisen und Politiker funktionieren. Und dabei so einfach zu produzieren sind. Denn während bei den Politikern der gesunde Menschenverstand samt Respekt vor anderen Meinungen zählen, punktet das gesunde Lebensmittel entweder durch gediegene Generik oder durch einfache Rezeptur. 

 Bleiben wir doch gleich beim Pudding. Für vier Portionen brauchst vier Eidotter, die du mit 50 Gramm Zucker, zwei Esslöffel Mehl, dem Inneren von zwei Vanilleschoten oder - wenn es ein Schokopudding werden soll - zwei Esslöffel Kakaopulver und 400 Milliliter Milch verrührst und einmal kurz aufkochen lässt. Drei bis vier Minuten leicht köcheln lassen, in beliebige Formen füllen und auskühlen lassen. Das geht schneller als das Fertigpuddingpackerl aufreißen, den Beutel entleeren und in die Milch klumpenfrei einrühren. 

 Die Alternative in inflationären Zeiten wie diesen: Beim Nachbarn vorbeischauen und einiges an Pudding mitgehen lassen, daher auch der Titel dieser Kolumne. Als Gegenleistung könnte man ja dem Putin Emmanuel Macron zur Seite stellen und manuell erzeugte Makkaroni anbieten, oder ein Scholzbrot mit Zwiebel, jede Menge Draghikekse oder etwas von Biden. Die Gastronomie könnte Politwochen veranstalten und länderspezifische Menüs mit Österreich-Touch kreieren. Einen türkischen Tafelspitz zum Beispiel mit Rösterdogan und Apfelmoussaka oder ungarische Victorburger mit Demokratie-Faschiertem als Pattys und Or-Buns. Vorneweg eine Free-Taten-Suppe und dazu ein Baerbockbier. Und was immer geht, sind Brüsseler Spitzen mit Ziguri, Paradeisern, Knofi, Zwifü, Wiener Zucker und an Grünen Wödlina. Kreiert van den besten Leyenköchen des Kontinents. Mit und ohne Hauberl.

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