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Willys Gastro-Wochenrückblick

Die Zigarre danach

Markus Wache
Willy Zwerger: "'Jeder, der sich noch genüsslich daran erinnern kann, wird bestätigen, dass der zeitlose Brennvorgang, gepaart mit den individuellen Raucharomen eine ganz eigene Art von Vergnügen und Freude bereitete."
Willy Zwerger: "'Jeder, der sich noch genüsslich daran erinnern kann, wird bestätigen, dass der zeitlose Brennvorgang, gepaart mit den individuellen Raucharomen eine ganz eigene Art von Vergnügen und Freude bereitete."

Cohiba oder Montecristo, Romeo Y Julietas oder Partagas, Dannemann oder Dunhill - auch die Zeiten der Zigarren in der Gastronomie sind vorbei.

Seien wir uns doch ehrlich, aber die viel zitierte Zigarette danach, mit der ich persönlich im Übrigen nie wirklich etwas anfangen konnte, war jahrzehntelang definitiv völlig überbewertet. Vor allem im Bett. Denn die Gefahr, dass er einschläft, war stets gegeben und daher höchste Brandgefahr. Bei ihr gings jedenfalls nur um eine olfaktorisch extrem anzuzweifelnde Vernebelungsaktion. Auf dass sie ihren mittlerweile schlummernden Partner doch nicht ganz so scharf erblicke wie davor. 


Dazu kam, dass das ach so liebevoll herbeigesehnte Zigaretterl auch überhaupt nichts brachte. Ein saftiges Gulasch mit einem frischen Kaisersemmerl danach hätte da wesentlich mehr Sinn gehabt, oder ein gepflegtes Fischsupperl. Beides schmeckt nicht nur gut, sondern hätte auch jede Menge Energie zurückgebracht.

 Zwischendurch haben sich jedoch die Zeiten gewaltig verändert, das Zigaretterl danach ist sowieso schon lange nicht mehr salonfähig und längst der Zigarre danach gewichen. Nein, keine Angst, nicht im Bett, sondern im Kaffeehaus oder Restaurant. Ich weiß schon, auch diese Zeiten sind in hysterisch hygienischen Zeiten wie den aktuellen vorbei, aber jene Jahre, in denen der Oberkellner nach dem Dinner mit seinem reich bestückten Humidor anrückte, waren sehr wohl sehr erbauend. Da lagen sie also, die Cohibas neben den Montecristos, die Romeo Y Julietas neben den Partagas, die Dannemanns neben den Dunhills und noch viele mehr. Jeder, der sich noch genüsslich daran erinnern kann, wird bestätigen, dass der zeitlose Brennvorgang, gepaart mit den individuellen Raucharomen eine ganz eigene Art von Vergnügen und Freude bereitete.

 Wunderbar auch die sich damals fast inflationär entwickelnden Zigarrenklubs und Rauchsalons, wo Affineure unter sich bei dem einen oder anderen Glas Bourbon oder Armagnac Gott und die Welt verbesserten. All das ist leider gesetzeskonform verschwunden, heute sitzen wir in unseren Kaffeehäusern und Haubenlokalen und warten als krönenden Abschluss einer feudalen Nachmittagsjause oder eines Fünf-Gänge-Menüs nur mehr auf die Rechnung. Vielleicht gibt's noch ein Milka Naps zum Kaffee oder einen schnellen Metaxa. Das war's dann.

Na ja, und wenn ein heutiger Jüngling, wie von seinem Vater gelernt, seine Angebetete nach dem berühmten Zigaretterl danach frägt, erntet er maximal ein kategorisches „Sicher nicht!“. Wobei die Gegenfrage "Wos is des?" sogar noch wahrscheinlicher ist.

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