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Willys Gastro-Wochenrückblick

Die Renaissance des Vorkosters

Sabine Klimpt

Die Idee hat was, ist aber nicht neu. Denn bereits im alten Rom wurden mehrere Sklaven zu sogenannten Vorkostern ausgebildet. Um sicher zu sein, dass weder die Getränke noch die Speisen, die man den Machthabern zu kredenzen gedachte, nicht vergiftet sind, mussten diese eben vorher verkostet werden. Stellten sich nach einer gewissen Zeit weder Symptome einer Vergiftung ein und lag der Vorkoster auch nicht mit unnatürlichen Zuckungen am Boden, wurden die Getränke und Speisen vom Chefvorkoster quasi freigegeben und die Herrschaft konnte unbedenklich zuschlagen.

Übrigens: Da im Vatikan ebenfalls sehr oft Giftmorde über die frisch zubereiteten Speisen für den Papst und sein Gefolge erfolgten, wurden bis in die 50er Jahre die Tradition des Vorkostens beibehalten. Warum danach nicht mehr, das entzieht sich meinen Recherchen. Könnte aber auch gut sein, dass man die üblichen Gifte einfach verbannte. Und jetzt zu unseren Gastronomen im Hier und Jetzt. Da viele Wirte zumeist aus Kostengründen immer öfter auf billige, ungelernte Kräfte für die Küche oder fürs Service zurückgreifen müssen, passiert es des Öfteren, dass überaus fade Suppen, versalzene Salate, halbrohe Hendln oder nicht fertig gebackene Mehlspeisen dem Gast serviert werden.

Da täte jetzt so ein Vorkoster schon sehr gut, wobei das ruhig auch der Wirt selber sein kann. Er muss nur ein profundes Geschmackspotenzial besitzen und blitzschnell feststellen können, da fehlt Rosmarin, dort ein Schuss Essig, da fehlt Pfeffer und dort wiederum hat es der Koch, oder wie immer man den Typen in der Küche nennt, mit dem scharfen Paprika etwas zu gut gemeint. Vor allem bei der Malakofftorte.

So oder so ähnlich könnte die moderne Aufgabe des Vorkosters sein, ich bin sicher der Gast wird ihm sehr dankbar sein. Es sei denn, des Vorkosters Geschmack divergiert mit dem des Gastes. Dann müsste man halt einen zweiten Vorkoster, eventuell vom nächstgelegenen Wirtshaus, mit der geschmacklichen Causa beschäftigen. Und hoffen, dass er kein gemeines Kerlchen ist und man die Gäste fürderhin bei der Konkurrenz speisen sieht.

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