Willys Gastro-Wochenrückblick: Der Winne... Plus Artikel
 
Willys Gastro-Wochenrückblick

Der Winnetou-Coup

Markus Wache

Haben Sie die völlig unnötige Diskussion um Winnetou & Co verfolgt? Es gibt eine mögliche Antwort darauf seitens der Gastronomie.

Weil uns ja derzeit einige politisch überkorrekte Hysteriker den guten, alten Winnetou madig machen wollen, gilt es die Silberbüchse aufzumagazinieren, Iltschi die Decke überzuwerfen und eine vehemente Gegenattacke zu lancieren. Gemeinsam mit Old Schmetterhand, Hatatitla und dem Heidelbeeren-Töter soll der Häuptling der Mescalero-Apachen jetzt erst recht die Beisln dieser Welt erobern und mit eigenen Indianer-Kreationen auf den Spuren Karl Mays in ungeahnte gastrosophische Sphären aufsteigen.


Man muss sich das in etwa so vorstellen: Martin Böttchers geniale Filmmelodie läuft in Dauerschleife, Winnetous Vater Intschu-Tschuna gibt den Küchenchef, Schwester Nscho-Tschi und Sam Hawkens servieren, jede Tischgruppe, überzogen mit Büffelleder, ist in kleine Wigwams unterteilt, die Wände ziert ein bunter Mix aus Warbonnets, dem typischen Federkopfschmuck der indianischen Häuptlinge, Büffelkopftrophäen und Skalps der seinerzeit zuhauf erlegten weißen Eroberer.

Sehr g‘schmackig liest sich auch die - ebenfalls in stylischem Büffelleder gehaltene - Speisekarte. Wobei die Getränkekarte nur eine Art Lesezeichen darstellt. Denn man kann ausschließlich zwischen Wasser, Feuerwasser und Karl May-Wipferlbowle wählen. Dafür ist jedoch das Speisenangebot umso reichhaltiger. Denn es kommt richtig Freude auf, wenn einem da ein Santer-Supperl mit blauen Bohnen als Einlage, ein Vorspeisenmix á la Tuff-Tuff mit Old Shurehand-Jourgebäck, ein Winnetou-Brathenderl mit roter Haut, ein Lachs Barker, ein Pierre Bries oder ein Sparerib Anna entgegenlächelt, um nur einige zu nennen.

Wobei, dessertmäßig hat die kulinarische Schatzkarte auch einiges zu bieten. Ein Marie Rosini-Küchlein zum Beispiel mit jeweils einer wunderbar süßen Cocktailkirsche obendrauf. Oder, frei nach dem Regisseur der Winnetou-Filme, einen herrlichen Harald Reindling mit gaaaaanz vielen Zibeben. Selbstverständlich hat das moderne Winnetou-Sortiment auch Takeaways zu bieten. Frische Jicarillas im Federstanitzel, Bison-Schlecker am Marterpfahlstiel und becherweise Mokkasins mit Kaktusfeigenmilch.

Ich weiß schon, vielen käme es sehr zupass, wenn wir jetzt diese wunderbaren Kindheits-Erinnerungen auch noch aus unserem Alltag streichen müssten. Schmieren wir uns also bunte Kriegsbemalungen ins Gesicht, setzen wir uns den Federschmuck auf und stürmen wir allesamt unsere Stammsaloons. Auf dass die heimische Gastro endlich wieder einen richtigen Coup landet, einen Winnetou-Coup. Howgh, ich habe gesprochen!

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