Willys Gastro-Wochenrückblick: Candlelig... Plus Artikel
 
Willys Gastro-Wochenrückblick

Candlelight-Brettljausn

Markus Wache

Beim Energiesparen muss man kreativ werden, auch als Gastronom. Die kalte Küche und  romantische Angebote zur Umsatzsteigerung sind gefragt.

Um für den Fall der Fälle gerüstet zu sein und gleichzeitig saftig Energie und somit Kosten zu sparen, empfiehlt es sich - vor allem für die Gastro - zum einen alle Angebote im Kerzenschein in Richtung Romantik zu trimmen und zum anderen die Küche insofern kalt zu lassen, wenn die Energiequelle über das Indoor-Lagerfeuer oder das Stövchen hinausgehen sollte.

Somit böten sich neben dem Steckerlfisch, dem Stockbrot, den Würsteln on Haselnussstaudn, dem auch bei vielen Erwachsenen beliebten süß-klebrigen Grillmarshmellows und den in Folie gewickelten Bratkartoffeln verstärkt die leider schon vielfach vergessene kalte Kuchl an, mit allem, was die regionale Küche für eine zünftige Brettljausn zu bieten hat.

Aber Achtung dabei: Es könnte nämlich durchaus sein, dass man aufgrund der durch den flackernden Kerzenschein candelareduzierten Umgebung in Kombination mit scharfen Bauernmessern schon längst am Holzbrett herumwurschtelt und dieses sukzessive am Verzehren ist. Denn während der an sich etwas zache Knoblauchspeck still, unbemerkt und somit unberührt in der Ecke sitzt und das Geselchte verzweifelt nach dem Schüsserl mit dem Erdäpfelpüree schielt, kämpft der Gast nach dem begeistertem Verzehr von drei scharfen Pfefferoni und elf Piri-Piri mit völlig überforderten Geschmacksnerven und somit mit dem problemlosen Verzehr des zweiten Drittels seines Brettes. Da auch der Most dazu schon längst seinen Magen erfüllte, machte er sich an die Blumenvase und soff das herrlich mit Blütenstaub aromatisierte Blumenwasser ex um anschließend noch so ein herrliches Gesöff zu ordern.

Mittlerweile entdeckte er die steinharten Hauswürstel, dachte kurz an delikate Äste zum Brett und pappte ganz viel scharfen Senf drauf. Gemeinsam mit dem Brotkorb aus Weide ergab das nämlich ein überaus attraktives Mouthing, das er fortan nie wieder missen mochte. Und so kam es also, dass die Gäste der Candlelight-Brettljausn so ziemlich gleichzeitig mit dem Erlöschen der IKEA-Teelichter auch mit dem Verzehr der Brettljausn samt Brettl und des dazu servierten Gebäcks samt Brotkerbl das große Ziel der Sättigung in Symbiose mit einer ziemlich einzigartigen Form der Erlebnisgastronomie erreicht haben. Einzig und allein die beiden Schüsserln, in denen der Salat und das Erdäpfelpüree angerichtet waren, blieben unversehrt über. Ausgeschleckt zwar, aber unverzehrt.

Was für den Gastronomen den zusätzlich Vorteil offensichtlich macht, nichts, das heißt fast nichts mehr, abservieren zu müssen. Frisches Wasser für die Vasen, neue Teelichter auf die Tische, hinten in der Schupfen vom großen Bloch mit der neuen Husqvarna aus dem Lagerhaus neue Brettln für die Jausn abgeschnitten und geht schon. Die nächste Partie kann kommen. So kann auch Candlelight-Dinner! Oder Lunch! Oder eben Jausn!

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