Willys Gastro-Wochenrückblick: Frankfur... Plus Artikel
 
Willys Gastro-Wochenrückblick

Frankfurter mit ohne

Markus Wache
Willy Zwerger: "Also gab ich mich mit normalen Frankfurter mit Saft zufrieden und erntete unmittelbar nach meiner Bestellung ein etwas unwirsches 'Hamma net!'"
Willy Zwerger: "Also gab ich mich mit normalen Frankfurter mit Saft zufrieden und erntete unmittelbar nach meiner Bestellung ein etwas unwirsches 'Hamma net!'"

In Willys Gastro-Wochenrückblick geht's diesmal um Frankfurter mit Saft, die man leider nicht mehr überall bekommt.

Bei aller Liebe zur Mehrhaubenküche verschlägt es mich nicht selten in ein ganz normales Beisl, um mir einfache Würstel oder ein Gulasch zu gönnen. Unlängst war mir nach Frankfurter mit Saft und Semmerl, also suchte ich eines der mittlerweile ziemlich rar gewordenen original Wiener Beisln auf und wollte das Urige und Echte mit all seinem nostalgischen Flair genießen.

Die Speisekarte, in Schönschrift in Form einer Schultafel an der Wand hängend, versprach jedenfalls sowohl Würstel mit Senf und Kren als auch ein großes und ein kleines Gulasch. By the way: Ich muss ja beim Begriff Frankfurter immer schmunzeln, wurden diese doch in Wien „erfunden“ und drum heißen sie weltweit auch Wiener Würstchen. Allerdings von dem Frankfurter Metzgermeister Johann Georg Lahner, der nach Wien auswanderte und diese seine Würstel Frankfurter nannte. Eine echte Wiener Spezialität also.

Zurück zu meinem spontanen Gusto. Da mir nicht nach Senf und Kren war, orderte ich Frankfurter mit Saft und hinterfrug zur Sicherheit, ob sie auch Sacherwürstel, also die in etwa doppelt so langen, mit höherem Rindfleischanteil im Brät und etwas länger geräucherten Frankfurter. Hatten sie leider nicht.

Also gab ich mich mit normalen Frankfurter mit Saft zufrieden und erntete unmittelbar nach meiner Bestellung ein etwas unwirsches „Hamma net!“ Etwas verdutzt runzelte ich die Stirn und sah dem Herrn Ober tief in die leicht zuckenden Augen. „Wirschtln mit Senf und Kren könnens haben, aber net mit Saft.“ Worauf ich ihn frug „Haben sie Gulasch?“, was er mit großer Freude bejahte. „Und warum kann ich dann keine Würstel mit Saft bekommen?“, wollte ich es nun genauer wissen. „Weil die Gulaschportionen ozöht san, do kennan mir ned so afoch nur in Soft obzweigen.“ 

Die lagerten also tatsächlich ihr Gulasch portionsweise im Tiefkühler und tauten es jeweils nur nach Bedarf auf. Ein Sakrileg, ein Verrat an die gute alte Wiener Wirtshauskultur, eigentlich ein Skandal. Ich überlegte kurz und orderte dann Würstel ohne Senf und Kren, aber eingelegt in ein kleines Gulasch, serviert auf einem flachen Teller. Das funktionierte problemlos. Obzwar ich es das nächste Mal ganz sicher in einem anderen Beisl versuchen werde, ganz normale Frankfurter mit Saft zu bekommen. Das kann doch nicht so schwer sein, oder?

redaktion@hotelundtouristik.at

stats