Energiekostenzuschuss: Die Toten des Str... Plus Artikel
 
Energiekostenzuschuss

Die Toten des Strom-(zu)-Schlags

© Andreas Kolarik
Ein Kommentar von HGV PRAXIS-Chefredakteur Axel Schimmel.
Ein Kommentar von HGV PRAXIS-Chefredakteur Axel Schimmel.

Welch jämmerliches Bild die Politik bei der Bewältigung der Energiewende abgibt. Ein Kommentar von Axel Schimmel.

Österreich ist gerade dabei, sich mit Schwung an die Spitze einer EU-Chart zu setzen. Und zwar in der Rangliste der Lächerlichkeit. Seit Tagen höre ich von nichts anderem als dass auch Tote den Energiekostenzuschuss ausbezahlt bekommen. Der Boulevard walzt diese Unglaublichkeit genüsslich aus und die Ämter argumentieren achselzuckend mit verspäteten Todesmeldungen, die eben zu Überschneidungen mit der Auszahlung geradezu „führen müssten“. Angeblich wurde der Stromzuschlag bereits an „tausende“ Todesfälle ausbezahlt.


Wie das gehen soll frage ich mich ehrlich? Wer mit einem Sterbefall konfrontiert ist, wird wissen, dass blitzartig sämtliche Konten gesperrt sind, die Sparbücher keinen Zugriff mehr erlauben. Auch die PVA dreht den Pensions-Hahn sofort zu, wenn man den Verblichenen nicht gerade auf der Couch vor sich hin verwesen lässt. Geschmacklos, ich weiß, aber soll ja schon vorgekommen sein.

Ein kurzer Check des Finanzministeriums bei der Sozialversicherung müsste also einen Großteil dieser auszahlungsbedingten „Überschneidungen“ einen Riegel vorschieben können. Falls nicht, ist das umso ärger und ein weiterer Grund für digitalisierte Amtswege.

Von der Fördernadel abhängig gemacht

Das ist aber nur die Spitze der Fördernadel, mit der uns die Regierung seit Monaten sediert. Sie schüttet Milliarden aus, die wir nicht haben und unsere Enkel noch abstottern werden. Träge, wie nach dem Verzehr von vier Grammelknödeln, wissen wir gar nicht mehr, was wofür auf unseren Konten eingegangen ist, geschweige denn, ob es auch rechtens ist. Denn, wenn ich mich richtig erinnere, versuchte die Regierung bei einem der ersten Energiezuschüsse an die Ehrlichkeit der Bevölkerung zu appellieren und bat darum, ihn nicht zu beantragen, wenn man ohnehin gut verdient. Na das ist mal eine Ansage.

Während wir also mit Milliarden-Guzzis zugeschüttet werden, droht am anderen Ende der Energiekollaps. Die zuständige Ministerin Gewessler predigt die Abkehr vom Verbrennen fossiler Rohstoffe hin zu nachhaltiger (grüner?) Energieerzeugung und schafft es dabei nicht einmal, die Landesenergieversorger an die Kandare zu nehmen. Nachdem die Sonne keine Rechnung schickt, ist die Energiegewinnung über Photovoltaik-Anlagen eine Schlüsselquelle. Nur, in vielen Kommunen müssen Anlagen abgelehnt werden, weil schlicht die Infrastruktur zur Einspeisung nicht vorhanden ist.

Die Ministerin müsste die Unternehmen nur dazu zwingen, dieses Manko schleunigst zu beheben. Jedes Dach, jede Fassade ist ein kleines Kraftwerk, ja sogar auf Balkonen von Garconnieren wird bereits Strom gewonnen. Dem nicht genug ist auch die Wirkung des berühmten Strompreisdeckels fraglich, wenn es wirtschaftlich lohnenswerter ist, nachhaltig erzeugten PV-Strom ins öffentliche Netz einzuspeisen (falls es möglich ist) und zum eigenen Verbrauch staatlich gestützt billiger wieder zurückzukaufen.

Strategielose Rundumschläge

Gekrönt wird dieser substanzlose Aktivismus nun von einer Werbekampagne, in der uns bahnbrechende Energiespartipps à la „Fensterabdichten“ und „Waschmaschine ganz anfüllen“ verklickern sollen, dass wir winters nicht den Erfrierungstod sterben. Angeblich macht das Gewessler-Ministerium dafür 3,6 Millionen Euro locker.

Apropos substanzlos: Eine ZiB-Redakteurin befragte neulich einen Gasmanager über den Befüllungsgrad des Wintervorrats. Er schwafelte etwas von soundsovielen Terrawatt und sprach dann wörtlich ins Mikrofon: „Um Ihnen ein Gefühl zu geben, das sind zwanzig Prozent mehr als im Vergleich zum Vorjahr.“ Dass es mehr ist, habe ich verstanden. Aber er nannte keine Bezugsgröße, ob das nun viel oder wenig ist, ob das nun ausreichen wird oder nicht. Nichts. Nada. Das eigentliche Tragische an der Chose ist, es kam nicht die leiseste Nachfrage an den Befüllungsmanager, geschweige denn ein resolutes Nachhaken. Aber vor lauter gutem Gefühl wurde mir sogleich warm ums Herz.

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