Willys Gastro-Wochenrückblick: Das sch... Plus Artikel
 
Willys Gastro-Wochenrückblick

Das schwarze Schaf

Markus Wache
Willy Zwerger: "Mittlerweile beliefert mein Freund nicht nur die steirische Spitzengastronomie mit seinem hervorragenden Lammfleisch, sondern auch viele Spezialitätengeschäfte mit Fleisch und Käse."
Willy Zwerger: "Mittlerweile beliefert mein Freund nicht nur die steirische Spitzengastronomie mit seinem hervorragenden Lammfleisch, sondern auch viele Spezialitätengeschäfte mit Fleisch und Käse."

Diesmal in Willys Gastro-Wochenrückblick: Eine tierische Freundschaft mit erwartbarem Ausgang.

Ich habe in der Südsteiermark einen Freund, der eines Tages seinen gutdotierten Filialleiterjob bei einem Elektrogroßmarkt kündigte, einen alten, längst verlassenen Bergbauernhof erstand, um Biobauer zu werden. Er kaufte sich ein Buch „Wie züchte ich Schafe“ und begann mit einer kleinen Familie mit fünf Schafen und einem Bock. Dann legte er sich ein Zweitbuch zu „Wie produziere ich Schafskäse“ und fing an, quasi im Hinterstübchen, die unterschiedlichsten Schafkäsesorten zu produzieren. 

Als ich ihn seinerzeit besuchte, führte er mich raus auf die Weide und zeigte mir sichtlich nicht ohne Stolz seine mittlerweile ziemlich große Herde weißer Schafe und Lämmer. Halt, nicht ganz. Denn mittendrin befand sich ein kleines, schwarzes Lämmchen, das – im Gegensatz zu den anderen weißen – sofort fröhlich gelaunt auf mich zukam, um an meinem Mittelfinger anzudocken. Mit den Worten „Das ist der Franzi“ stellte mir mein Freund den aufgeweckten Burschen vor, der an diesem Tag nicht mehr von meiner Seite wich und ich doch tatsächlich so etwas wie Gefühle für ihn entwickelte.

Mir wurde die Melkanlage gezeigt, das stets frisch zusammengemixte Futter, die Stallungen und auch jener Raum, in dem diese wunderbaren Käsespezialitäten entstanden. Mittlerweile beliefert mein Freund nicht nur die steirische Spitzengastronomie mit seinem hervorragenden Lammfleisch, sondern auch viele Spezialitätengeschäfte mit Fleisch und Käse.

Ziemlich beeindruckt von der fast kitschigen Idylle auf meines Freundes Hof, musste ich einige Wochen darauf wieder bei ihm vorbeischauen, weil ich ziemlich dringend Schafkäse brauchte. Und um Franzi zu besuchen. Spontan lud er mich zum Lammbraten ein, der goldbraun und sensationell duftend in seinem Holzofen vor sich hinschmurgelte. Mit ganz vielen Kräutern aus dem eigenen Garten und Lagen-Rotwein vom Skoff. Dazu gabs Thymianerdäpfel, die einfach in derselben Kasserolle wie der Lammbraten mitschmoren durften. Es hat jedenfalls exzellent gemundet, bis zu dem Zeitpunkt, an dem mir mein Freund so nebenbei mitteilte, „Übrigens, das, was dir da so hervorragend gemundet hat, war der Franzi“.

redaktion@hotelundtouristik.at

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