Willys Gastro-Wochenrückblick: Beat & ... Plus Artikel
 
Willys Gastro-Wochenrückblick

Beat & Eat

Markus Wache
Willy Zwerger: "Spätestens jetzt, also quasi nach dem dritten Gang, wenn man das Amuse-Gueule mitzählt, wird Sie der so verwöhnte Gast lieben, wird Sie herzen wie die Oma ihre Enkerl und sich ungemein auf den Hauptgang freuen."
Willy Zwerger: "Spätestens jetzt, also quasi nach dem dritten Gang, wenn man das Amuse-Gueule mitzählt, wird Sie der so verwöhnte Gast lieben, wird Sie herzen wie die Oma ihre Enkerl und sich ungemein auf den Hauptgang freuen."

Wie Sie sicher wissen, kommt es immer auf die Begleitung an - auch wenn Sie alleine dinieren, findet Willy Zwerger in seinem Gastro-Wochenrückblick.

Es geht nicht um eine gesellschaftlich relevante Begleitung und wer schlußendlich die Zeche wirklich bezahlt, auch nicht um eine gediegene und vielerorts bis zum letzten Tropfen aus dem Limousine-Eichenfass zelebrierte Weinbegleitung und ebenfalls nicht um die etwas rustikalere Variante, die Bierbegleitung. Diesmal geht‘s um die perfekte Musikbegleitung. Soll heißen, im Hintergrund läuft keine Fahrstuhlmusik für alle Gäste im Lokal, sondern individuelle und perfekt auf die jeweilige Person sowie den gerade servierten Gang abgestimmte Stücke Musik, zugespielt von einem persönlichen Plattenreiter mittels Wireless-In-Ear-Kopfhörer.

Perfekt ausgeklügelte Menüs bieten somit auf den jeweiligen Gast und seinen musikalischen Vorlieben zugeschnittene melodiöse Leckerbissen, die den kulinarischen Genuss sinnvoll ergänzen. Ein Beispiel: Sollte sich der Gast eher zur Bluesszene hingezogen fühlen als zur Schlagermusik, wird man ihm zum opening Gruß aus der Küche, einem raffinierten Mini-Flammküchlein mit Schafskäse, Honig und Rosmarinzweig, Buster Bentons „Money is the name of the game“ einspielen, zur Vorspeise, Original Spaghetti Carbonara mit Guanciale, Eidotter, Pecorino und ja keiner Sahne, „Nothin’ good to say“ von Smoking Gun und zur Altösterreichischen Apfelsuppe „Jazz man“ von Beth Hart. Spätestens jetzt, also quasi nach dem dritten Gang, wenn man das Amuse-Gueule mitzählt, wird Sie der so verwöhnte Gast lieben, wird Sie herzen wie die Oma ihre Enkerl und sich ungemein auf den Hauptgang freuen. Das wird ein Geschmortes Kalbsbackerl mit Wurzelgemüse und Schnittlauchpüree sein, zu dem der Personal DJ Mike Griffins „The Blues ain‘t never gonna die“ ausgewählt hat. Den krönenden Abschluss unseres Blues-Menüs bildet dann eine sehr delikate Variante des Nonnenfürzchens, also Profiteroles mit Vanillesauce, Schokostückchen und heissen Kirschen. Und auf die Ohren gibts dazu „What in the world“ von Rory Gallagher.

Sollte jedoch wider Erwarten Ihr Gast oder Ihre Gästin doch Schlagermusik präferieren, so kann ja der so gequälte DJ für eine kleine Zusatzmaut Liedgut von Jürgen Drews, Helene Fischer, Beatrice Egli, Semino Rossi und dem Dings, dem Andreas Gabalier einspielen. Und hoffen, dass ein bisserl schneller hinuntergeschlungen wird als sonst, damit das Drama etwas früher zu Ende gehen kann. Was man jedoch locker mit kleineren Portionen seitens der Küche steuern kann. Und die In-Ear-Hurcherln muss man ja danach so und so desinfizieren.

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